Simone Riegler (Mitte) zu Besuch bei ihrer Brieffreundin in Südkorea Foto: z

Seit sie 14 Jahre alt ist hat Simone Riegler aus Vaihingen eine Brieffreundin in Südkorea. 2001, nachdem sich beide Frauen 15 Jahre kennen, beschließt Riegler, nach Seoul zu fliegen. Eine Reise in eine andere Welt.

Vaihingen - Die Südkorea-Reise von Simone Riegler hatte 15 Jahre Vorlauf. Im Herbst 2001 flog die Vaihingerin nach Seoul – den ersten Schritt dazu hatte sie bereits 1986 unternommen. 14 Jahre alt war die jetzt 39-Jährige damals, als sie als Schülerin in ihrer Heimatzeitung in Hohenlohe auf einen Artikel aufmerksam wurde. Schüler aus Südkorea suchten deutsche Brieffreunde. Riegler meldete sich. Südkorea – so etwas Exotisches, dachte sie.

Auf ihren ersten Brief in den Fernen Osten kam postwendend Antwort. Absender war Jae-Hee Yoo, eine gleichaltrige Schülerin aus Südkorea. „Sechs Tage war ein Brief pro Strecke unterwegs. Wenn ich noch am gleichen Tag geantwortet habe, brauchte man keine zwei Wochen für zwei Briefe.“

„Simone, warum schreibst Du nicht“

So ging es über Jahre. Wenn Riegler nicht „postwendend“ schrieb, oder – was nicht selten war – ein Brief unterwegs verloren ging, kam die Frage: „Simone, warum schreibst Du nicht?“ Dabei war es für Riegler ein logistischer Aufwand, die Briefe zu verschicken. „In meinem Heimatort mit 300 Einwohnern gab es keine Post, ich musste immer nach der Schule aufs Amt gehen.“ Denn der Briefkasten langte nicht: Die Briefe waren oft keine Standardbriefe. Mal war das Format anders, mal waren sie zu dick.

Im Jahr 2001 flog Simone Riegler schließlich selbst nach Korea – zusammen mit ihrem Freund, der jetzt ihr Mann ist. „Mir war klar, dass ich eines Tages dorthin reisen würde“, sagt sie. Riegler wollte die Frau kennenlernen, die sie durch den Briefkontakt fast wie eine Schwester kannte. Beide hatten sich über die erste Liebe ausgetauscht, von ihren Interessen und Träumen erzählt. Durch Yoos Schilderungen kannte Riegler sogar das südkoreanische Schulsystem. Sie wusste, dass ihre Brieffreundin zusammen mit 80 Mädchen in eine Klasse ging. „Die Brieffreundschaft war ein Bestandteil meines Lebens.“

Sie haben sich sofort erkannt – auch ohne Foto

Und dennoch war Simone Riegler an dem Tag im September 2001 aufgeregt. Wie würde es sein, einer vertrauten Fremden gegenüber zu stehen? Aber beide Frauen erkannten sich sofort. „Dazu haben wir kein Foto gebraucht.“ Und auch sonst verstand man sich gut, so gut, wie man sich in vier Tagen Urlaub verstehen kann. Diesen Zeitraum konnten sich Jae-Hee und ihr Mann Jin-Pyo Kim frei nehmen, mehr war nicht drin. „In Südkorea hat man viel weniger Urlaub“, erklärt Riegler. Deshalb war das Paar aus Deutschland eine Woche allein unterwegs. Auffällig: „Die Menschen sprachen in der Regel nicht gut Englisch. Dabei fand nur ein Jahr später die Fußball-WM in Südkorea und Japan statt.“ Aber die mangelnden Sprachkenntnisse wurde durch Freundlichkeit wettgemacht. „Es wurde so lange gesucht, bis jemand Englisch sprach und uns helfen konnte.“

Decke auf dem Boden statt Matratze

Ungewohnt war für Riegler auch, dass man in Korea nicht auf Matratzen schläft, sondern einfach eine Decke auf dem Boden ausgebreitet. Ungenießbar fanden sie das koreanische Nationalgericht, ein in der Art von Sauerkraut eingelegtes Chicorée, das bereits zum Frühstück gereicht wurde. „Aber Jae-Hee hatte Verständnis. Sie selbst hat es während ihrer Schwangerschaft auch nicht gegessen.“ Zumal Riegler und ihr Freund sonst begeistert von der koreanischen Küche waren.

Wenige Jahre später kam Jae-Hee nach Deutschland. Allerdings nicht zu Besuch, sondern beruflich. Ihr Mann arbeitete in Frankfurt für eine koreanische Fluglinie. Doch inzwischen lebt sie wieder in Korea. Seitdem läuft der Kontakt zwischen Seoul und Vaihingen per E-Mail weiter. Derzeit sporadisch – aber einschlafen wird er nicht, ist sich Simone Riegler sicher. „Schließlich habe ich noch Platz im Fotoalbum.“

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