Diese Splitterschutzmaske aus der Zeit des Ersten Weltkriegs wurde zwischen 1916 und 1918 von britischen Panzerbesatzungen zum Schutz vor umherfliegenden Nieten und Splittern verwendet. Foto: Daniela Wolf

Mehr als 100 Jahre alt ist ein seltenes Relikt aus dem Ersten Weltkrieg, das zur Sammlung des Städtischen Museums im Kornhaus Kirchheim (Kreis Esslingen) gehört.

Bei Recherchen für seinen Unterricht stieß Realschul-Geschichtslehrer Bernd Kerner aus Wernau im Online-Portal „museum-digital“ auf ein erstaunliches Objekt: eine Splitterschutzmaske des britischen Royal Tank Corps aus dem Ersten Weltkrieg. Sie befindet sich nicht etwa in einem fernen Armeemuseum, sondern im Depot des Städtischen Museums Kirchheim. Wenn die neue Dauerausstellung im Kornhaus öffnet, wird sie öffentlich zu sehen sein.

 

Die sehr gut erhaltene Maske besteht aus einer schweren Eisenplatte mit Sehschlitzen sowie einem im Inneren gepolsterten Lederüberzug. Sie wurde mit Baumwollbändern am Kopf fixiert. Ein an der Maske befestigtes Kettengeflecht diente als Gesichtsschutz. Getragen wurde sie zwischen 1916 und 1918 von britischen Panzersoldaten, um sich im engen Innenraum der damals neuartigen Fahrzeuge gegen Splitter, Schrapnelle und umherfliegende Nieten zu schützen, heißt es in der Beschreibung des Objektes.

Kriegsbeute von Soldaten im Ersten Weltkrieg

Wie genau die britische Maske ihren Weg nach Kirchheim fand, sei nicht mehr exakt zu rekonstruieren, räumt die Stadtverwaltung in einer Mitteilung ein. Ein Blick ins sogenannte Eingangsbuch des Museums liefere jedoch unter der Inventarnummer 3138 belastbare Hinweise: Demnach gelangte die Maske 1937 in die Sammlung gemeinsam mit weiteren Objekten, die im Zusammenhang stehen mit dem Württembergischen Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 248. Das war einst im Kirchheimer Freihof-Areal stationiert. Sehr wahrscheinlich handle es sich also um Kriegsbeute aus den Schlachten des Ersten Weltkriegs, die von den damaligen Soldaten aufbewahrt und Jahrzehnte später dem Museum überlassen wurde.

Die Maske hat auf Bernd Kerner, der im Kirchheimer Ortsteil Jesingen wohnt, großen Eindruck gemacht. „Im Rahmen meiner Recherchen bin ich schon mehrfach auf solche Splitterschutzmasken gestoßen. Doch dass sich ein Exemplar in der Sammlung des Museums meines Wohnortes befindet, hätte ich nicht erwartet“, freut sich der Lehrer. Denn das eröffne ihm neue Möglichkeiten für seinen Unterricht: „Gerade diese Nähe macht es für meine Schülerinnen und Schüler besonders spannend: Geschichte wird so greifbar.“

Kerner nahm umgehend Kontakt zu den Mitarbeitenden des Städtischen Museums auf – er wollte das seltene Objekt unbedingt fotografieren, um es den Schülern zeigen zu können. Öffentlich zu sehen ist die Maske nämlich nicht: Das Städtische Museum im Kornhaus ist wegen des Umbaus des Gebäudes und der Neukonzeption der Dauerausstellung noch für lange Zeit geschlossen. Die Eröffnung ist erst Ende 2028 geplant.

Geschichte wird im Museumsdepot von Kirchheim bewahrt

So lange müssen Bernd Kerners Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 9 jedoch nicht warten: Sie dürfen demnächst das Museumsdepot besuchen. Dort könnten sie die britische Splitterschutzmaske sowie weitere Objekte aus der Zeit des Ersten Weltkriegs nicht nur anschauen, sondern mit Baumwollhandschuhen auch selbst in die Hand nehmen, teilt die Museumsleiterin Stefanie Schwarzenbek mit.

Im Inneren des Kornhauses tut sich was: Die Sanierung des historischen Gebäudes hat begonnen. Foto: Stadt Kirchheim

„Die Nachfrage nach Objekten wie diesem zeigt, dass unsere Sammlung auch jenseits der Dauerausstellung lebendig bleibt“, sagt Sammlungskuratorin Viola Fichtenkamm. Nicht nur im Museumsdepot, sondern auch im Netz wird Geschichte bewahrt: Die Splitterschutzmaske und mehr als 80 weitere Objekte aus der Sammlung des Städtischen Museums lassen sich virtuell unter der Web- Adresse „museum-digital:baden-württemberg“ entdecken.

Kircheimer Exponate findet man online unter https://bawue.museum-digital.de/institution/129