Das Landesprojekt eines autonom fahrenden Busses ist weit vorangekommen. Jetzt muss auch ein Geschäft daraus werden, fordert der Minister Hermann.
Es läuft für den ersten autonom fahrenden Bus Deutschlands, wenn auch noch nicht perfekt. Da wären zum Beispiel Schneeberge am Straßenrand, aufgeworfen über Nacht. Der Bus-Prototyp, ausgerüstet von der ZF AG mit Radar-, Lidar- und Kameratechnik, bremst in der Friedrichshafener Innenstadt immer wieder ab. Ein Ingenieur an Bord muss eingreifen. In Zukunft soll solche Hilfe von einem zentralen Leitstand aus geleistet werden, angesiedelt zum Beispiel in der Zentrale von Stadtwerken.
Kampf gegen Kinderkrankheiten
Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) hat sich am Samstag bei ZF selbst über die Fortschritte des Projekts mit dem Titel „Reallabor für den automatisierten Busbetrieb im ÖPNV in der Stadt und auf dem Land“, kurz „RABus“, unterrichten lassen. Vor vier Jahren hat es begonnen, die Landeshilfen lagen bei rund 14 Millionen Euro. Bis nächsten Sommer ist das Projekt jetzt nochmals verlängert worden, die Förderung steigt bis dahin auf knapp 16 Millionen. Zeit, letzte Kinderkrankheiten des selbstfahrenden Busses zu beseitigen.
Die Stadtgeschwindigkeit soll von bisher maximal 30 auf 40 Stundenkilometer steigen, auf außerörtlichen Straßen werden 60 Stundenkilometer angestrebt. Eine verbesserte Hindernisbewältigung und die allgemeine Stabilität des Computersystems, ausgelegt auf die Gesetzesnorm Level 4, seien jetzt noch Ziele, sagen die Entwickler. Kein großer Schritt mehr, so klingt es.
Nicht nur der Elektrobus mit seinen zehn Sitzplätzen, einer davon für Rollstuhlfahrer, muss am Ende tadellos funktionieren. Aus Testphasen in Friedrichshafen und Mannheim, wo seit Oktober vier Erprobungsfahrzeuge unterwegs sind, weiß man: Es braucht ein logisches, per App bedienbares Platzreservierungssystem. Geeignete städtische Fahrstrecken müssen detektiert, Anwohnern Bedenken, Fahrgästen Ängste genommen werden, etwa für den Fall von Nachtfahrten. Mit solchen Fragen hat sich das Karlsruher Institut für Technologie, das zu den Projektpartnern gehört, intensiv beschäftigt, auch mit Hilfe von Umfragen.
Minister hofft auf einen schnellen Salto
ZF bleibt verbunden, trotz der aktuellen Probleme in der Autoindustrie. Den ursprünglichen Plan, die Busse komplett selber zu bauen, hat man aber aufgegeben. Das Chassis der aktuell eingesetzten Testbusse kommt vom österreichischen Hersteller Eversum. Grundsätzlich, sagen sie bei ZF, könnten sie jeden E-Bus mit Spezialkomponenten ausrüsten, aber eben als Zulieferer.
Dieser Bus ist laut Hermann „eine Lösung, die man überall auf der Welt brauchen kann“ – wegen der Ökobilanz, der Lärmreduktion und weil überall Fahrer fehlen. Nun müsse der Technikvorsprung von Baden-Württemberg aus zu einem Geschäft gemacht werden. Von Kopisten in China oder USA dürfe man sich nicht wieder ausmanövrieren lassen. „Wir haben nicht allzu viel Zeit.“ Auch mit Blick auf Personalabbaudebatten bei Bosch, VW, Schaeffler oder Mercedes betonte der Minister, es dürfe in den Konzernen nicht allein ums Sparen gehen. „Wir müssen einen Salto vorwärts schaffen.“