Traue keinem – auch nicht dir selbst: Janelle Monáe in „Homecoming“ Foto: Amazon/Ali Goldstein

Wer die erste Staffel des mysteriösen Psychothrillers „Homecoming“ mit Julia Roberts verpasst hat, sollte das jetzt unbedingt nachholen. Man kann aber auch gleich mit der zweiten Staffel beginnen – und von diesem Freitag an zusammen mit Janelle Monáe durch ein wunderbares Verwirrspiel irren.

Stuttgart - Stellen Sie sich vor, Sie wachen in einem Ruderboot mitten auf einem See auf. Dass Ihr Telefon durch all das Hin- und Hergeschwanke beim Aufstehen gleich ins Wasser fällt und dass Sie kein Ruder haben, sind noch Ihre kleinsten Probleme. Denn Sie haben keine Ahnung, wo Sie sind, wie Sie hier hergekommen sind – und wer Sie überhaupt sind.

So ergeht es der Hauptfigur in der zweiten Staffel des wunderbar paranoid-mysteriösen Psychothrillers „Home­coming“, der von an diesem Freitag an bei Amazon Prime zu sehen ist. Und so geht es Ihnen, wenn Sie sich die Serie anschauen, denn auch Sie werden ins kalte Wasser geworfen, irren mit dieser verwirrten Heldin auf der Suche nach Hinweisen umher. Falls Sie also solche Rätselspiele mögen, dann sind Sie in dieser außergewöhnlich ungewöhnlichen Serie genau richtig.

Ein verstörendes Puzzle

Wer die erste Staffel von „Homecoming“ gesehen hat, weiß, worauf er sich einlässt. 2018 spielte Julia Roberts Heide Bergman, eine Frau, die bei einem experimentellen Projekt zur Wiedereingliederung von Soldaten arbeitet. Regisseur Sam Esmail („Mr. Robot“) sorgte schon damals dafür, dass man als Zuschauer nie wirklich wusste, was hinter der Geschichte steckt. Er breitete ein verstörendes Puzzle vor dem Zuschauer aus, bei dem man immer den Eindruck hatte, dass die wichtigsten Stücke fehlten. An der zweiten Staffel sind Roberts und Esmail weiterhin als ausführende Produzenten beteiligt; die Hauptrolle hat jetzt aber die Sängerin und Schauspielerin Janelle Monáe („Hidden Figures“, „Moonlight“) übernommen. Und Esmail hat die Story an Eli Horowitz und Micah Bloomberg abgegeben. Von den beiden stammte bereits der Podcast, auf dem die Serie basiert – und der ein noch viel verwirrenderes Puzzlespiel darstellt, weil er wie die TV-Serie auf einen Erzähler verzichtet und den Hörer dazu nötigt, sich die Story allein aus allerlei Audioschnipseln zusammenzureimen.

Zeitlupen-Kamerafahrten und Retrolook

In der „Homecoming“-Fortsetzung darf man nun also mitverfolgen, wie sich eine Frau, die ohne Erinnerung aufwacht, an Fundstücken entlang in ihr Leben zurück hangelt: Hier ein auf eine Serviette gekritzelter Name einer Bar, da ein Beutel Katzenstreu, dort eine Mietwagenrechnung. Heißt sie Alex oder Jacqueline? War sie beim Militär? Was hat es mit den roten Ampullen und der Firma Geist auf sich?

Man muss die erste Staffel von „Homecoming“ nicht kennen, um sich in dieses neue Verwirrspiel zu stürzen und sich darin zu verlieben. Und selbst wenn man Staffel eins kennt, kommen einem zwar die Zeitlupen-Kamerafahrten, die Treppenhauslabyrinthe und der symmetrische Bildkompositionen, der eigentümliche Retrolook bekannt vor, dazu die besondere Aufmerksamkeit für das Geschehen in der Tonspur oder die seltsam angespannte Atmosphäre. Doch trotzdem tappt man wie die Hauptfigur wunderbar ahnungs- und orientierungslos von Folge zu Folge.

Chris Cooper und Joan Cusack

Zehn mal 30 Minuten muss man durchhalten in dieser mysteriösen Versuchsanordnung. Nur wenige vertraute Gesichter aus der ersten Staffel bekommt man zu sehen. Stattdessen liefern jetzt etwa Chris Cooper und Joan Cusack Puzzlestücke für Janelle Monáes Spurensuche.

Streaming Alle zehn Episoden der zweiten „Homecoming“-Staffel sind von Freitag, 22. Mai, an bei Amazon Prime im englischen Original verfügbar. Die deutsche Synchronfassung folgt später im Jahr. Die erste Staffel liegt auch auf Deutsch vor.

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