Mahlzeit! Wie wäre es zur Abwechslung mal mit frittierten Mehlwürmern? Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Länder in denen Insekten als ekelig gelten, sind eigentlich eher die Ausnahme. Deutschland gehört dazu. Unsere Redakteure haben ihren Ekel überwunden und ein ungewöhnliches Drei-Gänge-Menü probiert.

Stuttgart - Wie schmecken Insekten? Um diese Frage zu beantworten, haben sich die „Leben-Redakteure“ Anja Tröster, Werner Ludwig, Erik Raidt und Klaus Zintz einem Selbstversuch unterzogen. Im Test: Mehlwürmer und Heuschrecken in gefriergetrockneter Form, Schokotaler mit Mehlwürmern und Energieriegel mit Buffalo-Würmern.

Auf den folgenden Seiten ist zu lesen, wie es geschmeckt hat.

Und hier erfahren Sie, ob es riskant ist, Insekten zu essen und warum hierzulande kaum welche angeboten werden, obwohl sie als so nahrhaft gelten.

Vorspeise: Frittierte Mehlwürmer

Knusprig sind sie ja, die im Fett gebackenen Mehlwürmer. Aber sie schmecken ein wenig zu geröstet, irgendwie trocken und leicht angebrannt. Bei der zweiten, deutlich kürzer frittierten Charge, fällt das Ergebnis besser aus. Nun schmecken die Tierchen harmonischer – was nicht heißt, dass sie einem förmlich auf der Zunge zergehen. „Rezent“ passt als Geschmacksbeschreibung ganz gut, und im Abgang etwas – ja wie? Da fehlen einfach die passenden Worte. Vielleicht könnte man den Larven andere Geschmacksnoten entlocken, wenn man sie frisch und nicht gefriergetrocknet frittieren würde. Andererseits passt die rezente Note gut zu den Erzählungen mancher Afrikaner. Von ihnen ist zu hören, dass die Tierchen in ihrer Heimat gemahlen und als Gewürz verwendet werden. Das könnte tatsächlich sinnvoller sein.

Hauptgang: Frittierte Heuschrecken

Insekten essen? Kein Problem. Aber Grashüpfer? Ein ziemliches Problem. Wer mit Flip dem Grashüpfer, der sympathisch-verpeilten Figur aus der Biene Maja, aufgewachsen ist, muss schon vor dem Essen schlucken. Aber es gibt kein Zurück, schließlich kosten die Versand-Grashüpfer 15,99 Euro – bei einem Packungsinhalt von 20 Gramm. Also Augen zu, Grashüpfer ins heiße Fett, nach zwei Minuten mit dem Schaumlöffel herausgehoben und zum Abtropfen auf dem Küchenpapier zwischengelagert. Das Geschmackserlebnis: knusprig, im Gegensatz zu den Mehlwürmern weniger pappig und leicht nussig. Kann mit einer Prise Chili-Salz abgerundet werden. Perfekt als Sofa-Snack, leider zu teuer. Und: Sorry, Flip!

Süßes: Schokotaler mit Mehlwürmern

Mehlwürmer aus der Fritteuse sind kulinarisch nicht der Renner. Vielleicht schneidet ja die süße Variante besser ab: Schokolade mit gerösteten Mehlwürmern. Wobei letztere gerade mal einen Gewichtsanteil von zwei Prozent haben – zu wenig, um geschmacklich aufzufallen. Nur beim Zubeißen ist etwas von den Mehlkäferlarven zu spüren, die dekorativ auf die „Dschungelade“ drapiert wurden. Sie verleihen ihr eine ähnliche Konsistenz wie Puffreis – allerdings in der nichtveganen Variante. Der Wurm-Snack belegt, dass es halb so wild ist, wenn in der Schokoladenfabrik mal ein Krabbeltier in den Bottich fällt. Wir würden es noch nicht mal bemerken. Fazit: Die Dschungelade ist eine nette Möglichkeit, sensiblen Gästen einen kleinen Schreck einzujagen. Für 2,99 Euro pro Taler allerdings ein ziemlich teurer Spaß.

Energieriegel mit Buffalo-Würmern

Müsliriegel und Proteinbars gibt es in vielen Sorten – jetzt kommt noch die Variante mit gerösteten Buffalo-Würmern hinzu. Kenner schwärmen gerne von dem nussigen Geschmack der Larven. Die Verwendung mit Karamell und Mandeln liegt also geradezu auf der Hand. Aus der aufregenden Entdeckung beim beherzten Biss in den „Bug Break“ wird aber nichts. Da hätte ich auch genauso gut in meine Zeitung beißen können. Zugute halten muss man dem Bug Break, dass die Würmer optisch kaum auffallen. Ihn zu essen kostet deutlich weniger Überwindung als alles andere. Damit bin ich nicht allein – und deshalb werden Insekten wohl vor allem verarbeitet den Markt erobern. Falls überhaupt.

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