Der Transfer von VfB-Stürmer Serhou Guirassy für 19 Millionen Euro zu Borussia Dortmund ist vollzogen. Der Stürmer ist in Dortmund gelandet – und die Stuttgarter verlieren ihre Torgarantie.
Die Kameras der Fotografen und Videojournalisten sind zuletzt seine ständigen Begleiter gewesen: So wurde alles genau im Bild festgehalten, nachdem Serhou Guirassy am Mittwochabend mit seinem Bruder und Berater Karamba auf dem Dortmunder Flughafen eingeschwebt war – und von einem Airport-Shuttlebus in ein Taxi umstieg. Nach einer Nacht im Hotel L’Arrivée, was passenderweise „Ankunft“ bedeutet, ging es für den Mann aus Guinea dann am Donnerstagvormittag direkt auf die Geschäftsstelle von Borussia Dortmund.
Dort setzte der bisherige Stürmer des VfB Stuttgart, der in der Vorsaison mit 28 Bundesliga-Toren für den Vizemeister aufgetrumpft hatte, seine Unterschrift unter einen Vierjahresvertrag bis Sommer 2028 – und ist damit ganz offiziell Spieler des BVB. Der Wechsel war dank einer Ausstiegsklausel in Guirassys Vertrag möglich, der VfB kassiert 19 Millionen Euro als Ablösesumme.
Emotionaler Abschiedspost von Guirassy
Als die Tinte unter dem Papier trocken war, verließ Guirassy die Dortmunder Chefetage bereits im schwarz-gelben Dress der Westfalen – wendete sich kurz darauf allerdings in einem offenen Brief via Internet an die Fans seines alten Clubs. „Liebe VfB-Fans, die Entscheidung, den Club zu wechseln, war die wahrscheinlich härteste in meiner gesamten Karriere“, schreibt der Stürmer darin, der am 1. September 2022 zunächst auf Leihbasis von Stade Rennes zu den Cannstattern gewechselt war. Und weiter heißt es unter anderem: „Ihr werdet immer einen speziellen Platz in meinem Herzen haben. Eure Gesänge, eure Leidenschaft und Hingabe haben mich stets inspiriert, auf dem Platz mein Bestes zu geben. Zusammen haben wir unvergessliche Momente erlebt. Ich hoffe daher, dass sich unsere Wege in der Zukunft wieder kreuzen werden.“
Ein verunglückter Fallrückzieher gefährdet den Transfer
Mit der Unterschrift in Dortmund endet allerdings die sportliche Ära Guirassys am Neckar – und zugleich eine kleine Hängepartie im Vorfeld des Deals mit dem BVB. Diese war durch eine zweite Untersuchung des rechten Knies des 28-Jährigen entstanden. Letztlich hat er den von den Schwarz-Gelben angeordneten Zweitcheck aber bestanden. Er wurde von dem renommierten Kniespezialisten Michael Strobel aus Straubing durchgeführt. Dabei ging der Daumen des Medizin-Professors nach oben: Eine Operation am rechten Knie des Stürmers sei nicht erforderlich, hieß es nun.
Guirassy hatte sich zuvor bei einem verunglückten Fallrückzieher im Länderspiel mit Guinea am 10. Juni gegen Mosambik (0:1) eine Verletzung am Außenband des rechten Knies zugezogen. Diese hat nun aber keine längere Pause zur Folge. Schließlich hatte der BVB erwägt, den Transfer im Falle einer längeren Auszeit von zwei, drei Monaten noch platzen zu lassen. Da die Verletzung nun doch nicht allzu gravierend ist, wird Guirassy aller Voraussicht nach lediglich bis Ende August ausfallen. Das DFB-Pokal-Spiel der Dortmunder in der ersten Runde am 17. August beim 1. FC Phoenix Lübeck wird er aber mindestens verpassen.
„Wir danken Serhou für zwei bemerkenswerte Jahre im Trikot mit dem Brustring. Er hat in seiner ersten Saison bei uns maßgeblich dazu beigetragen, den VfB in der Bundesliga zu halten“, sagte der Stuttgarter Sportvorstand Fabian Wohlgemuth nach dem Abgang seines Toptorjägers, den noch sein Vorgänger Sven Mislintat, nun in Diensten des BVB, in den Neckarpark geholt hatte. „In der vergangenen Spielzeit war Serhou mit seinen Toren einer der Schlüsselspieler auf dem Weg zur Vizemeisterschaft.“
Stockende Verhandlungen wegen Deniz Undav
Mit dem Transfer zum direkten Konkurrenten aus Dortmund, der in der Vorsaison nur Ligafünfter wurde, hat der Vizemeister VfB nun finanzielle Sicherheit – und kann seine eigenen Planungen mit den Guirassy-Millionen im Rücken weiter vorantreiben. Schließlich benötigt dessen Nachfolger Ermedin Demirovic, den der VfB für die Rekordablöse von 21 Millionen Euro vom FC Augsburg verpflichtet hat, noch einen Sturmpartner. Erste Wahl ist der deutsche Nationalspieler Deniz Undav, der mit Guirassy in der abgelaufenen Bundesliga-Saison ein treffsicheres Angriffsduo gebildet hat.
Mit dem Premier-League-Club Brighton & Hove Albion, der Undav jüngst per Rückkaufoption für 25 Millionen Euro an sich gebunden hat, befinden sich die Stuttgarter Manager mit Wohlgemuth an der Spitze in engem Austausch. Die Verhandlungen mit den Engländern erweisen sich dabei allerdings als stockend und schwierig – sie sind aber nicht aussichtslos.
Serhou Guirassy wiederum geht beim BVB mit 28 Jahren den nächsten Karriereschritt, der sich für ihn auch finanziell auszahlt: So soll der Stürmer ein einmaliges Handgeld von zehn Millionen Euro erhalten, sein Berater und Bruder Karamba als Chef der Agentur KGSMI zudem fünf Millionen Euro. Hinzu addiert sich noch das Jahresgehalt für den treffsicheren Stürmer aus Afrika, das bei rund neun Millionen Euro pro Saison plus üppiger Leistungsboni liegen soll.