Die Räumlichkeiten im Gemeindezentrum könnten zu klein sein für die Pläne der Stadt. Sie will, dass die dort untergebrachte Begegnungsstätte sich neuen Gruppen öffnet. Foto: Rüdiger Ott

Die Stadt will, dass die Begegnungsstätte ihr Angebot ausweitet. Es soll auch Programme für schwer an Demenz Erkrankte geben. Doch dafür könnte der Raum zu klein sein.

Heumaden - Klaus Stadelmaier scheint einige Bauchschmerzen zu haben angesichts einer Entscheidung, die er im noch neuen Jahr fällen muss. Das Sozialamt hat ihm im Sommer geschrieben, erzählt der Leiter der Begegnungsstätte Heumaden. „Man hat mir mitgeteilt, dass unsere Begegnungsstätte künftig hauptamtlich geführt werden soll.“

Bisher arbeiten in dem von der evangelischen Gemeinde Heumaden-Süd und Alt-Heumaden sowie der katholischen Gemeinde Sankt Thomas Morus getragenen Seniorentreff mit etwa 10 000 Besuchern im vergangenen Jahr nur Ehrenamtliche. Im Verlauf des Jahres 2018 soll sich Stadelmaier zu dem Plan der Stadt eine Meinung bilden. Denn 2019 soll laut Verwaltung in den Beratungen für den Doppelhaushalt 2020/2021 über Mittel zur Umwandlung der ehrenamtlichen Begegnungsstätte entschieden werden.

Stadelmaier erkennt darin ein nützliches Anliegen

Stadelmaier ist sich offenbar bereits im Klaren darüber, was er der Stadt antworten will. „Ich werde ja sagen, auch wenn ich Bedenken habe“, sagt er. Die Stadt will Geld in die Hand nehmen, damit die Begegnungsstätte ein umfassenderes Angebot machen kann. Sie möchte alle sechs ehrenamtlich geführten Begegnungsstätten in Stuttgart mit hauptamtlich beschäftigten Kräften versorgen, damit diese besser auf den bevorstehenden demografischen Wandel reagieren können. Es sollen zum Beispiel Angebote für gerontopsychiatrisch Erkrankte gemacht werden. Damit sind in erster Linie Menschen mit einer schweren Demenz gemeint.

Stadelmaier erkennt darin ein nützliches Anliegen. Er habe von dem Vorhaben aber erst erfahren, nachdem er sich erkundigt habe, ob die Pauschale für die Sachkosten nicht erhöht werden könnte. „So könnten wir den Betrieb künftig auch mit geringeren Kosten fortsetzen“, sagt er. Stadelmaier rechnet vor: „Wir arbeiten zur Zeit mit einem Budget in Höhe von rund 57 000 Euro. Davon erhalten wir an Zuschüssen rund 30 000 Euro, die restlichen 27 000 Euro erwirtschaften wir selbst.“ Bei einer hauptamtlich geführten Begegnungsstätte fielen dagegen pro Mitarbeiter bis zu 44 827 Euro an, also fast 80 Prozent der Gesamtkosten als ehrenamtlich geführte Begegnungsstätte.

Auf den demografischen Wandel muss sich jede Kommune einstellen

Stadelmaier fragt sich, ob es da nicht wirtschaftlicher wäre, den seit 14 Jahren unveränderten Zuschuss für Sach- und Programmkosten in Höhe von 16 443 Euro zu erhöhen. Dass sich an der Finanzierungsgrundlage grundsätzlich etwas ändern muss, steht für ihn außer Frage. „Egal ob es um Zumba- oder Yogakurse geht, wir wollen die Referenten anständig bezahlen, und die Kosten steigen eben.“

Zweifel hat Stadelmaier allerdings daran, ob die Räume an der Bockelstraße 121 und 125 oder der Schwendestraße den neuen Ansprüchen genügen. „Es gibt zum Beispiel keinen Platz für eine behindertengerechte Toilette.“ Die Stadt habe allerdings angeboten, sich nach neuen Räumen umzusehen.

Auch Stefan Spatz, der Leiter des Sozialamts, sieht die Suche nach neuen Räumen bei einer etwaigen Umwandlung als notwendig an. Die Frage, ob es überhaupt dazu kommt, sei allerdings offen. „Es ist ein Anliegen der Stadt, die Inklusion voranzubringen“, sagt Spatz. Deshalb sollen die ehrenamtlich geführten Begegnungsstätten mit Geld dabei unterstützt werden, ihr Angebot um fünf Module zu erweitern. Neben den bereits erwähnten Demenzerkrankten, sollen die Begegnungsstätten auch Programme für Behinderte und Menschen mit Migrationshintergrund anbieten, generationsübergreifend arbeiten und mit einem Fahrdienst auf ihre Klienten zugehen können.

„Für jedes dieser Module kann eine Begegnungsstätte zwischen zehn und 20 Prozent der Pauschale für eine hauptamtliche Kraft zusätzlich erhalten“, erklärt Spatz. Für ihn steht jedenfalls fest, dass die Stadt damit sinnvoll in ihre insgesamt 34 Begegnungsstätten investiert. Auf den demografischen Wandel muss sich aus seiner Sicht jede Kommune sehr bald einstellen. Spatz sagt: „Die Anforderungen werden zunehmen.“

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