Wenn Pflanzen einfach nicht wachsen wollen, spricht Karin Bühler hin und wieder auch mit ihnen. Foto: Wiebke Wetschera

Mehr als nur Professoren: An den Universitäten von Vaihingen und Hohenheim gibt es unzählige Berufe. In den Gewächshäusern an der Uni Hohenheim kümmern sich Gärtnermeister um seltene Pflanzen.

Plieningen - Wenn Karin Bühler morgens in ihr 600 Quadratmeter großes Gewächshaus kommt, dann schaut sie erst einmal, wie es den Pflanzen über Nacht ergangen ist. 1400 verschiedene Arten von Gewächsen betreut die Gärtnermeisterin gemeinsam mit ihren Mitarbeiterinnen im Stammhaus der Universität Hohenheim – von Kakteen bis hin zu Bananenbäumen. „Unsere Pflanzen sind Raritäten, die so in der Natur oft gar nicht mehr vorkommen“, sagt Bühler. Um diese Arten zu erhalten, arbeitet das Team täglich im Gewächshaus: „Wir sind wie die Arche Noah, wir versuchen die Pflanzen in ihrer Vielfalt zu erhalten.“

Hausfrauen fragen die Experten nach Tipps

Für das Gärtnern hat Bühler schon früh eine Leidenschaft entdeckt. Bereits der Gemüsegarten ihrer Eltern zog sie in seinen Bann. Seit dem Jahr 1991 ist die 51-Jährige als Gärtnermeisterin tätig – und seit 21 Jahren bereits schon an der Uni Hohenheim. „Der Job hier macht total Spaß, weil man immer wieder mit jungen Leuten zu tun hat“, sagt Bühler. „Für die Studenten ist es auch wichtig, die verschiedenen Arten zu sehen.“

So haben die Studenten im Stammhaus die Möglichkeit, Pflanzen live zu sehen, die sie sonst nur von Bildern kennen. Für die Lebensmitteltechnik etwa züchten die Gärtnermeisterinnen Früchte, die die Studenten in einem bestimmten Reifegrad brauchen. Auch für andere Besucher werden die Türen des Gewächshauses regelmäßig geöffnet. „Dann kommen natürlich viele Hausfrauen und fragen nach Tipps für bestimmte Pflanzen“, sagt Bühler. „Deswegen bin ich auch so eine Art Infozentrum.“

Manche Pflanzen brauchen Jahren, bis sie blühen

Neben Orchideen, Papaya- und Kakao-Pflanzen besteht die Hauptsammlung im Gewächshaus aus 190 verschiedenen Begonienarten. Auch wenn Bühler schon lange in ihrem Beruf tätig ist, muss sie sich bei neuen Pflanzen einlesen, da einige ganz besonderen Boden oder Pflege benötigen. Trotzdem klappt das selbst im Gewächshaus nicht immer: „Bei uns gehen auch manchmal Pflanzen ein. Ein Garten lebt und stirbt eben“, sagt Bühler. Im täglichen Umgang mit den Pflanzen hat Bühler daher eine ganz eigene Art entwickelt, die Pflanzen davon zu überzeugen, dass sie nun zu wachsen haben. „Ich sage manchmal zu den Pflanzen: Wenn es euch nicht passt, dann kommt ihr auf den Kompost.“ Ob das wirklich hilft, weiß die Gärtnermeisterin aber bis heute nicht.

Einige der Pflanzen im Gewächshaus fordern der Gärtnermeisterin viel Geduld ab. So brauchen manche Jahre, bis sie blühen. „Aber man schafft damit ja auch etwas für die nächste Gärtnergeneration“, sagt Bühler. „Ich ziehe die Pflanzen vom Samen bis zur tatsächlichen Pflanze hier im Gewächshaus auf, das ist schon toll.“ Durch den täglichen Umgang mit verschiedenen Pflanzenarten ist der Job von Bühler abwechslungsreich. „Jeder Tag ist hier anders“, sagt Bühler. Für einen Gärtner gäbe es eigentlich nichts Besseres, als in einem botanischen Garten zu arbeiten.

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