Wer in jungen Jahren vorsorgt, hat im Alter keine finanziellen Sorgen. Foto: dpa Foto:  

Nullzinsen machen die Vorsorge nicht einfach. Wir zeigen in unserer Serie, welche finanziellen Aspekte in welcher Lebenslage zu berücksichtigen sind. Heute starten wir mit einem Überblick über die wichtigsten Fragen.

Stuttgart - Mini-Zinsen, Anlagebetrug, Kritik an den Provisionen für Versicherungen oder Riester-Verträge: Angesichts der öffentlichen Debatte über Geldanlage nimmt es nicht wunder, dass viele Menschen am liebsten die Finger davon lassen. Rund 2,1 Billionen Euro horten die Deutschen in Form von Bargeld, auf Bankkonten oder Sparbüchern – nach dem Motto: „Bloß nichts falsch machen.“ Doch es hilft nichts, den Kopf in den Sand zu stecken. Das Niveau der gesetzlichen Rente sinkt, und wer wegen Krankheit oder Unfall frühzeitig die Arbeit niederlegen muss, kommt mit dem Ersparten auf dem Konto ohnehin nicht weit.

Im Prinzip ist das den meisten Menschen durchaus klar. 60 Prozent der Bundesbürger zwischen 30 und 59 fürchten laut einer Umfrage des Allensbach-Instituts, ihren Lebensstandard im Alter nicht halten zu können. Gleichzeitig gaben aber 23 Prozent der 1100 Befragten an, keine materielle Vorsorge zu treffen. Dabei geht es wohlgemerkt um die Altersgruppe, in der die meisten voll im Berufsleben stehen und am ehesten Geld zurücklegen können.

Wer studiert oder eine Ausbildung macht, kann in der Regel kaum sparen. Eine Absicherung zumindest der größten Risiken ist dennoch unverzichtbar: Neben Kranken- und Pflegeversicherung brauchen auch junge Leute eine private Haftpflichtversicherung sowie möglichst eine Berufsunfähigkeitsversicherung, um für Krankheiten oder Unfälle vorzusorgen.

Altersvorsorge nicht hinausschieben

Außerdem sollte jeder Volljährige eine Patientenverfügung und eine Vorsorgevollmacht aufsetzen für den Fall, dass er nach einem Unglück seinen Willen nicht mehr äußern kann. Formulierungshilfen gibt es unter anderem auf der Website des Bundesjustizministeriums. Wer schon etwas zu vererben hat, sollte zusätzlich über ein Testament nachdenken.

Und auch wenn der Renteneintritt noch in weiter Ferne liegt: Zu lang sollte man die Altersvorsorge nicht hinausschieben. Denn je länger die Sparphase, desto besser. „Anfangen sollte man, sobald die finanzielle Existenzsicherung steht: Also Privathaftpflicht, zwei Monatseinkünfte auf dem Konto, Kranken- und Pflegeversicherung sowie möglichst eine Berufsunfähigkeitsversicherung“, sagt Professor Andreas Oehler, Direktor der Forschungsstelle Verbraucherfinanzen an der Universität Bamberg.

Oehler empfiehlt für die Altersvorsorge Investitionen in Indexfonds. Natürlich gibt es zahlreiche Alternativen: Riestern, Betriebsrente, Lebensversicherungen oder Immobilien. Einen Berater aufzusuchen, ist daher sinnvoll – nicht aber, sich blind auf ihn zu verlassen. Das haben nicht nur die Käufer von Lehman-Zertifikaten schmerzhaft erfahren müssen.

Basisregeln für Finanzprodukte

Viele Anbieter lästern hinter vorgehaltener Hand, vor dem Kauf eines Autos lese jeder Verbraucher unzählige Testberichte – zum Finanzberater hingegen kämen die Kunden vollkommen unvorbereitet. Dieser Vorwurf ist einerseits ungerecht, weil die wesentlichen Eigenschaften eines Autos für die Nutzer leichter verständlich und vor allem nachprüfbar sind als die von Finanzprodukten. Benzinverbrauch und Kofferraumgröße lassen sich nun einmal leichter beurteilen als die möglichen Erträge eines Fonds in 30 Jahren.

Doch das ist kein Grund zu kapitulieren. Auch für Finanzprodukte gibt es Testberichte, kompakte Ratgeber und vor allem ein paar einfache Basisregeln, mit denen sich jeder auseinandersetzen sollte. Mit unserer Serie wollen wir Anregungen dafür geben. Und Mut machen; Finanzielle Vorsorge ist kein Buch mit sieben Siegeln. Sie ist lästig, zweifelsohne – aber die Mühe lohnt sich.

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