Am Remsursprung bewachen drei steinerne Quellwächter die im Berg gefangene Remsnixe. Foto: Gottfried Stoppel

Mit der interkommunalen Gartenschau wird Neuland betreten. Aktiv sollen auch die Besucher werden. In einer Serie stellen wir Projekte in allen 16 Kommunen vor. Heute: Essingen, Mögglingen und Böbingen.

Essingen - Noch genau 96 Tage, dann wird in Schorndorf die Remstal-Gartenschau offiziell eröffnet – die bundesweit erste Gartenschau, die sich über 80 Kilometer, 16 Kommunen und drei Landkreise erstreckt. Was spielt sich drei Monate vor dem Start am Ursprung der Rems im Ostalbkreis in Essingen ab, was in Mögglingen und in Böbingen. Wie weit sind die Planungen? Was ist wichtig, was klappt, was wird nichts?

Was geht in Essingen?

Dort wo die Rems am Fuß der Schwäbischen Alb entspringt, da muss natürlich auch ein attraktiver Ausgangspunkt für eine Remstal-Gartenschau geschaffen werden. Denn die Remsquelle, recht versteckt etwas abseits von der Landesstraße zwischen Essingen und Lauterburg gelegen, hat seither ein eher schlichtes Dasein geführt. Ein Quellstein am kleinen Becken, zwei ziemlich in die Jahre gekommene Bänke und ein Holzbrückle, die inzwischen der Baufälligkeit wegen abgebaut sind. Für die Gartenschau, so berichtet Essingens Bürgermeister Wolfgang Hofer, ist der Bereich des Rems-Ursprungs bereits vor einiger Zeit aufgemöbelt und deutlich attraktiver gestaltet worden – und drei Quellwächter, dargestellt von steinernen Findlingen, symbolisieren neuerdings die Bewachung der mystischen Remsnixe im Berg dahinter.

Zurückhaltend sei der Ausbau des Remsquellenbereichs allerdings ausgefallen, sagt der Bürgermeister – eine Auflage des Naturschutzes. An der Landesstraße signalisiert bis zur Gartenschau die weiße Treppe als Teil des Stationenprojekts der Gartenschau vis-à-vis der Landesstraße an einem kleinen Steinbruch und eine Stele zugleich den Einstieg zur Remsquelle und zum neu gestalteten umfassenden Remswanderweg.

Innerorts sind in Essingen – Gartenschau-Motto „unendlich quirlig“ – der neu gestaltete Schlosspark samt Teich, Pavillon, Pflanzbeeten und temporärer Bühne sowie die über den Hang ragenden Remsterrassen mit Weitblick über das Tal die Hauptprojekte für die anstehenden Gartenschaumonate. Ein Bildhauersymposium, eine Oldtimer-Rallye und das Open-Air-Kino vom 2. bis zum 6. Mai sind weitere Highlights, bevor am 12. Oktober der inzwischen fast schon traditionelle Albabtrieb mit 50 geschmückten Kühen in Essingen den Gartenschau-Schlusspunkt setzt.

Was macht Mögglingen?

„Unendlich pfiffig“ lautet in Mögglingen das Unendlichkeitsmotto für die 164 Gartenschautage zwischen dem 10. Mai und dem 20. Oktober. Pfiffig ist aus kommunaler Sicht dabei natürlich auch, dass just im Jahr des Großereignisses die lang ersehnte B-29-Umgehung um Mögglingen fertig wird. Ein richtig großes Prestigeprojekt habe man in der mit rund 4200 Einwohnern kleinsten unter den 16 Gartenschau-Kommunen nicht, sagt Bürgermeister Adrian Schlenker. Dafür gebe es gleich mehrere Gartenschaubeiträge, die „für die Mitbürger auch langfristig Mehrwert bringen“. Zum Beispiel den Duftrosenpark und andere Gärten. Und Einzelveranstaltungen wie Museennacht, Rettichfest oder „Mögglingen tanzt“ beschränken sich nicht nur auf die Highlightwoche Ende Mai.

Absolut glücklich ist der Mögglinger Schultes über den zehn Meter hohen Aussichtsturm samt Panoramaplattform, dessen Holzkonstruktion in dieser Woche aufgestellt wird und der in Sachen Finanzierung auf einer Spende seines Amtsvorgängers an den Albverein basiert. Ein echter Wermutstropfen im Mögglinger Gartenschau-Freudengläsle ist die unter anderem bereits im Marco-Polo-Führer „Remstal“ avisierten Freiheitsstatue im Rahmen des remstalübergreifenden Stationen-Projekts. Zwischen dem Berliner Promi-Architekten und der Kommune herrscht Uneinigkeit über den Standort. Er rechne nicht damit, dass die an die Befreiung vom innerörtlichen B-29-Verkehr durch die nagelneue Umfahrung erinnernde Statue noch realisiert werden könne, sagt Schlenker. Er werde aber versuchen, den extrem schwer erreichbaren Berliner Architekten nochmals zu kontaktieren.

Wie läuft es in Böbingen?

Gewisse Sorgen um das Stationenprojekt hat es auch in der Nachbargemeinde Böbingen gegeben. Dort waren in den vergangenen Wochen plötzlich Zweifel aufgetaucht, ob beim weißen Dach im Wald – entworfen vom Berliner Architekturbüros Staab – die als Fundament vorgesehenen Bäume im Park am alten Bahndamm die Last überhaupt tragen können. Inzwischen liege aber ein Gutachten vor , das die Standfestigkeit bestätige, kommt jetzt Entwarnung aus dem Böbinger Rathaus. Das Stationsdach wird gebaut und voraussichtlich Ende April fertiggestellt, sagt die Gartenschau-Beauftragte Christine Bart.

Die Hauptattraktion in Böbingen („Unendlich offen“) ist – bei vielerlei Einzelveranstaltungen zwischen Mai und Oktober – eben jener rund fünf Hektar große, zentral gelegene Park am alten Bahndamm. Ausgestattet wird er mit Bachufer-Aufenthaltsbereich, überdachtem Festplatz, Spielplätzen, Boulebahn, Beachvolleyballfeld sowie innerörtlichem Waldbereich samt Kindergarten mit waldpädagogischem Konzept. Das Projekt lässt sich die Kommune insgesamt etwa 3,6 Millionen Euro kosten.

Verblüht: Gartenschau-Flops

Idee
Im Projekt 16 Stationen sollte Mögglingen eine vom Berliner Büro Brandlhuber+ gestaltete Freiheitsstatue erhalten, die auf die Befreiung des Ortes vom Bundesstraßenverkehr durch die just in diesem Jahr vollendete B-29-Umfahrung verweist.

Problem
Der Gemeinderat lehnt den vom Architekten gewünschten Platz auf einer markante Erhöhung ab, wahrscheinlich wäre dieser auch aus Gründen des Landschaftschutzes nicht durchsetzbar. Die Standortvorschläge der Kommune lehnt wiederum der Architekt Arno Brandlhuber bisher offenbar kategorisch ab.

Ergebnis
Er rechne damit, dass es die Mögglinger Station bei der Remstal-Gartenschau wohl nicht geben wird, sagt Bürgermeister Adrian Schlenker.

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