Besonders bekannt sind hierzulande das Heilfasten und das Intervallfasten. Foto: dpa

Immer mehr Menschen wollen ihrem Körper durch Heil- oder Intervallfasten Gutes tun. Doch wie fastet man richtig? Und wie sinnvoll ist der freiwillige Verzicht überhaupt?

Stuttgart - Zweimal im Jahr verzichtet Sabine Deutscher sieben Tage lang auf feste Nahrung, nimmt dann nur noch Brühen, Tee, Gemüsesäfte und Suppen zu sich. „Das Fasten ist für mich der Startpunkt für Veränderung“, sagt sie. Heilfasten nennen viele diese Form des Verzichts, Sabine Deutscher sagt dazu: ayurvedisches Fasten. Es gehe darum, mal wieder auf den Körper zu hören, was an seiner Lebensweise zu ändern, auch um Reinigung. Die geistige Klarheit, das Abnehmen, vielleicht auch die Heilung, das geschehe dann eher nebenbei – oder es geschehe eben nicht.

 

Sabine Deutscher, hennarote Haare, wache, blaue Augen, sanftes Lächeln, sitzt am Schreibtisch im Büro neben ihrem Naturkostladen in der Ludwigsburger Innenstadt. Vor ihr auf dem Holztisch eine Tasse Kräutertee, hinter ihr gerahmte Zertifikate, die ihre Zulassung als Ayurveda-Medizinerin bescheinigen. Seit über 20 Jahren fastet sie regelmäßig, heute leitet sie sogar eine Gruppe für Menschen, die die Fastenwoche zusammen meistern wollen.

Unter Heilfasten ganz allgemein wird eine jahrtausendealte Tradition verstanden, die darauf abzielt, Körper und Geist zu reinigen. Inzwischen sind positive Effekte etwa bei bestimmten Krankheiten auch wissenschaftlich belegt. Die Kur dauert üblicherweise sieben bis zehn Tage, dazu kommen Vorbereitungstage vorab und am Ende, an denen bereits weniger gegessen und auf besonders fettige Nahrung, Alkohol oder Koffein verzichtet wird. Das Fasten wird mit einer Darmentleerung eingeleitet, also einer Abführung – das mindert Hungergefühle.

Der Kopf wird bei vielen klarer, die Heilfasten

„In der Fastenwoche passieren ganz spannende Dinge“, sagt Sabine Deutscher. Was sie bei sich selbst merkt: ein leichtes Gefühl, dass sie klarer im Kopf ist als sonst und jede Menge Energie hat. „Der dritte Tag ist oft besonders schwer, oft wird einem dann das unnötige Blabla, das ständig um uns herum ist, auf einmal zu viel.“ Auch die Laune könne dann sinken – aber viele würden etwa ab dem dritten Tag ein richtiges Stimmungshoch erfahren. Wie man die Fastenzeit erlebe, sei aber bei jedem Menschen unterschiedlich, betont sie: Es gehe darum, sich ganz unvoreingenommen auf das einzulassen, was da komme. Und das Gelernte als Anstoß zu nehmen, auch langfristig etwas am eigenen Lebensstil zu verändern.

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Fasten liegt im Trend. Jedes Jahr verzichten ab dem Aschermittwoch viele Menschen freiwillig – auch, um ihrem Körper etwas Gutes zu tun oder abzunehmen. Ein- oder zweimal im Jahr mehrere Tage lang zu fasten sei durchaus eine gesunde Maßnahme, sagt Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung für Naturheilkunde an der Berliner Charité. „In unserer Klinik nutzen wir das Fasten vor allem, um die Leute langfristig zu einer gesünderen Ernährung zu bewegen.“ Denn: Nach dem Fasten schmecke das Essen anders, man sei sensibler gegenüber Junkfood, Zucker und Fleisch.

Auch die Wissenschaft hat sich des Themas angenommen – und die Effekte geprüft, die das Fasten auf den Körper hat. Grundsätzlich deute die Forschung darauf hin, „dass das Fasten für chronische, chronisch-entzündliche sowie chronisch-degenerative Erkrankungen vorbeugend oder – wenn man erkrankt ist – auch ein Stück weit gesund machend ist“, sagt Facharzt Michalsen. Deutliche Effekte sehe man etwa bei Rheuma oder Bluthochdruck.

Abnehmen mit Intervallfasten

In einer groß angelegten Studie haben Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) und des Universitätsklinikums Heidelberg jüngst auch eine weitere Form des Fastens untersucht: das Intervallfasten. Zahlreiche Ratgeber sagen dieser Form eine gute Wirkung nach, vor allem im Hinblick auf das Abnehmen. Doch größere Studien gab es bisher nicht. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) warnte sogar: Das Fasten sei nicht zur dauerhaften Gewichtsregulation geeignet – es sei denn, die fastende Person ändere auch grundlegend ihren Lebensstil. Die Heidelberger Forscher haben nun aber gezeigt: Intervallfasten kann durchaus die Gesundheit fördern und beim Abnehmen helfen – allerdings auch nicht besser als herkömmliche Reduktionsdiäten.

Es gibt verschiedene Arten des Intervallfastens, auch intermittierendes Fasten genannt. In den USA ist vor allem jene Methode verbreitet, bei der an zwei Tagen in der Woche gefastet beziehungsweise die Nahrungsaufnahme deutlich reduziert wird und an den anderen Tagen aber mehr oder minder normal gegessen wird. In Deutschland hat die sogenannte 16:8-Methode an Bekanntheit gewonnen – vor allem durch den Mediziner Eckart von Hirschhausen. Dabei beschränkt man das Essen auf einen Zeitraum von acht Stunden täglich und nimmt etwa ab dem späten Nachmittag bis zum nächsten Morgen nichts mehr zu sich als ungesüßte Getränke.

Einstieg in eine bewusstere Ernährung

Über ein Jahr hinweg haben die Wissenschaftler aus Heidelberg untersucht, welche längerfristigen Auswirkungen das Intervallfasten im Vergleich zu einer Reduktionsdiät auf übergewichtige Personen hat. „Durch beide Diätformen hat sich der Gesundheitszustand der Probanden gleichermaßen verbessert“, sagt Tilman Kühn, Leiter der Arbeitsgruppe Ernährungsepidemiologie am DKFZ. Die geringere Kalorienzufuhr sowie eine gesündere Ernährung hatten ähnlich positive Auswirkungen auf Stoffwechselparameter wie Körperfettanteil oder Blutzucker. „Das Geheimnis dahinter ist, dass wir die Teilnehmer gezielt im Hinblick auf eine gesunde Ernährung beraten haben“, sagt Kühn. Er sagt aber auch: Das Intervallfasten scheine für viele Menschen gut umsetzbar zu sein – und deshalb auch einfacher und über eine längere Zeit hinweg durchzuhalten. „Es spricht also nichts dagegen, sofern man nicht schwer chronisch krank ist.“ Um das Gewicht zu halten, müsse man aber dauerhaft auf eine ausgewogene Kost umsteigen.

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Auch Sabine Deutscher hat diese Erfahrung gemacht. „Es geht beim Heilfasten auch darum, sich Gedanken zu machen, wie man sich danach ernähren will.“ Das Fasten sei ein guter Einstieg für eine bewusstere Ernährung. „Dann gehen auch die Kilos.“