Rund drei Wochen früher als im vergangenen Jahr kann Juniorchef Matthias Brodbeck vom gleichnamigen Hof in Stuttgart-Möhringen seine Ernte einfahren. Foto: Leif Piechowski

Während die Stuttgarter im Talkessel am Pfingstwochenende um die Wette schwitzen, gedeihen die Erdbeeren auf den Feldern ganz hervorragend. Zur Freude der Landwirte: Sie erwarten eine gute Ernte.

Stuttgart - Matthias Brodbeck hat gut ­lachen: Der Juniorchef des gleichnamigen Hofs in Stuttgart-Möhringen freut sich auf eine saftige Erdbeerernte in diesem Jahr. „Wir haben 2014 ein Mengenjahr“, sagt der 26-Jährige. Das bedeutet, die Lager sind gut gefüllt, die Früchte hängen prall und ­fleischig an ihren Stängeln – noch: Die Ernte läuft auf Hochtouren. Insgesamt dürften es dieses Jahr rund 14 Tonnen ­Erdbeeren sein, die seine Saisonarbeiter und die Selbstpflücker auf den ­Feldern ­mit bloßen Händen­ ­abernten. Dafür setzt Brodbeck wie jedes Jahr eine ­Fläche von fünf bis sechs Hektar Land ein, umgerechnet acht ­Fußballfelder.

„Wir sind aufgrund des ­warmen Wetters rund drei ­Wochen früher dran, als ­beispielsweise im letzten Jahr“, sagt ­Brodbeck. „Die Kältephase von letzter Woche hat sich Gott sei Dank wieder verzogen.“ Kurzzeitig hatte er sogar Morgenfrost auf den Pflanzen und war in ­Sorge um die Früchte. Nun folgt die Hitzewelle, die den Erdbeeren ebenfalls ­zusetzen kann – auch sie können Sonnenbrand bekommen.

Durch das hohe Angebot an Erdbeeren fielen die Preise auf dem Stuttgarter ­Großmarkt am ­Wochenbeginn kurzzeitig auf 90 Cent pro Kilogramm – viel zu wenig für Erzeuger wie ­Matthias Brodbeck, die je Kilo rund zwei Euro erzielen müssen, um überhaupt ihre Kosten zu ­decken. ­­

Hier finden Sie Erdbeerplantagen zum Selbstpflücken:


Erdbeerfelder auf einer größeren Karte anzeigen

Der Landesverband ­Erwerbsobstbau (LVEO) in Baden-Württemberg schlug ­deshalb am ­Dienstag Alarm: „Der Lebensmitteleinzelhandel spielt seine Marktmacht auf dem Rücken der Erzeuger aus“, beklagte LVEO-Präsident Franz Josef Müller in einer Mitteilung an die Presse. Doch zum Wochenende hin haben sich die Großmarkt-Preise ­wieder stabilisiert.

Neben dem Verkauf über seinen Hofläden und die Selbstpflücker setzt Brodbeck seine Beeren auch direkt an den Einzelhandel ab. Einige Märkte von Rewe und Edeka in der Region beziehen ihre Erdbeeren direkt von ihm: Rund 75 Prozent seines Ertrags gehen im Handel über die Ladentheke.

Das restliche Viertel verkauft sich über die Hofläden und die Selbstpflücker, die sich seit Donnerstag vergangener Woche auf ­seinen Plantagen tummeln. Zwei davon hat er eingerichtet: Am Rohrer Weg und in der Trochtelfinger Straße. I

In die gute Laune über die ertragreiche ­Ernte mischen sich bei vielen ­Obstbauern aber auch Sorgen um den ­flächendeckenden Mindestlohn. Die ­Bundesregierung hat das Gesetz auf den Weg gebracht, am 1. Januar 2015 soll über ­alle Branchen hinweg eine Verdienstuntergrenze von 8,50 Euro pro Stunde gelten. ­Gerade die Obstbauern müssen da ­schlucken. Die Ernte muss von Hand ­geschehen – auf bezahlbare Arbeitskräfte sind die ­Landwirte angewiesen.

„Wir ­zahlen unserer Saisonarbeitern aus Polen und Rumänien schon jetzt 7,40 Euro auf die Stunde“, sagt Landwirtin Margit Brodbeck. Die Mutter des Juniorchefs ­Matthias kümmert sich auf dem Hof um die Vermarktung und kennt ihre Arbeiter seit Jahrzehnten. „Wir beschäftigen zur ­Erdbeerernte schon seit 23 Jahren die selbe Großfamilie aus Polen“, sagt sie. „Wir ­würden unseren Arbeitern gern mehr Lohn bezahlen, nur müssten wir das an die ­Verbraucher weitergeben.“

Die allerdings kaufen ihre Erdbeeren gern beim Discounter, der die Früchte aus ­Spanien bezieht. Und viel billiger anbietet. Obstbauberater Andreas Siegele von der Stadt Stuttgart kann ein Lied davon singen: „Manchmal steht das Kilo dort für gerade mal 1,29 Euro im Regal“, sagt er. „Doch bei der Qualität können die Billig-Erdbeeren nicht mit denen aus der Region mithalten.“ In der Gegend um Stuttgart ­halte sich das Selbstpflücken seit Jahren, sagt Siegele. Und ergänzt: „Hier gibt es eine eingefleischte Fangemeinde.“

Für das Pfingstwochenende verspricht der ­Wetterbericht Sonne satt – beste ­Bedingungen für alle selbstpflückenden Erdbeerliebhaber.

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