Ein geselliger Kneipenabend kann auch so aussehen: Claudia Fischer hat eine App erfunden, mit der sich die Gäste virtuell in ihrer Lieblingsbar treffen können. Foto: Gottfried Stoppel

Alles fällt aus wegen Corona? Claudia Fischer aus Backnang hat für mehr Geselligkeit eine App für virtuelle Stadtfeste, Kneipenabende, Festivals und mehr entwickelt. Das Motto: „Sei loyal, feier lokal“.

Backnang - Ein Sommer ohne Stadtfeste, Musikfestivals und Quizabende in der voll besetzten Kneipe – für viele Menschen einfach jammerschade, für Veranstalter, Vereine und Gastronomen häufig existenzbedrohlich. Claudia Fischer aus Backnang wollte allen Beteiligten helfen und hat daher mitten im Corona-Lockdown eine Möglichkeit dazu ausgetüftelt. Mit der Hilfe von zwei Programmierern hat sie die internetbasierte App „Selofelo“ entwickelt, deren Name die Kurzform des Mottos „Sei loyal feier lokal“ ist und die auf dem Rechner, einem Tablet oder einem Smartphone verwendet werden kann.

Grundlage von Selofelo ist – in Anlehnung an ein analoges Brettspiel – ein Spielfeld, das die Abnehmer der App nach ihren eigenen Wünschen befüllen und gestalten können. So könnte beispielsweise eine Kommune den Plan ihrer Innenstadt als Spielfeld wählen und in dieser Karte typische Anlaufstellen ihres Stadtfestes, wie Bühnen, Feststände oder Kneipen markieren.

Nutzer können sich einloggen und zusammen feiern

„Die Nutzer, die sich auf einem dieser Punkte einloggen, landen in einem gemeinsamen Chatroom und können dann auf Distanz etwas zusammen erleben, zum Beispiel feiern – eben jeder an einem anderen Ort“, sagt Claudia Fischer, der sehr am Herzen liegt, dass die Geselligkeit nicht ganz zu kurz kommt.

„Man kann auch jedem der anderen Besucher in einem Chatroom privat eine Nachricht schreiben und sich so besser kennen lernen“, sagt die Selofelo-Erfinderin, die hofft, dass ihre App helfen kann, den deprimierenden Eindruck zu mildern, dass fast alles, was Spaß macht, in diesem Sommer ausfällt. Weil bei solchen virtuellen Treffen in der Kneipe mehr passieren soll, als in einem gewöhnlichen Chatroom, können die Besucher sich beispielsweise zu einem Quizabend verabreden, bei dem gemeinsam gerätselt wird, oder an einem anderen Wettbewerb teilnehmen.

Dabei kommen dann auch Gastronomen und Vereine ins Spiel. Je nach Kapazitäten hätten diese zum Beispiel die Möglichkeit, für einen virtuellen Kneipenabend oder ein Konzert ein Partypaket mit Getränken und Knabberzeug zusammenzustellen. Das könnten die Partygäste vorab bei einem lokalen Händler abholen. Eine Möglichkeit wäre auch, dass ein Kneipenwirt die Partyzutaten seinen Gästen nach Hause liefert. Letztere hätten so die Möglichkeit, ihren Lieblingswirt zu unterstützen und ihr Geld vor Ort auszugeben, sagt Claudia Fischer.

Der Eintritt ins Chatroom hilft der Kneipe

Das Ziel sei, dass Gastronomen und Vereine eine Chance bekommen, ein bisschen des durch Corona verloren gegangenen Umsatzes hereinzuholen. Hilfe für lokale Veranstalter – das ließe sich auch durch ein kleines Eintrittsgeld erreichen, findet Claudia Fischer: „Wenn man in eine Bar eincheckt, könnte ein kleiner Obolus von beispielsweise zwei Euro erhoben werden, bevor man im Chatroom landet.“

Für ihre Selofelo-App könnte sich die Backnangerin aber noch andere Einsatzmöglichkeiten vorstellen. „Man könnte sogar Urlaube machen“, sagt Claudia Fischer. Ein Veranstalter müsste dazu eine Reiseroute hinterlegen, die Nutzer könnten sich gegen eine Gebühr an einer Station einloggen, an der sie dann ein Reiseführer empfängt und mit auf seine Tour nimmt, die zum Beispiel durch das Pariser Museum Louvre und zur Mona Lisa führt. Eine umweltfreundliche Art des Reisens, die sich auch für Menschen eignet, die nicht mobil sind oder die sich einen echten Trip nach Paris nicht leisten können.

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