Liebe in Zeiten von Instagram, Snapchat und Co.: Hunter Schafer als Jules Vaughn (links) und Zendaya als Rue Bennett Foto: HBO/Sky

Der nächste große Aufreger nach der Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“: Was taugt das kontroverse mit Sex und Drogen vollgepackte Coming-of-Age-Drama „Euphoria“?

Stuttgart - Sex, Drogen und Teenagerdramen: Die schrill-provokante TV-Serie „Euphoria“ erzählt Highschool-Geschichten der etwas anderen Sorte und hat beim Start in den USA bereits für sehr viel Aufregung gesorgt. Wir haben für Sie die Serie getestet, die von Mittwoch, 16. Oktober, an bei Sky zu sehen ist.

Die Story in drei Sätzen Rue ist 17, bi­polar, hat eine Zwangsstörung und schon so ziemlich alle Drogen ausprobiert, die man schlucken, schniefen oder inhalieren kann. Nachdem sie die Schulferien mal wieder nach einer Überdosis in einer Entzugsklinik verbringen musste, hat sie keinesfalls die Absicht, clean zu bleiben, verliebt sich dann aber in Jules, ein Transmädchen, das neu in der Stadt ist und sich gerne über eine Dating-App mit viel zu alten Männern trifft. Einer davon ist der Vater von Nate, dem Footballstar der Schule, der seine sexuellen Unsicherheiten gerne mit Gewaltausbrüchen überspielt.

Klingt ganz schön kompliziert Ist es auch, weil „Euphoria“ voller solcher verquerer Teenager ist. Da gibt es etwa den ständig zugedröhnten Fezco, der zusammen mit seinem kleinen Bruder ­Ashtray in einem Supermarkt die Kids der Stadt mit Drogen versorgt. Oder die übergewichtige Kat, die beschließt hemmungslos ihre sexuellen Fantasien auszuleben und als Camgirl Karriere machen wird. Und da sind Christopher, der Probleme hat, sich am College zurechtzufinden, und Cassie, die sich damit abgefunden hat, dass alle ihr Mitschüler ihr Sexvideo kennen, dass irgendjemand ins Netz gestellt hat.

Gibt es hier gar keine Erwachsenen? Nicht wirklich. Ein bisschen erinnert „Euphoria“ da an die „Peanuts“. Die Eltern taugen bestenfalls als Randfiguren, die keinerlei Autorität haben.

Klingt nicht nach Familienunterhaltung Die Serie hat nichts mit den üblichen Highschool-Komödien zu tun. Ähnlich wie die Netflix-Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ hat „Euphoria“ in den USA heftige Debatten ausgelöst – wegen der expliziten Sexszenen und der Ausführlichkeit, mit der Drogenkonsum der jugendlichen Protagonisten in Szene gesetzt wird.

Ein Beispiel? In einer Szene gibt Rue den Zuschauern Tipps, wie man einen Drogentest besteht, wenn keine Drogen zu nehmen als Möglichkeit nicht infrage kommt: Sie rät ab von Niacin (zu viele gefährliche Nebenwirkungen) und von synthetischem Urin (zu teuer) und empfiehlt, man solle eine Freundin, die keine Drogen nimmt, für einen pinkeln lassen.

Woher kennt man die Rue-Darstellerin? Zendaya wurde durch eine Disney-Serie berühmt („Shake it up – Tanzen ist alles“), außerdem war sie in den letzten beiden „Spider-Man“-Filmen Peter Parkers Highschool-Liebe MJ. Sydney Sweeney (Cassie) kennt man aus Quentin Tarantinos „Once upon a Time in Hollywood“, Eric Dane, der Nates Vater Cal spielt, aus „Grey’s Anatomy“. Hunter Schaefer (Rue) und Barbie Ferreira (Kat) sind Models.

Wer steckt dahinter? „Euphoria“ basiert auf einer israelischen Miniserie. Die US-Version hat Sam Levinson (Sohn des „Rain Man“-Regisseurs Barry Levinson) für HBO entwickelt. Einer der Produzenten ist der Rapper Drake.

Der Soundtrack Ein hübsches Durcheinander: von Beyoncés „Hold Up“ bis Jimmy Reeves „Snow­flakes“, von Agnes Opels „Run cried the Crawling“ bis Randy Newmans „Same Girl“. Und natürlich Drake.

Der Satz des Tages „Viele interessante, intelligente, komische und kreative Menschen haben die gleichen Probleme wie du: Zum Beispiel Vincent van Gogh, Sylvia Plath und Britney Spears.“ (Rues Mutter versucht sich vergeblich in Lebenshilfe)

Wer soll das schauen? „Euphoria“ kommt so daher, als hätte Billie Eilish ein Mash-up aus Danny Boyles „Trainspotting“, Larry Clarks Jugendfilm „Kids“ und Amy Heckerlings „Fast Times at Ridgemont High“ gemacht. Rue als unzuverlässige Ich-Erzählerin der Serie macht kuriose Wendungen und eine halluzinierende Ästhetik möglich. Es geht hier aber nicht nur um Sex und Drogen und die erschwerten Bedingungen des Erwachsenwerdens in Zeiten von Instagram, Snapchat und Co, sondern nebenbei wird auch grandios die Tristesse der Vorstädte vorgeführt.

Wer sollte das nicht schauen? Alle, die schnell aus der Fassung zu bringen sind und glauben, das Erwachsenwerden sei ein einziger kunterbunter Disney-Spaß.

Bingewatch-Faktor Hoch. Und zum Glück geht die Geschichte von Rue, Jules und Kat auch nach den nun vorliegenden acht Episoden weiter: Der Pay-TV-Sender HBO hat längst eine zweite Staffel in Auftrag gegeben.

Gesamtnote 1-2

Ausstrahlung/Streaming Sky Atlantic zeigt von Mittwoch, 16. Oktober, an „Euphoria“ wöchentlich jeweils um 20.15 Uhr in Doppelfolgen. ­Parallel dazu ist die achtteilige Serie auch über Sky Ticket, Sky Go und Sky Q verfügbar.

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