Dringend benötigt: ein geschütztes Fahrzeug der Bundeswehr im UN-Feldlager Gao für den Transport von Verwundeten. Foto: StN/Christoph Reisinger

Wie gefährlich der Einsatz im Sahel für die Bundeswehr ist, zeigt der schwere Anschlag in Mali. Gefährlich wird er auch politisch, wenn Deutschland so weitermacht wie bisher, meint StN-Chefredakteur Christoph Reisinger.

Stuttgart - Was für eine traurige Bestätigung! Dass der Einsatz im westafrikanischen Mali „einer unserer gefährlichsten“ sei, sagte Generalinspekteur Eberhard Zorn kürzlich unserer Zeitung – jetzt meldet die Bundeswehr aus dem Sahel-Staat erhebliche Verluste unter ihren UN-Soldaten.

 

Was geht noch im Sahel?

Noch bevor Details des Angriffs und das genaue Ausmaß seiner Folgen in Deutschland bekannt sind, hagelt es Wortmeldungen: zu Ausrüstungslücken, zur Bewaffnung von Drohnen. Das alles ist wichtig. Schließlich schuldet der Staat maximale Fürsorge denen, die für ihn den Kopf hinhalten. Viel wichtiger aber sind zunächst Bergung und Versorgung der Soldaten – und im Nachgang dann endlich Klarheit darüber: Was genau will, was kann Deutschland mit seinen Partnern im Sahel militärisch noch bewirken?

Den Sturz der gewählten Zivilregierung begrüßt

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat die Fortsetzung des Mali-Einsatzes davon abhängig gemacht, dass auf den Militärputsch von Mitte Mai – den zweiten innerhalb eines Jahres – bald Wahlen folgen. Ihre Vorgängerin Ursula von der Leyen sagte gern: „Afrika machen wir mit den Franzosen.“ Nur, ein großer Teil der malischen Bevölkerung hat den Sturz der ziemlich frei und fair gewählten Zivilregierung begrüßt. Und kein Land wird von Westafrikanern kritischer betrachtet als Frankreich – das sein Engagement im Sahel gerade massiv runterfährt.

Mehr Wille und Idee

Es braucht mehr eigenen politischen Willen in Deutschland und klarere Ziele, um diesen Einsatz der Bundeswehr fortzusetzen und mit Entwicklungsarbeit sinnvoll zu ergänzen. Wir waren auch dabei – das allein rechtfertigt keine Opfer.

christoph.reisinger@stuttgarter-nachrichten.de