Birgit Göser (rechts) leitet die ambulanten Dienste der Hospizbewegung Kreis Göppingen. Foto: Horst Rudel

Im Kreis Göppingen gibt es neben dem stationären Hospiz auch einen ambulanten Hospizdienst – hier werden ebenfalls schwer kranke und sterbende Menschen begleitet.

Göppingen - Ein leises Plätschern ist im Büro von Birgit Göser zu hören. Hier, im Göppinger Stadtteil Faurndau, koordiniert die Diplom Sozialpädagogin die Einsätze des ambulanten Hospizdienstes, der schwerstkranke und sterbende Menschen sowie Trauernde im Kreis Göppingen begleitet. Der Zimmerbrunnen, in dem eine Pumpe das Wasser beständig nach oben fördert, steht symbolisch für den Kreislauf des Lebens: „Alles fließt, das Leben ist Bewegung. Es hört nicht auf, sondern es verändert sich. Jeder Tag zählt. Wir haben nur diesen Augenblick. Nichts bleibt außer der Liebe.“ Diese Zeilen der Autorin Alwine Paessens-Deege schmücken den neuen Flyer des Dienstes.

Der Gedanke an den Tod macht Angst, das ist natürlich

„Ja, das Leben ist endlich und der Gedanke an den Tod macht uns Angst, das ist ganz natürlich.“ Birgit Gösers Stimme klingt sanft und ruhig, selbst wenn sie das Unfassbare der menschlichen Existenz auf diesen kurzen Nenner bringt. Vielleicht fällt der 44-Jährigen der Umgang mit dem Tod ein wenig leichter als dem Durchschnittsbürger, weil sie schon als Kind gelernt hat, Abschied zu nehmen. Jedenfalls beschreibt Göser den Tod des Urgroßvaters und dessen vorausgehende Demenzerkrankung als natürlichen Prozess, der ihren Umgang mit dem Sterben nachhaltig beeinflusst habe.

„Wir durften den Uropa, der bei uns zuhause gestorben war noch einmal sehen und konnten ihn auch berühren.“ Sich Zeit nehmen für den Abschied, egal ob im Heim, im Krankenhaus oder zuhause sei oft schon der erste wichtige Schritt, den Verlust anzunehmen, berichtet Göser. Das könne das Begreifen im übertragenen Sinn fördern.

Im Kreis Göppingen sind 60 ehrenamtliche Sterbe- und Trauerbegleiter im Einsatz

Zunächst aber gehe es der Hospizbewegung im Kreis Göppingen Ambulante Dienste für Erwachsene, wie der komplette Vereinsname lautet, um die Begleitung von Menschen in der letzten Lebensphase im Heim, zuhause oder in der Klinik. Dazu stünden drei hauptamtliche Koordinatorinnen und rund 60 ehrenamtliche Sterbe- und Trauerbegleiter im Einsatz. „Unser Dienst ist für die Betroffenen kostenfrei, sie müssen sich dazu keinen Kopf machen und auch keine Anträge stellen“, erklärt Göser. Auch die Abrechnung mit den Krankenkassen laufe über ihren Schreibtisch, und Göser ist froh, die Angehörigen auf diese Weise zu entlasten.

Neben einer guten medizinischen und pflegerischen Betreuung, die Aufgabe des Hospiz- und Palliativnetzwerks im Kreis Göppingen ist, konzentriert sich Birgit Gösers Team auf den zwischenmenschlichen, psychosozialen Beistand. Und ganz anders als es die bunten Bilder von jüngst populär gewordenen Hollywoodproduktionen rund um die letzten Wünsche von Todkranken glauben machen wollen, dreht sich der Alltag dieser Menschen nach Gösers Erfahrung meist um viel Wesentlicheres. Sich Zeit nehmen für den Sterbenden, zuhören, Trost und Mut geben, zusammen Musik hören, etwas vorlesen, gemeinsam singen oder einfach nur da sein, bei Tag oder in der Nacht, das sei gefragt.

Ungewöhnliche Wünsche sind eher selten

Der einzige etwas ungewöhnliche Wunsch der Göser einfällt, war die Bitte einer schwerkranken Frau, die ihren Hund aus dem Tierheim zurückhaben wollte – und das gelang, weil Gösers Freundeskreis das tägliche Gassigehen organisierte.

Offenheit und Toleranz, psychische Belastbarkeit und zeitliche Flexibilität sind die wichtigsten Voraussetzungen, die die ehrenamtlichen Sterbe- und Trauerbegleiter nach Gösers Ansicht mitbringen sollten. Missionarischer Eifer ist hingegen tabu. „Wir hören genau zu und bieten auch spirituelle Erlebnisse an, das kann ein Gebet oder ein Naturerlebnis sein“, sagt die Koordinationsleiterin. Dabei sei Spiritualität ausschließlich was der Betroffene wünsche, was ihm Halt, Sinn und Hoffnung gebe, ganz gleich welcher Religion und Weltanschauung derjenige anhänge.

Auch für Trauernde gibt es mehrere Angebote


Oft werden das stationäre Hospiz und der ambulante Hospizdienst verwechselt. Beide Einrichtungen befinden sich in der Villa Hammer in Göppingen. Dritter im Bunde in diesem Hospizzentrum ist der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser.

Wer sich im ambulanten Hospizdienst engagiert, erhält einen Basiskurs samt Praktikumsphase, wie es der Deutsche Hospiz- und Palliativverband vorschreibt. Zum Angebot gehören mehrere Fortbildungen pro Jahr und regelmäßige Supervision.

Für Trauernde gibt es am ersten Mittwoch im Monat im Hotel Hohenstaufen das Lebenscafé sowie eine geschlossene Trauergruppe. Neu ist das beliebte Trauerwandern. Informationen im Netz: www.hospizbewegung-goeppingen.de

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