Elsabet Aytenew führt das Abyssinia an der Wilhelmstraße. Das Innere ist mit afrikanischen Möbeln eingerichtet. Foto: factum/Weise

Das Café und Restaurant Abyssinia bietet einen äthiopischen Mittagstisch, afrikanische Produkte und bald auch eine traditionelle Kaffee-Zeremonie aus Äthiopien.

Ludwigsburg - Mit dem Wort Abyssinia werden wohl die meisten Deutschen, je nach Alter, eher die biblische Unterwelt oder einen Blockbuster von James Cameron assoziieren. Das Café und Restaurant an der Wilhelmstraße in Ludwigsburg bezieht sich aber auf das alte Kaiserreich Abyssinien, dem Vorgänger-Staat des heutigen Äthiopiens – und die Speisen hier sind alles andere als unterirdisch.

Zu Mittag bietet der kleine Laden drei verschiedene, traditionell äthiopische Gerichte an: „Bere Tips“: Rindfleischstreifen mit verschiedenem Gemüse. „Sierra Leone“: Hähnchenbrust in Erdnussbuttersauce mit verschiedenem Gemüse. Und zuletzt für Vegetarier einen Teller mit gekochten Linsen, Spinat, Weißkohl und Karotten. Zu jedem Gericht bekommt der Kunde Reis, Couscous oder Injera – das pfannkuchenfluffige Fladenbrot darf in Äthiopien zu keiner Mahlzeit fehlen.

Zum Essen gibt’s auch Messer und Gabel

Das Essen ist bekömmlich und auch für den europäischen Gaumen nicht zu scharf – was bei der äthiopischen Küche keine Selbstverständlichkeit ist. Die Portionen sind ebenfalls gut und beim Preis gibt’s auch nichts zu meckern: sieben Euro für den vegetarischen Teller, 8,50 Euro für das Rindfleischgericht. Und natürlich gibt’s auch Messer und Gabel zum Essen – man ist ja schließlich in Ludwigsburg und nicht in Addis Abeba.

Seit März dieses Jahres gibt es das Abyssinia, aber dass es hier neben Kaffee und afrikanischen Produkten, beispielsweise Gewürze, auch einen Mittagstisch gibt, scheinen noch nicht viele Ludwigsburger mitbekommen zu haben. Was vielleicht auch daran liegt, dass es ursprünglich als reines Café mit Afrika-Shop geplant war. „Aber die Besucher haben auch nach Essen gefragt. Deswegen biete ich nun einen Mittagstisch“, sagt Elsabet Aytenew. Die 41-Jährige stammt aus Äthiopien, lebt aber seit 25 Jahren in Deutschland. Vor dem Abyssinia war sie die Betreiberin des Afrika-Restaurants Jambo an der Schorndorfer Straße. Von dort stammen auch die elegant verzierten Sitzmöbel, die dem Abyssinia noch einen Hauch mehr Exotik geben.

Äthiopische Kaffeezeremonie von Oktober an

Wer nach 14 Uhr in das Café kommt – solange gibt es den Mittagstisch – den kann auch schon mal der Duft von Weihrauch umwehen. Der ist Teil der traditionellen äthiopischen Kaffee-Zeremonie. Denn in Äthiopien trinkt man nicht einfach Kaffee, man zelebriert ihn. Er gilt als das Nationalgetränk des Landes, und eine Legende besagt, dass die aufputschende Bohne im abyssinischen Hochland entdeckt wurde. Dementsprechend stolz ist man auf das bittere Getränk, das höchstens mit Zucker gemischt werden darf. Neumodische Hipster-Brühen wie Latte Macchiato oder Cappuccino kommen Aytenew nicht ins Haus.

Wie läuft eine solche äthiopische Kaffeezeremonie im Abyssinia ab? Der geröstete und gemahlene Kaffee wird aufgebrüht und in landestypischem Kaffeegeschirr (Mokkatassen, Tonkanne) serviert. Daneben verbrutzelt Weihrauchpulver auf einer glühenden Holzkohle. Von Oktober an will Aytenew die Zeremonie regelmäßig anbieten: jeden Samstag von 14 Uhr an. Besucher sollten ein wenig Zeit mitbringen. Aber dafür ist es ja Samstag.

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