Gruppenbild mit Dame: Bei der Vorstellung seines Teams hat Friedrich Merz den Mitgliedern auch Christina Stumpp präsentiert – übrigens just an ihrem 34. Geburtstag. Foto: dpa/Michael Kappeler

Vor ihrer Nominierung zur Bundestagskandidatin war sie selbst in CDU-Kreisen kaum bekannt. Jetzt wird extra ein neuer Posten für die bodenständige Politikerin geschaffen.

Waiblingen - Bis vor wenigen Monaten war Christina Stumpp selbst in CDU-Kreisen ein vergleichsweise wenig beschriebenes Blatt. Schon ihre Nominierung zur Bundestagskandidatin im Wahlkreis Waiblingen kam nur zustande, weil Platzhirsch Joachim Pfeiffer überraschend das Feld räumte. Jetzt, nach dem erfolgreichen Einzug ins Berliner Parlament, steht die Backnanger Bauerntochter innerparteilich vor einem noch größeren Karrieresprung. Die 34-jährige Mutter eines Sohns soll stellvertretende Generalsekretärin der CDU werden – und sich um einen engen Draht zur Parteibasis bemühen.

 

Diese Rolle zumindest stellt sich Friedrich Merz für die Newcomerin aus dem Rems-Murr-Kreis vor. Der 66-jährige Sauerländer, in konservativen Parteikreisen ebenso beliebt wie im wirtschaftsliberalen Flügel, hat sich im internen Dreikampf mit dem Außenpolitiker Norbert Röttgen (25,8 Prozent) und dem früheren Kanzleramtsminister Helge Braun (12,1 Prozent) am Freitag im ersten Durchgang mit einer deutlichen Mehrheit durchgesetzt.

Erklärtes Ziel ist, einen engen Draht zur Parteibasis zu halten

Satte 62,1 Prozent der Parteimitglieder sprachen sich für Friedrich Merz aus – eine Deutlichkeit, von der die CDU-Strategen nach der glücklosen Kurzzeitführung durch Armin Laschet und dem von historischen Stimmenverlusten begleiteten Debakel bei der Bundestagswahl nicht zu träumen gewagt hätten. „Das Ergebnis zeigt, dass sich die CDU-Mitglieder wieder nach einem klaren Kurs sehnen“, kommentiert Christina Stumpp die Kür des neuen Vorsitzenden – und sieht auch in der hohen Wahlbeteiligung ein „starkes Zeichen für den Neuaufbruch“. Tatsächlich haben sich – entweder per Brief oder in einem Online-Verfahren – fast zwei Drittel der bundesweit 400 000 Mitglieder an der Abstimmung beteiligt.

Offiziell gewählt wird der neue Parteichef zwar erst auf einem digitalen Parteitag am 21. und 22. Januar. Doch es darf als sicher gelten, dass sich die 1001 Delegierten ans Votum der Mitgliederbefragung halten. Und auch eine zweite Entscheidung gilt nur noch als Formsache: Um mit Christina Stumpp eine stellvertretende Generalsekretärin in der Partei zu installieren, muss erst mal eine Satzungsänderung her – den Posten gibt es in der CDU bisher nämlich noch gar nicht.

„Wir haben gute Ideen, wir müssen sie aber besser vermarkten“

Dass sich die Partei dem Wunsch verschließt, den Kampf gegen die politische Bedeutungslosigkeit auf mehr Schultern zu verteilen, ist allerdings nicht zu erwarten. Denn Arbeit gibt es auch aus Sicht der Waiblinger Bundestagsabgeordneten genug. „Wir müssen schauen, dass wir wieder in Richtung 40 Prozent marschieren“, sagt Christina Stumpp zur geplanten Doppelbesetzung an der Schaltzentrale der Macht.

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Für den Posten als CDU-Generalsekretär ausersehen ist der frühere Berliner Sozialsenator Mario Czaja, der als Vertreter des Arbeitnehmerflügels gilt und im Wahlkreis Marzahn-Hellersdorf – eigentlich eine Hochburg der Linkspartei – bei der Bundestagswahl im September das Direktmandat erobert hat. Seine Stellvertreterin soll sich als aktive Kommunalpolitikerin vor allem um die Basis kümmern – und die Politik der Union über Netzwerke wie Facebook und Instagram zeitgemäß unters Volk bringen. „Wir haben gute Ideen, wir müssen sie aber besser vermarkten“, sagt Christina Stumpp über die neue Rolle.

Wie Berlin funktioniert muss die Bauerntocher erst noch lernen

Die Waiblingerin sieht ihre Berufung als „Signal für junge Frauen in der CDU“ – räumt aber mit entwaffnender Ehrlichkeit ein, vom Jobangebot mindestens ebenso überrascht gewesen zu sein wie die Öffentlichkeit. Schließlich ist die 34-Jährige auf dem politischen Parkett der Bundeshauptstadt ein absoluter Neuling – wie Berlin funktioniert, muss die Tochter einer Backnanger Landwirtsfamilie erst lernen.

Im Ringen ums Bundestagsmandat hat Stumpp freilich durchaus gezeigt, dass sie sich schnell in neue Rollen einfinden kann. Noch im Frühjahr wusste selbst in der Rems-Murr-CDU kaum jemand etwas mit der gelernten Verwaltungswirtin anzufangen. Fünf Jahre lang hatte sie an der Verwaltungshochschule in Ludwigsburg den behördlichen Nachwuchs in die Geheimnisse der Gewerbesteuer eingeführt, im Februar 2021 nahm Landwirtschaftsminister Peter Hauk die Bauerntochter als persönliche Referentin unter seine Fittiche. Doch erst der Rückzug des CDU-Kreisvorsitzenden Joachim Pfeiffer aus der Politik eröffnete der offen gegen eine Frauenquote eintretenden Newcomerin die Chance auf die Berliner Bühne.

Der deutliche Vorsprung bei der Wahl ließ die Parteispitze aufhorchen

„Die Chrissy hat das Ding gerockt“, hieß es nach einem kurzen, aber erfolgreichen Wahlkampf, als in der Stettener Glockenkelter im September die Ergebnisse für den Wahlkreis Waiblingen über den Monitor flimmerten. Mit knapp 29 Prozent der Stimmen sicherte sich Christina Stumpp nicht nur das Direktmandat, sondern ließ mit ihrem deutlichen Vorsprung offenbar auch die Parteispitze aufhorchen.

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Die Rems-Murr-CDU jedenfalls frohlockt bereits über den Sieg ihres Favoriten, der jetzt auch die bodenständige Blondine in ungeahnte Höhen trägt. „Das ist ein toller Tag für uns“, hat der Kreisvorsitzende Siegfried Lorek am Freitag mitgeteilt. Er wertet den Aufstieg auch als Chance für die politische Arbeit vor Ort: „Mit Christina Stumpp sind wir als Christdemokraten an Rems und Murr nun bald im engsten Führungszirkel der CDU Deutschlands vertreten“, jubelt Lorek. Dass Christina Stumpp durch die kommunale Verwurzelung die richtige Frau für den Posten ist, steht für den Kreisvorsitzenden außer Frage. Und auch die Bundestagsabgeordnete selbst ist zuversichtlich, auch in der neuen Rolle zu hören, wo die Basis der Schuh drückt. „Ich weiß ja noch gut, was mich an der Partei immer gestört hat“, sagt sie.