Nicht nur im Frühjahr, wenn die Haselpollen fliegen, greifen viele Allergiker zum Taschentuch. Foto: dpa//Karl-Josef Hildenbrand

Jeder dritte leidet unter Heuschnupfen – nicht nur im Frühjahr. Meist ist eine Allergie der Auslöser. Was können Betroffene tun? Wo finden sie Hilfe? Und sind Allergien gefährlich? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Kreis Ludwigsburg - Allergien im Herbst? Ist nicht die typische Allergiezeit das Frühjahr? Mitnichten: Die Reizstoffe schwirren auch jetzt noch in der Luft herum, wie im Februar, März oder April. Oder sie sind im Essen verborgen. Wobei Mediziner zwischen Allergie und Unverträglichkeit trennen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um Pollen und Rotznase.

 

Die Nase läuft – muss ich zum Arzt?

Wenn die Nase läuft wie ein Brunnen und das im späten Winter oder zeitigen Frühjahr beginnt und dazu auch noch die Augen tränen – dann sollte man auf jeden Fall zum Arzt. Dies rät Robin Maitra, Internist und Hausarzt in Hemmingen. Patienten mit Allergien zu behandeln gehört seit 26 Jahren zu seinem täglichen Geschäft – das ganze Jahr über.

Welcher Arzt ist der richtige?

„Ihr Hausarzt kennt Sie, Ihre Lebensumstände und Ihr Befinden am besten“, sagt der 54-Jährige. Die tagelange Triefnase könne ein harmloser Schnupfen sein. Sie ist aber auch ein typisches und sehr häufiges Zeichen einer Allergie. „Der Hausarzt kann das unterscheiden und lotst Sie durch den Gesundheitsdschungel“, meint Maitra.

Welcher Spezialist kann helfen?

Einen Facharzt für Allergologie gibt es nicht, erklärt der Ditzinger Hausarzt Andreas Häcker. Die meisten Spezialisten für Allergologie gebe es bei den Hals-Nase-Ohren-Ärzten oder den Hautärzten – weil viele Allergien sich mit Beschwerden in der Nase oder auf der Haut äußern, beispielsweise auf den Armen.

Was ist eine Allergie?

Kurz gesagt, so der Mediziner Robin Maitra, ist eine Allergie „eine überschießende Körperabwehr“. Oder eine Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Substanzen. Das Immunsystem des Körpers reagiert auf einen Stoff heftig und löst Symptome aus – wie die Triefnase, das tränende Auge oder Ausschläge auf der Haut nach einem Insektenstich. Kleinste Mengen reichen dafür aus.

Welche Allergien gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man bei den Allergenen, also den Stoffen, die eine allergische Reaktion auslösen, zwischen solchen, die durch die Luft schwirren, und solchen in verschiedenen Lebensmitteln. Auch Tierhaare können Überempfindlichkeitsreaktionen auslösen.

Was ist keine Allergie?

Häufig werden im Volksmund körpereigene Reaktionen auf Lebensmittel-Bestandteile als Allergien bezeichnet, die medizinisch „nur“ Unverträglichkeiten sind. Häufigste Beispiele sind die Laktose- oder Fruktose-Intoleranz – also alles, was mit Zucker, Milch oder Mehl zusammenhängt. „Bei Unverträglichkeiten kann der Körper einen Stoff nicht verwerten oder verdauen. Das ist keine Abwehrreaktion“, erklärt Maitra. Zu den bekannten unverträglichen Lebensmitteln gehören Nüsse, Fisch, Zitrusfrüchte oder Gluten. Wer diesen Mehlbestandteil nicht verträgt, leidet unter Zöliakie.

Was schwirrt durch die Luft?

Sehr viele Pollen. Das sind winzige Pflanzenbestandteile. Birke, Hasel und Erle sind sehr häufig. „Alles was blüht“, so Robin Maitra, „kann Pollenallergien auslösen.“ Mit „Heuschnupfen“ werden die verschiedensten Krankheitsbilder zusammengefasst.

Wie geht man gegen Allergien vor?

Wenn möglich das Allergen vermeiden. Das ist bei Lebensmitteln einfacher als bei Pollen. Aber Pollen kann man aussperren – ebenso wie Nachbars Katze, wenn deren Haare die Triefnase auslösen. Auch die Hausstaubmilbe, ein nur unter dem Mikroskop erkennbares Tierchen in jedem Haushalt, löst sehr häufig Allergien aus. Pollenallergiker sollten im Sommer nicht bei offenem Fenster schlafen, rät Maitra. Und vorher duschen samt Haarwäsche und die Kleider des Tages nicht im Schlafzimmer aufbewahren. Wer die Hausstaubmilbe nicht verträgt, sollte seine Matratze mit Spezialbezügen versehen. Wer anstatt eines Teppichs glatte Böden hat, bei dem fühlt sich die Milbe nicht wohl. Auch Staubsaugen hilft.

Welche Behandlung gibt es?

Mit Medikamenten lässt sich chemisch die Immunabwehr unterdrücken – dann läuft die Nase weniger. Maitra rät, Antihistaminika und Kortison zunächst als Spray einzusetzen. „Da sind die Dosierungen und die Nebenwirkungen geringer.“ Die Hyposensibilisierung mit Spritzen ist ebenfalls eine Therapie. „Eine tolle Sache, aber langwierig und teuer“, sagt Maitra.

Sind Allergien gefährlich?

Der Mediziner aus Hemmingen warnt: Wer eine „nur“ lästige Allergie nicht behandeln lasse, riskiere gefährliche Folgeerkrankungen, beispielsweise Asthma. Auch eine Glutenunverträglichkeit sei „doktorpflichtig“ – weil sie Störungen im Verdauungssystem auslöse.

Wo gibt es weitere Informationen?

Bei Ihrem Arzt oder von der Europäischen Stiftung für Allergieforschung. Sie setzt sich ein für die bessere medizinische Versorgung von Allergikern und für die Förderung der Forschung. Zudem betreibt sie Öffentlichkeitsarbeit. Im Internet ist sie zu finden unter www.ecarf.org.