Louisa Domhan unterrichte nur noch online. Foto: Marta Popowska

Aufbruch im Stuttgarter Westen: Der Yogalehrerin Louisa Domhan gab die Pandemie den Anstoß, sich neu aufzustellen und etwas zu wagen.

S-West - Als Louisa Domhan die Eingangstür zum Yogastudio im Stuttgarter Westen aufschließt, strömt einem warme Luft entgegen. Draußen herrschen frostige Temperaturen, doch die Wintersonne durchflutet den Raum. Wohlig ist es in dem Hinterhofstudio im Stuttgarter Westen, nur Yogaschüler genießen seine Atmosphäre seit Monaten nicht mehr. Wie alle Lehrerinnen und Lehrer, unterrichtet Louisa Domhan nur noch online.

Als die Corona-Erkrankungen in Deutschland zunahmen und der erste Lockdown vergangenen März verkündet wurde, ging es der 27-Jährigen wie vielen anderen: „Ich habe es nicht geglaubt. Wenn etwas Schlimmes passiert, denke ich zuerst immer: Nein, das kann nicht sein.“ Sie lacht herzhaft und fügt hinzu, dass sie die Nachricht natürlich schon geschockt habe: „Aber dann folgte schnell die Neugierde. Ich fragte mich gleich darauf: Was passiert hier jetzt und wie machen wir weiter?“

Die Yoga-Lehrerin sagt, sie habe sehr viel Vertrauen ins Leben, in andere Menschen „und in mich selber“. Zum Yoga kam sie während ihres Soziologiestudiums 2014. Domhan plagten damals Nackenschmerzen, der Druck im Studium war groß und ihr Schlaf litt. Sie überlegte, was sie außer Sport noch tun könnte. „Ich machte einen Yoga-Anfängerkurs. Es hat mich schnell gepackt und bald folgte der nächste Kurs“, sagt sie. Am Ende des Studiums reiste sie nach Indien in einen traditionellen Ashram, um eine Ausbildung zu machen.

„Die sechs Wochen waren eine krasse Erfahrung. Der Tag begann morgens um fünf und endete um abends um neun“ – meditieren, Yoga, Hausaufgaben. Das sei heftig gewesen, habe ihr aber gutgetan. Heute ist Yoga ihr Ruhepol: „Da finde ich zu mir.“ Sie hat eine Balance gefunden für sich. Sie arbeitet 50 Prozent in ihrem Beruf als Sozialarbeiterin und die andere Hälfte als Yogalehrerin.

Die Pandemie stellte sie in ihrer zweiten Berufung vor Herausforderungen, doch aufgeben oder pausieren war keine Option. Sie überlegte sich, wie sie ein gutes Online-Angebot schaffen konnte, auch wenn es sie viel Überwindung kostete. Plötzlich hatte sie Gedanken wie: „Online, das kann ich nicht. Das mache ich nicht.“ Corona habe sie „richtig in den Hintern getreten und mir geholfen, mich anders aufzustellen.“ Dazu gehörte beispielsweise mehr von sich und ihrer Arbeit über Soziale Medien wie Instagram zu zeigen und ihrem Podcast mehr Zeit zu widmen. „Sich so preiszugeben war für mich ein sehr großer Schritt. Zunächst dachte ich: Was habe ich schon zu erzählen?“.

Die Angst war unbegründet. Mittlerweile sind es fast 60 Podcast-Folgen, die sie kostenlos zur Verfügung stellt. Von Yoga und Meditationsanleitungen bis hin zu Tipps und Experteninterviews mit Psychologinnen, Ayurvedaexperten oder Atemtechnikprofis.

„Es war schön, so viel positive Resonanz zu bekommen. Durch den Podcast kamen auch neue Leute in die Kurse“, sagt sie. Aus Corona seien tolle Sachen entstanden. Auch Online-Unterricht biete die Möglichkeit zum Austausch. „Und ich kann als Lehrerin morgens aus dem Bett auf die Matte fallen“, sagt sie und lacht. Klar fehle der persönliche Kontakt. „Aber es ist ja nicht für immer.“ Sie freut sich darauf, wenn der Raum wieder voll ist mit Menschen.

Leuten, die sich gerade sehr schwertun und sich nur durch den Lockdown hangeln, empfiehlt sie auf sich zu achten. „Es kommt natürlich immer darauf an, in was für einer Lebenssituation die Menschen sind. Aber Gemeinschaft ist immer gut. Auch wenn die gerade nur online stattfinden.“ Verabredungen mit sich selbst seien wichtig. „Das kann ein heißes Bad oder ein Spaziergang im Wald sein, oder Rituale, wie sich einen Tee zu machen und ihn bewusst zu genießen.“ Selbstfürsorge tue immer gut.

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