Das erfolgreiche Team des SV Fellbach in der Handball-Saison 1995/1996. Foto: Archiv

Großartige Erfolge, großartige Momente: Fellbachs Sportler(innen) haben in den vergangenen Jahrzehnten viel erlebt. Wir wollen ihre Geschichte und ihre Geschichten wieder aufleben lassen. Heute: die Handballerinnen des SV Fellbach anno 1995/1996.

Fellbach - SVF hat Konzept, aber keine Mannschaft mehr – so titelte die Fellbacher Zeitung am 25. April 1996 über einen Bericht, dessen Inhalt schwarz auf weiß belegte, womit Insider damals schon seit längerem gerechnet hatten: den Verzicht der Fellbacher Handball-Frauen an den Aufstiegsspielen zur zweiten Bundesliga. Was für eine schwer verdauliche Kost, die da den Lesern und kurz zuvor den Abteilungsmitgliedern bei der Jahreshauptversammlung serviert worden war.

Es habe einfach alles gepasst, die Runde sei ein Selbstläufer gewesen

Nicht nur, dass die Fellbacherinnen um ihre langjährige Kapitänin Regine Schlagbauer (heute Gaiser) die Saison in der Regionalliga dominiert hatten und etwas später – nach der Versammlung stand noch das finale Spiel gegen die SG Freiburg aus – mit 42:2 Punkten und 491:339 Toren ungeschlagener und souveräner Meister wurden. Nur zweimal hatten sich die Fellbacherinnen mit einem Unentschieden begnügen müssen. Auch die finanziellen Voraussetzungen für das Abenteuer zweite Bundesliga waren bereits erfüllt worden. Einzig: Es fehlte das Personal für ein konkurrenzfähiges Team. So unglaublich das auch klingen mag. Denn in den Ligaspielen hatten sich die Spielerinnen stets als Einheit präsentiert. Als ein Verbund – angeführt von dem Trainer-Duo Gunther Häberle, den alle nur „Kuno“ nannten, und Harry Goos –, der jede Menge Spaß auf dem Spielfeld hatte. „Wir hatten individuell starke Spielerinnen, aber keine wollte sich profilieren. Das war super“, sagt Regine Gaiser im Rückblick. Es habe einfach alles gepasst, die Runde sei ein Selbstläufer gewesen, ein einziges Highlight, sagt die heute 50-Jährige.

Der Kader in der Regionalliga war ohnehin nicht groß gewesen

In eine ähnlich Kerbe schlägt Heike Seeger, die in der Spielzeit zuvor gemeinsam mit Andrea Taglieber, Bianca Schuon und Kerstin Zimmermann (die beiden Letztgenannten blieben nur eine Saison) vom Stadtkonkurrenten TSV Schmiden gekommen war. „Das war eine supernette Saison, alles total harmonisch“, sagt sie. Doch warum dann der Aderlass?

Nun, der Kader in der Regionalliga war ohnehin nicht groß gewesen. Zum letzten Spiel gegen die SG Freiburg (27:19-Erfolg) war der SV Fellbach verletzungsbedingt gar nur noch mit acht Feldspielerinnen angetreten. Und als die einstige Juniorinnen-Nationalspielerin Claudia Seeger sowie Ilonka Croll, die beide zwei Jahre zuvor vom Bundesligisten VfL Sindelfingen gekommen waren, signalisiert hatten, dass sie den zeitlichen Aufwand in der zweiten Bundesliga nicht mehr betreiben wollten, waren gleich zwei ganz wichtige Stützen der SVF-Handballerinnen weggebrochen.

Einen schriftlichen Vertrag unterzeichneten letztlich aber nur drei

Und so waren es im Januar 1996 nur fünf Spielerinnen – Regine Schlagbauer, Marion Radonic, Heike Seeger, Gabriella Hummel und Daniela Hansen – die dem Verein im Falle des Aufstiegs für eine weitere Zusammenarbeit das Ja-Wort gegeben hatten. Einen schriftlichen Vertrag unterzeichneten letztlich aber nur drei. Torfrau Daniela Hansen und die pfeilschnelle Kreisläuferin Gabriella Hummel, die im Trikot des SV Fellbach ein kongeniales Duo gebildet hatten, hatten Angebote vom damaligen Zweitliga-Dritten TuS Metzingen vorliegen und wollten von den Abteilungsvorderen des SVF deshalb erst wissen, ob tatsächlich zweitligataugliche Zugänge garantiert werden könnten. Und just hier begann der Teufelskreis – vor allem für den damaligen Spielleiter Fritz Hopf und den stellvertretenden Abteilungsleiter Manfred Teschke.

Die beiden konnten potenzielle Zugänge weder mit der Aussicht auf einen zweitligatauglichen Kader locken noch stand da bereits fest, dass der Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse tatsächlich gelingen sollte. So hielt sich auch die umworbene Andrea Krammer von der TSG Oßweil, damals Torschützenkönigin der Oberliga, mit ihrer Entscheidung zurück.

Bis heute hat nie wieder ein Frauenteam des SV Fellbach so hoch gespielt

Als Daniela Hansen und Gabriella Hummel kurz darauf in Metzingen Verträge unterschrieben und klar war, dass Heike Seeger wegen ihres zweiten Kreuzbandrisses, den sie sich kurz vor dem Saisonende zugezogen hatte, gar nicht mehr spielen würde, bedeutete dies das Ende des bis dahin überaus erfolgreichen Frauen-Handballs am Kappelberg. Das Zweitliga-Projekt des SVF war wie ein Kartenhaus zusammengebrochen, die Fellbacher Frauen verabschiedeten sich nach zwei Jahren in der Regionalliga ins Nichts. Das Team wurde aufgelöst, Leistungshandball war passé. Die bis dahin zweite Vertretung war nunmehr die einzige, die aber lediglich auf Bezirksebene spielte. Keine Option für Regine Gaiser, die 1987 vom ABV Stuttgart gekommen war und mit ihren 26 Jahren noch nicht tiefer als in der Oberliga spielen wollte. Also schloss sich die Außenspielerin der SV Winnenden an. Diese hatte soeben den Aufstieg in die Oberliga geschafft – mit der Spielertrainerin Kerstin Zimmermann.

Bis heute hat nie wieder ein Frauenteam des SV Fellbach so hoch gespielt wie das meisterliche Ensemble der Spielzeit 1995/1996. Der aktuelle Verbund schaffte jüngst in der wegen der Corona-Pandemie vorzeitig abgebrochenen vergangenen Saison 2019/2020 als Bezirksliga-Zweiter den Aufstieg in die Landesliga.

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