Anfangs hält sich die Begeisterung unseres Versuchskaninchens in Grenzen. Foto: Frank Wahlenmaier

Beim Shampoo ist unser Autor Frank Wahlenmaier ziemlich eitel – also gerade der passende Kandidat für den Test des Duschbrockens. Außerdem hat er herausgefunden, wie zwei Stuttgarter dieses feste Shampoo erfunden haben und warum der Duschbrocken auf Instagram zum Star avanciert.

Filder - Mein Handy vibriert, und eine Nachricht von meiner Freundin Freda informiert mich darüber, dass unsere Duschbrocken namens Frida Früchtchen und Maxi Minze angekommen sind. Klingt beinahe so, als ob wir zwei Dalmatiner adoptiert hätten. Während sich meine Begeisterung in Grenzen hält, freut sich meine bessere Hälfte unbändig darauf, den Selbstversuch zu starten. Ich frage mich hingegen, wie ein deformiertes Rechteck aus Kokosöl, Bio-Glycerin und Parfümölen mich davon überzeugen soll, Shampoo, Duschgel und Gesichtspflege aus dem Badezimmer zu verbannen, zumal ich sehr eitel bin, wenn es um meine Haare geht.

Der Schaum reicht für zwei

Am gleichen Abend öffnen wir unser Pärchen-Paket, in dem zwei Duschbrocken liegen. Sofort verteilen sich im Badezimmer Duftaromen. Freda riecht an ihrem orangenen Schaumklotz, und ein Grinsen breitet sich auf ihrem Gesicht aus. „Wenn die so ziept, wie gewöhnliche Kernseife, dann breche ich ab“, mustere ich meinen blauen Schaumblock kritisch. Keine Lust auf krauses Haar und trockene Haut, denke ich mir. Außerdem ist mein Maxi Minze für einen Brocken eher klein geraten. Freda will sich mein Gebrummel nicht länger anhören und verschwindet unter der Duschbrause, wodurch sich der Geruch im Badezimmer noch einmal intensiviert. „Jetzt du“, fordert mich Freda auf, Maxi die Dusche von innen zu zeigen.

Etwas unbeholfen schrubbe ich meinen Brocken über meine Kopfhaut und finde mich kurze Zeit später unter einer großzügigen Schaumdecke wieder, die eigentlich für zwei reicht. Ich stelle das Wasser ab, und verteile die Schaumkrone auf Körper, Haar und Gesicht. Allmählich wird neben dem Schmutz auch meine anfängliche Skepsis weggespült.

Einen Haken hat der Duschbrocken

Während Freda die Woche hindurch wie ein leckerer Fruchtsalat riecht und sie sich über ihr geschmeidiges und voluminöses Haar freut, erfrischt mich die duftende Minze, die Maxi freisetzt, jeden Morgen aufs Neue. Und ja, meine Haare haben es auch überlebt. Inzwischen sind wir gute Duschkumpels geworden, planen zusammen eine Reise nach England.

Einen kleinen Haken haben die neugewonnenen Freunde aber. Während die herkömmliche Duschgel-Flasche einfach verschließbar, ist muss der Duschbrocken nach jedem Brausebad abgetupft und trocken gelagert werden, denn die Weißblechdose, in der der Brocken geliefert wird, könnte rosten. Laut Hersteller könnte dies mit ein paar Tropfen Olivenöl wieder behoben werden. Nach einer Woche Benutzung haben unsere Duschbrocken kaum Substanz verloren, und wir möchten sie nicht mehr missen. Unser Fazit: Maxi und Frida sparen Zeit, Wasser, Plastikverpackungen und Platz in der Dusche. Doch wie kam es überhaupt zum Duschbrocken?

