Für Speisen in der Gastronomie werden seit Jahresanfang nur noch sieben statt wie bisher 19 Prozent erhoben. Foto: Sina Schuldt/dpa

Seit Anfang des Jahres gilt für Speisen in Restaurants wieder der ermäßigte Steuersatz. Was das für das Gastgewerbe und die Gäste im Kreis Esslingen bedeuten könnte.

Ob Schnitzel mit Pommes, veganes Thaicurry oder kalte Vesperplatte – auf Speisen müssen die Restaurantbesitzer seit Jahresbeginn nicht mehr 19 Prozent, sondern nur noch sieben Prozent bezahlen. Während der Coronapandemie war die Mehrwertsteuer auf Speisen in Restaurants und Cafés schon einmal auf diesen Wert abgesenkt worden und wegen des Kriegs in der Ukraine und der daraus entstandenen Inflation nochmals bis Ende 2023 verlängert worden. Danach galt wieder der volle Satz von 19 Prozent. Damit hat die Bundesregierung jetzt Schluss gemacht – dauerhaft.

 

Beim Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Baden-Württemberg wird diese Entscheidung positiv aufgenommen. Angesichts der nach wie vor schwierigen wirtschaftlichen Lage in den Betrieben herrsche zwar keine Jubelstimmung, sagt Dehoga-Pressesprecher Daniel Ohl. „Die Rückmeldungen unserer Mitglieder zeugen jedoch von großer Erleichterung und auch von wieder wachsender Zuversicht“, so der Branchenexperte.

Doch was bedeutet die Mehrwertsteuer-Entscheidung für die Gäste? Werden die Preise auf den Speisekarten sinken? Daniel Ohl hält das für denkbar. „Markt und Wettbewerb in der Gastronomie funktionieren. Es wird nach unserer Einschätzung auch im Kreis Esslingen Betriebe geben, die die steuerliche Entlastung nutzen, um mit preisattraktiven Angeboten Gäste zurückzugewinnen oder neu zu gewinnen“, sagt er.

Steigende Kosten in der Gastronomie

Unterdessen sehen manche Gastronomen keine Möglichkeit, die Preise zu senken. „Die Gastronomie steht vor großen Herausforderungen“, sagt Hannes Kielmeyer vom Restaurant Kielmeyers 1582 am Esslinger Marktplatz. Gestiegene Energiekosten, höhere Personalkosten und teurere Lebensmittel machen die Kalkulation immer schwieriger. „Wir sind am Ende dieser Kette und können vieles gar nicht beeinflussen“, sagt Kielmeyer. Trotzdem würden viele vor allem auf die Preise in der Gastronomie schauen, während die Teuerung etwa bei Urlaub eher hingenommen werde. „Es ist ein emotionales Thema“, sagt er und fordert ein Umdenken: „Die Menschen müssen akzeptieren, dass auch Essen gehen teurer wird.“

Die Mehrwertsteuersenkung sei eine „große Hilfe“, alle Probleme löse sie jedoch nicht, so Kielmeyer. „Eigentlich müssten wir die Preise im Gegenteil weiter erhöhen“, sagt der Wirt. Zuletzt habe er sie Ende 2024 um zehn Prozent angehoben. Die beliebtesten Gerichte im 1582 sind Schnitzel mit Beilage oder Kässpätzle, die beide rund 20 Euro kosten. Eine erneute Preiserhöhung will Kielmeyer so lange wie möglich hinauszögern, denn er spürt schon jetzt die Zurückhaltung der Gäste. Zwar sei das Lokal oft voll, doch viele verzichten auf ein weiteres Getränk, auf die Vorspeise oder einen Nachtisch.

Markus Hahn vom Maultaschen-Restaurant Hahn hält seine Preise dank Steuersenkung stabil. Foto: Roberto Bulgrin

Der höhere Mindestlohn frisst die Steuerentlastung häufig wieder auf

Auch im Kano’s, einem Frühstückslokal im Unteren Metzgerbach in Esslingen, werden die Preise nicht gesenkt. „Es läuft erst einmal alles wie bisher, die Karte bleibt gleich. Die Kosten sind schließlich nicht geringer geworden“, sagt Inhaber Can Aydemir. Vor allem der Mindestlohn werde sich auswirken. Dieser ist seit dem 1. Januar um gut einen Euro auf 13,90 Euro pro Stunde gestiegen und wird 2027 erneut angehoben. Markus Hahn vom Maultaschen-Restaurant Mattis begrüßt deshalb die Steuerentlastung für Wirte. „Das ist sehr positiv und rettet vielen Betrieben, die jahrelang bluten mussten, das Überleben“, sagt er. Ein Großteil der Hilfe werde aber wieder vom Mindestlohn aufgefressen. Er wird die Preise in seinem Lokal am Hafenmarkt in diesem Jahr halten. Ein Maultaschenmenü kostet beim Mittagstisch hier zwischen 11,90 und rund 14 Euro. Ohne die staatliche Hilfe wäre das nicht zu halten gewesen, sagt Hahn. Denn weil bei seinen Maultaschen alles haus- und handgemacht ist, ist das auch sehr personalintensiv.

Mehrwertsteuer für die Tasse Kaffee bleibt unverändert

Für die Kundschaft des Backhauses Zoller, das in einigen seiner 27 Filialen im Kreis auch Frühstück und Snacks serviert, ändert sich allein durch die Mehrwertsteuersenkung nicht viel. Denn rund 90 Prozent wird über die Theke verkauft, und da fielen schon immer nur sieben Prozent Mehrwertsteuer an. Die höhere Steuer, die beim Vor-Ort-Verzehr bislang fällig war, hat Zoller zwar für die Buchhaltung in der Kasse erfasst, aber nicht an die Kunden weitergegeben. Die Mehrwertsteuer für Kaffee und andere Getränke beträgt weiterhin bei 19 Prozent. Zu schaffen machen der Bäckerei die wachsenden Lohnkosten und die gestiegenen Rohkaffeepreise, so Geschäftsführer Jörg Zoller. Seit dem 1. Januar mussten deshalb die Preise für Backwaren, die 18 Monate lang stabil geblieben waren, angehoben werden. So kostet die Brezel statt 1,05 nun 1,10 Euro.

Steuersenkung

Mehr Gerechtigkeit
Hans-Ulrich Kauderer, der mit seiner Tochter das Hirsch Hotel in Ostfildern-Ruit betreibt, sieht die Steuersenkung auf Speisen als überfällig an. Denn wer sich sein Essen abholt oder sich liefern lässt, zahlt schon lange nur den niedrigen Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. „Essen im Gasthaus auf Porzellan und mit gutem Service wird nicht mehr höher besteuert als Fast Food zum Mitnehmen. Das ist nicht nur ein Gewinn für die kulinarische Kultur, sondern auch ein Gebot der Fairness“, betont der Hotelier, der auch Landesvorsitzender des Dehoga ist. Der Verband mit Sitz in Stuttgart vertritt rund 12 000 mittelständische Betriebe im Land.

Verbrauchssteuer
Die Mehrwertsteuer ist eine Verbrauchssteuer, die Händler oder Dienstleister im Auftrag des Staates auf den Verkaufspreis (Nettobetrag) ihrer Waren und Dienstleistungen aufschlagen. Sie ist im Preis eingerechnet und wird letztlich vom Endverbraucher bezahlt. Auf dem Kassenbon wird sie meist mit der Abkürzung „MwSt.“ ausgewiesen. In Deutschland beträgt die Mehrwertsteuer derzeit 19 Prozent, für manche Dinge wie Bücher oder Lebensmittel sind es nur sieben Prozent.