In Hamburg wirken viele Geflüchtete an der modernen Fassung von „Nabucco“ mit. Foto: dpa

Der russische Regisseur Kirill Serebrennikow steht in Moskau unter Hausarrest. Er und andere sollen wohl mundtot gemacht werden. Per Videobotschaft hat er trotzdem in Hamburg „Nabucco“ auf die Bühne gebracht – in höchst aktueller Varainte.

Hamburg - Giuseppe Verdis Freiheitsoper „Nabucco“ hat am Sonntagabend an der Hamburgischen Staatsoper eine triumphale Premiere erlebt. Die Inszenierung war mit besonderer Spannung erwartet worden, denn der Regisseur Kirill Serebrennikow konnte die gesamte Arbeit nur über Videobotschaften leiten. Serebrennikow steht in Moskau unter Hausarrest, denn er soll staatliche Fördergelder veruntreut haben. Er bestreitet die Vorwürfe. Im November 2018 ist ein Strafprozess eröffnet worden. Beobachter deuten, der Prozess solle ein Zeichen an die kritische Kulturszene in Russland sein.

Auch empörte Zuschauer

Die Handlung der Oper verlegte Serebrennikow in den UN-Sicherheitsrat, wo über das Schicksal von Millionen Geflüchteter verhandelt wird. Für seine dezidiert politische Lesart holte er in Hamburg lebende Geflüchtete auf die Bühne und zeigte zwischendurch Reportagefotos vom Exodus der syrischen Bevölkerung. Einzelne Zuhörer reagierten am Premierenabend empört auf die schockierenden Bilder.

Serebrennikow ist eine überaus lebendige Personenregie gelungen. Der exzellente Bariton Dmitri Platanias als Nabucco führt eine starke Sängerriege an. Glänzend einstudiert ist der Chor der Hamburgischen Staatsoper, und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg unter der Leitung von Paolo Carignani musiziert flexibel und mit italienischem Schwung.

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