Wie es zum Duschbrocken kam

Kein Palmöl, keine Tierversuche, keine Plastikverpackung, sogar vegan soll der circa zehn Zentimeter große und 50 Gramm leichte Duschbrocken sein. Das versprechen Johannes Lutz und Christoph Lung ihren Kunden in ihrem Online-Shop. 60 000 Schaumblöcke seien bereits über den virtuellen Tresen gegangen. Weltweit wird der offensichtlich gefragte Hygieneartikel für zwölf Euro das Stück von Stuttgart aus verschickt. „Für uns ist das ein Zeichen, dass die Menschen anfangen umzudenken und mehr auf die Umwelt zu achten“, sagt Johannes Lutz. Außerdem soll der Duschbrocken viel ergiebiger als handelsübliches Duschgel sein. Doch wie, wo und warum entstand der Duschbrocken?

Nach einer Weltreise tüftelten die beiden Schwaben zusammen mit Lebensmitteltechnologen und Chemikern an ihrer Vision eines umweltfreundlichen, festen Shampoos in Klotzform für Reisende. Sechs Monate dauerte es, bis Lung und Lutz mit ihrem Produkt zufrieden waren. Zutaten wie Parfümöle oder Bio-Glycerin werden kommen überwiegend aus der Region, „nur bei dem Kokosöl müssen wir passen. Leider wachsen hier keine Palmen“. In der Seifenmanufaktur Haag in Feuerbach wird seit 1756 gemischt und gegossen. Jetzt entstehen dort täglich rund 1000 Duschbrocken, die irgendwann ihre eigenen Geschichten erzählen. „Schaumköpfe“ tauften die beiden Erfinder ihren wachsenden Kundenkreis, und dieser kann sich auf einer Weltkarte, die im Online-Shop einsehbar ist, verewigen und Erfahrungen austauschen. „Es ist total interessant, zu sehen, wie der Duschbrocken global eingesetzt wird. Das freut uns.“

Demnächst werde man die Seifen auch in Unverpackt-Läden in Stuttgart anbieten und darauf hoffen, dass die Schaumkopfgemeinschaft wächst.

In den sozialen Medien ist der Duschbrocken ein Star

Mit knapp 10 000 Abonnenten auf Instagram avanciert der Duschbrocken allmählich zum Social-Media-Star. Die Schaumköpfe, so nennen sich die Weltenbummler untereinander, fotografieren den Brocken an den verschiedensten Urlaubsorten und laden die Bilder auf die soziale Plattform hoch. In den Texten neben den Bildern lobt die Gemeinschaft die Umweltfreundlichkeit des Produkts und ist stolz darauf, zum Umweltschutz beizutragen.

Auch Saskia und Max aus Filderstadt haben es getan. Durch Freunde wurden sie auf den Duschbrocken aufmerksam. „Normalerweise haben wir auf Reisen mehrere Flaschen Duschgel und Shampoo mitgenommen“, sagt Saskia. Die kleinen, handlichen Saubermacher hätten die Platzfresser aus Plastik aus ihren Koffern verbannt. „Außerdem macht man sich beim Check-in am Flughafen automatisch weniger Sorgen“, ergänzt Max. Ihre Schaumklötze begleiteten sie dieses Jahr bereits zwei Wochen durch die Türkei. Neben Urlaubsimpressionen teilten sie auch Brockenbilder auf Instagram, aber warum? „So sieht man, wer sonst noch den Duschbrocken verwendet und alltägliche Gewohnheiten abwirft, um der Umwelt zu helfen“, erklärt Saskia. Dadurch würde man sich noch sauberer fühlen, ist sich das junge Paar einig. Wohl eine Marketingstrategie, die sich die beiden Gründer ausgedacht haben, denn beinahe täglich kommt ein neuer Schnappschuss hinzu.

Ein weiteres Paar schreibt dort: „Duschen hat noch nie so viel Spaß gemacht. Es ist bunt, es schäumt, und es ist vor allem ohne Mikroplastik.“ Soll heißen, dass die umweltverschmutzenden Partikel nicht ins Grundwasser gelangen. Klickt man sich durch die Kommentare, kommt kein schlechtes Wort auf die Erfindung aus Baden-Württemberg. Auch Familien bedanken sich bei dem Duschbrocken und seinen Erfindern. Bald wollen Saskia und Max mit dem Camper nach Barcelona reisen. Mit von der Partie sind, wie immer, Frida, Maxi und Carlos.

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