Serie: Sommerurlaub So schützen Sie sich vor Langfingern

Von Markus Brauer und Harald Czycholl 

Kurz nicht aufgepasst – und schon ist die Geldbörse mit den Reisedokumenten geklaut. Foto: dpa
Kurz nicht aufgepasst – und schon ist die Geldbörse mit den Reisedokumenten geklaut. Foto: dpa

Endlich beginnen auch in Baden-Württemberg die Sommerferien. Egal, ob Sie mit dem Auto, Flugzeug, Schiff oder der Bahn verreisen, immer sollten Sie Ihre Reisedokumente, Ihr Bargeld und Ihre Kreditkarten sicher verwahren.

Stuttgart - Mit dem Beginn der Schulferien an diesem Donnerstag (26. Juli) beginnt auch für die Baden-Württemberger die Sommerurlaub-Saison. Damit die wohlverdienten Ferien nicht zum Albtraum werden, hier sieben Tipps für den sicheren Umgang mit Bargeld, Bankkarten und wichtigen Reisedokumenten.

1. Bargeld

Reisende sollten niemals zu viel Bargeld mit auf Reisen nehmen. Für die ersten Ausgaben am Flughafen oder nach der Ankunft am Urlaubsort reichen 100 bis 200 Euro in kleinen Scheinen. Fremde Währungen sollten möglichst nur in Geldinstituten oder offiziellen Wechselstuben und nicht bei fliegenden Händlern auf der Straße getauscht werden.

2. Kreditkarten

Zwei gültige Zahlungskarten sollten im Urlaub immer mit dabei sein. Denn nicht jede Karte ist überall einsetzbar und kann auch mal defekt sein. Die persönlichen Geheimzahlen (Pin) dürfen nirgendwo notiert sein.

Wichtig: Die Pin-Eingabe immer verdecken und darauf achten, dass ein Sicherheitsabstand zu anderen Personen gegeben ist. Beim Bezahlen sollte man die Zahlungskarte im Blick behalten. So ist sichergestellt, dass man auch die eigene Karte zurückbekommt.

3. Kartensperre

Für den Fall, dass man seine EU- oder Kreditkarte verliert oder sie gestohlen wird, ist es wichtig, die sofortige Sperrung der Karte zu veranlassen. Über den zentralen Sperrnotruf 0049-116 116 lassen sich alle Girokarten und die meisten Kreditkarten sperren.

Alternative: Mit der Sperrapp 116 116 kann man die Daten der Zahlungskarten speichern und direkt über die App sperren. Wichtig: Der Diebstahl muss bei der örtlichen Polizei angezeigt werden. Diese kann die Girokarte für das elektronische Lastschriftverfahren sperren lassen.

4. Wertgegenstände

Geldbeutel und andere Wertsachen dürfen nicht unbeaufsichtigt im Auto, Hotelzimmer oder in der Ferienwohnung zurückgelassen werden. Bargeld, Karten und Ausweise verteilt man am Besten in verschlossenen Innentaschen der Kleidung oder verstaut sie in einem Brustbeutel. Vor allem im dichten Gedränge auf Märkten oder in Flaniermeilen sollte mit Argusaugen auf die Wertsachen geachtet werden, denn dort sind Taschendiebe meistens aktiv.

5. Hotelzimmer

Auch im Hotelzimmer sind Wertsachen keineswegs sicher. Schließlich kann das Schloss der geknackt werden. Auch das Hotelpersonal könnte etwas mitgehen lassen. „Um Gelegenheitsdieben Einhalt zu gebieten, sollten Wertgegenstände oder wichtige Dokumente möglichst nicht frei herumliegen“, rät Rolf Mertens, Schadenexperte der Ergo-Versicherungsgruppe. „In der Regel sind Hotelzimmer mit einem Safe ausgestattet, den Urlauber nutzen können.“

Allerdings bietet auch der Zimmertresor keinen hundertprozentigen Schutz. Urlauber, die auf Nummer sicher gehen wollen, sollten daher an der Rezeption nach einem hauseigenen Tresor fragen. „Viele Hotels bieten ihren Gästen diesen Service zur sicheren Aufbewahrung von Wertsachen an.“

6. Strand

Strände und Pools ziehen Langfinger magisch an. Zwar betont knapp die Hälfte der Deutschen laut einer Umfrage Umfrage „Wertsachen im Urlaub“ der Aachen-Münchener Versicherung, wann immer möglich keine Wertsachen zum Baden mitzunehmen.

Knapp ein Drittel gibt an, dass immer eine Person am Platz bleibt und aufpasst, wenn sie in einer Gruppe unterwegs sind. Wenn keiner aufpassen kann, versteckt jeder Sechste seine Wertsachen unter dem Handtuch oder in den Schuhen. Ebenso viele versuchen, ihre Wertsachen im Auge zu behalten.

Gerade dies bietet allerdings keinen wirklichen Schutz: „Wenn man im Wasser bemerkt, dass jemand sich am eigenen Hab und Gut zu schaffen macht, ist schon alles zu spät“, sagt Aachen-Münchener-Experte Stefan Köhlbach.

Einem freundlichen Liegenachbar das Aufpassen zu überlassen, ist dem Experten zufolge ebenfalls keine gute Idee. „Es sollte sich niemand darauf verlassen, dass ein Fremder ununterbrochen auf die eigenen Habseligkeiten achtet.“ Auch dieser sei schließlich zum Entspannen und Spaß da und kann ein Nickerchen machen, sich ein Eis holen oder zur Toilette müssen.

7. Geklaut – was dann?

Kommt aus dem Hotelzimmer etwas abhanden, müssen Urlauber umgehend die Hotelleitung informieren, Anzeige erstatten und den Schaden der Hausratversicherung melden. Diese ersetzt auch auf Reisen Einbruchdiebstahlschäden am eigenen Hausrat.

Nach der Rückkehr müssen die Betroffenen dem Versicherer eine Kopie der Anzeige zusammen mit einer detaillierten Liste aller abhandengekommenen Gegenstände vorlegen. „Es empfiehlt sich, falls möglich, auch Kaufbelege und Rechnungen beizufügen“, sagt Ergo-Rolf Experte Mertens. Die Versicherung ersetzt den Wiederbeschaffungswert.

Wenn einmal etwas gestohlen wird, muss nicht gleich der ganze Urlaub vorbei sein. „Wir raten dazu, Geld und Karten an getrennten Stellen aufzubewahren. So kann noch mit der Kreditkarte bezahlt werden, wenn das Bargeld fehlt“, so Stefan Köhlbach von der Aachen-Münchener Versicherung.

Von Reisedokumenten wie Pässen und Flugtickets sollten immer eine Kopie angefertigt sowie das Original und die Kopie an unterschiedlichen Stellen aufbewahrt werden. So ist es im Fall der Fälle einfacher, an Ersatz zu kommen. Der Reiseveranstalter beziehungsweise die Deutsche Botschaft oder das nächstgelegene Konsulat sind erste Ansprechpartner nach Langfinger-Attacken. EC- und Kreditkarten sollte man bei Verlust sofort sperren lassen.

Die Notrufnummer 00 49 – 11 61 16 ist rund um die Uhr erreichbar.

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