Lastenräder sind aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken und ein Baustein für umweltfreundliche Mobilität. In Fellbach ist es ab Anfang Juni möglich, sich ein E-Lastenrad kostenlos auszuleihen.
Getränkekisten oder einen größeren Einkauf ohne das Auto transportieren? Das ist angesichts der steigenden Spritpreise sicher keine schlechte Idee. ein Lastenrad ist dafür eine Möglichkeit. Da die Räder nicht gerade billig sind – ein höherer mittlerer vierstelliger Betrag muss da schon investiert werden – ist die Anschaffung auch eine Preisfrage. In Fellbach gibt es jetzt die Chance, das Fahrgefühl eines Lastenrades auch ohne eigenes Gefährt auszuprobieren. Ab Anfang Juni steht an der Fellbacher Radstation am Bahnhof ein E-Lastenrad zum Ausleihen bereit.
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Ich habe es vorab mal ausprobiert. Um es vorwegzunehmen: Wer ein Lastenrad fahren möchte, muss das Fahrradfahren nicht neu erlernen. Aber ein bisschen reinkommen muss man schon in das neue Fahrgefühl – und das macht auf alle Fälle richtig Spaß.
Auch der Wendekreis fällt größer aus
Vor dem Gebäude, in dem auch die Volkshochschule untergebracht ist, steht an diesem Mittag das schöne, bunte Gefährt. „Es ist schon ein ganz schönes Geschoss“, meint eine Frau beim Vorbeigehen. Stimmt. Auf den ersten Blick macht die Größe schon Eindruck. Zweiradmechanikermeister Markus Freidank drückt das in Fachbegriffen aus. „Es ist ein langer Radstand“, sagt er. Beim Lastenrad muss man einen größeren Wendekreis beachten als beim normalen Rad. Er erklärt auch, wie der Anschub des E-Bikes geschaltet wird und die so genannte Schiebehilfe geht. Markus Freidank ist Fachbereichsleiter bei der neuen Arbeit für alle Radstationen und Radservicestationen. Die Tipps merke ich mir gut und und dann geht’s auch schon los. Ich rolle auf die Theodor-Heuss-Straße – möchte erst mal nur auf der Radstraße testen, wie sich das Lastenrad anfühlt. Es ist schon eine coole Sache, so unterwegs zu sein – besonders an einem so heißen Nachmittag. Die Fahrtluft weht um die Nase, es geht leicht, in die Pedale zu treten. Immer wieder werden neugierige Blicke auf das Gefährt geworfen. Das bunte Ding fällt auf.
Verglichen mit anderen Städten sind die Lastenräder hier noch wenig vertreten, obwohl sie schon mehr im Stadtbild angekommen sind, sagt Markus Freidank. In Dänemark oder Kopenhagen seien Lastenräder längst etabliert. Sie sind ein Baustein für umweltfreundliche Mobilität und Transporte. Die Stadt Stuttgart, so erzählt Freidank, habe 60 Lastenräder geordert, um sie in Langzeitmiete an Bedürftige auszuleihen. Das Projekt stehe in den Startlöchern. Es gibt also verschiedene Modelle, um aufs Lastenrad Lust zu machen.
Besondere Aufmerksamkeit ist geboten
Jetzt fahre ich in Richtung Schwabenlandhalle und stoppe an einem Zebrastreifen an der Tainer Straße. Da merke ich deutlich, dass die Schnauze des Rades ganz schön weit nach vorne reicht. Um heranfahrende Autos wahrzunehmen, muss ich aufmerksam sein. Und auch die Umlaufgitter an den Stadtbahngleisen sind nicht der große Knüller mit dem Lastenrad. Drüben im Park ist es dann einfach klasse, an dem blühenden Stauden vorbeizurollen und einige Kurven zu drehen. Ich komme langsam besser rein. Dann nehme ich einen Schwenk rüber zur Lutherkirche. An diesem Platz konnten Besucher des Maikäferfestes vor Kurzem schon mal einen Blick auf das Modell werfen. Es ist ein Urban Arrow Familiy. In dem E-Lastenrad können bis zu zwei kleinere Kinder Platz nehmen.
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Birgit Orner und Julia Dickow von der Stabsstelle Radmobilität der Stadt haben sich in Böblingen bei der Radstation verschiedene Modelle zuvor angeschaut. Das Urban Arrow Familiy sei dort am meisten nachgefragt worden, so hätten sie dieses für die Anschaffung ausgewählt. Möglich wurde diese auch durch Sponsoren wie die Firma AMF und die Fellbacher Stadtwerke.
Lastenräder werden wahrgenommen
Nun geht es durch den Alten Friedhof, über die Stadtbahngleise weiter zur Pfarrer-Sturm-Straße. Ich könnte jetzt, ohne lange nach einem Parkplatz zu suchen, den Einkauf direkt vors Haus kutschieren. Ich muss zugeben, ich habe nur eine schwerere Tasche im Rad. Wenn die großen Transportbox voll beladen ist, wird man das beim Fahren deutlicher spüren. Auf dem Fußgängerweg sehe ich eine Passantin die große, sperrige Holzbretter trägt. Sie hätte es mit dem Lastenrad jedenfalls um einiges leichter.
Was sich aber auch bemerkbar macht: Ein Lastenfahrrad nimmt im Stadtverkehr deutlich mehr Raum ein und wird von Autofahrern deutlicher wahr- und auch ernstgenommen. Statt sich eng vorbeizuquetschen, wird ein Lastenrad mit mehr Abstand überholt. Das ist auch ein gutes und schönes Gefühl, das nach Wiederholung ruft. Lust aufs Lastenrad hat der Kurztrip durch die Stadt auf jeden Fall gemacht.