Sonnequa Martin-Green als Weltraum­-Offizierin Michael Burnham Foto: Netflix

„Star Trek – Discovery“ um die tollkühne Heldin Michael Burnham bietet in der zweiten Staffel Action, Emotionen und Technik – und geht auf Tuchfühlung zum Raumschiff Enterprise.

Stuttgart - Das Leben ist zu kurz, um es mit schlechten Serien vor dem Fernseher zu verschwenden. Unser Schnelltest verrät, ob es sich wirklich lohnt, „Star Trek – Discovery“ anzuschauen.

Die erste Episode in drei Sätzen Unter einem neuen Captain namens Pike, der von der defekten Enterprise auf die Discovery wechselt, verfolgt die Crew ominöse Signale aus dem All. Sie findet inmitten rasend schnell wirbelnder Asteroidentrümmer ein havariertes Raumschiff, kann in einer irrwitzigen Aktion Überlebende bergen und dunkle Materie, die Entwicklungspotenzial für den Sporenantrieb verspricht.

Was soll das alles? Diese Frage ist bei dieser Serie müßig – Spaß hat man hier nur, wenn man ­die dick aufgetragene humanistische Grundbotschaft akzeptiert sowie das völlig überdrehte Science-Fiction-Szenario. Dann kann man sich an technischen Unmöglichkeiten erfreuen, an feschen, figurbetonten Glanzkostümen und Außerirdischen wie Klingonen und Kelpianern.

Wer spielt mit? Sonequa Martin-Green verströmt erneut ungeheure Energie als Weltraum-Cowgirl Michael Burnham. Sie hat auf dem Logik-hörigen Planeten Vulkan eine strenge Erziehung genossen, ist dennoch voller Empathie und stürzt sich todesmutig in jede noch so gefährliche Mission. Der Verwandlungskünstler Doug Jones brilliert erneut als Kelpianer Saru, Mary Wiseman als findige Forscherin und Quasselstrippe Tilly. Neu dabei ist Anson Mount als Captain Pike, der aussieht wie ein US-Präsidentendarsteller und charakterlich das Gegenteil dessen verkörpert, was den paranoiden Lorca in Staffel eins so interessant gemacht hat.

Was sind die wichtigsten Motive? Eine schemenhafte Erscheinung, die an eine rötliche Engelsfigur erinnert, wird zum zentralen Rätsel. Michael Burnham sucht ihren Stiefbruder Spock und offenbart ein traumatisches Familiengeheimnis. Die zeitlich etwa ein Jahrzehnt vor der Originalserie angesiedelte Handlung nähert sich selbiger also allmählich. Auch Tilly sieht Gespenster, ihr erscheint eine frühere, inzwischen verstorbene Schulfreundin und treibt sie an den Rand des Wahnsinns. Außerdem gefährdet ein Mischlingsbaby, halb Mensch halb Klingone, den gerade erst geschlossenen Frieden.

Wer steckt dahinter? Bryan Fuller hat schon an den „Star Trek“-Serien „Voyager“ und „Deep Space Nine“ mitgewirkt, Alex Kurtzman an den Reboot-Kinofilmen „Star Trek“ (2009) und „Star Trek: Into Darkness“ (2013). Außerdem ist Eugene Roddenbery, der Sohn des „Star Trek“-Schöpfers Gene Roddenbery, erneut als Produzent gelistet.

Der Satz des Tages „Wir sind auf Kollisonskurz mit einem Pulsar“, sagt Burnham auf dem Asteroiden zur einzigen Gestrandeten, die bei Bewusstsein ist. Die antwortet mit trockenem Sarkasmus: „Oh, was für eine Erleichterung – dann werden wir jetzt alle sterben.“

Die Szene des Tages Ein erkälteter Außerirdischer, der an den Wassermann aus „Shape of Water“ erinnert, niest im Fahrstuhl mit ausgesprochen unschönen Konsequenzen. Da scheint der alte „Enterprise“-Humor durch.

Der „Star Trek“-Moment Burnhams Stiefbruder Spock ist verschwunden – er sei „auf eine Frage gestoßen, die er nicht beantworten konnte“, sagt Captain Pike. Wer Spock von früher kennt, weiß, dass dieser eines gar nicht aushalten kann: Wenn es auf Fragen keine logische Antwort gibt.

Wer soll das gucken? Freunde des Genrefilms, die Spaß an Science Fiction haben, sich zugleich aber für zwischenmenschliche Problemlagen interessieren. Die Effekt-Sequenzen im All sind wie in Staffel eins brillant und rasant inszeniert.

Wer nicht? Alle, die „Star Wars“ und „Star Trek immer noch nicht auseinanderhalten können.

Bingewatch-Faktor Hoch – Krisen und Dramen sind so eng getaktet, dass man kaum zum Durchatmen kommt. Allein die übertrieben auf hässlich maskierten Klingonen pieksen hier und da die Illusionsblase.

Gesamtnote 2

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