Ein Geco-Garden-System, wie es auf der Abbildung zu sehen ist, soll ein eigenes Ökosystem bilden. Würmer liefern mit ihren Ausscheidungen die nötigen Nährstoffe. Foto: privat

Hohenheimer Studierende und Doktoranden wollen mit EU-Geld eine Erfindung vermarken, die sie an der Universität entwickelt haben. Es geht um einen Garten, der sich mithilfe von Würmern selbst düngt.

Hohenheim - In der Gartenanlage der Hohenheimer Tüftler ist der Wurm drin. Gerade deshalb wollen die Hohenheimer Erfinder dafür Fördergeld von der EU, um sie im größeren Stil zu vermarkten. Es sind sogar gleich unzählige Tiere, die sich im zum Geco-Garden-System gehörenden Kompost aus Bioabfällen wohlfühlen. Die Würmer fressen sich satt am Kompost und lassen schließlich wie alle Lebewesen dann der Natur ihren Lauf. Doch die Ausscheidungen der Würmer stören nicht. Sie sind die nährstoffreiche Basis für einen sich selbst düngenden Garten.

Die Flüssigkeit mit dem Kot der Würmer läuft in einen Tank, in dem ihr Sauerstoff zugesetzt wird. Dann verteilt sie eine Tauchpumpe in Schläuche, die wiederum in den Bottichen mit den Pflanzen enden.

Der Hohenheimer Doktorand Bastian Winkler ist sich sicher, dass seine Erfindung den Sehnsüchten vieler Großstädter entgegenkommt, die gerne selbst Obst oder Gemüse anbauen möchten. Er gründete daher im Jahr 2016 gemeinsam mit anderen das Unternehmen Geco-Gardens.

Städte könnten ihren Nahrungsbedarf stärker selbst decken

Das von ihm und seinen Mitstreitern an der Universität Hohenheim entwickelte System habe Platz auf Balkonen und Terrassen, erklärt er. Alles was dazu nötig ist, finde der Besitzer der Anlage in seinem Biomüll, erläutert Bastian Winkler weiter.

Im größeren Stile können die autarken Gartensysteme auch dabei helfen, dass Städte ihren Nahrungsbedarf stärker selbst decken, sagt der Hohenheimer Doktorand. Damit das nicht nur Zukunftsmusik bleibt, nimmt das Unternehmen Geco-Gardens am Gründerförderungsprogramm namens Katana der Europäischen Union (EU) teil.

Das Start-up-Unternehmen hat es als eines von 54 nun in die finale Runde des EU-Programms geschafft. Nun muss es beweisen, dass es erfolgreich mit einer Crowd­funding-Kampagne um Sponsoren werben kann. Den zehn Unternehmen, denen es gelingt, den größten Zuspruch zu mobilisieren, winken 100 000 Euro an Fördergeld aus einem Brüsseler Budgettopf.

„Wir könnten mit dem Geld weiter ins Marketing investieren oder eine eigene Werkstatt mieten“, sagt Bastian Winkler. Wäre die Idee des sich selbst versorgenden Gartens erst bekannter, würde sie auch rasch Anklang finden, ist Unternehmensgründer Winkler überzeugt. „Wir haben bereits in diesem Jahr sieben Gartensysteme verkauft, im Jahr 2016 waren es zwei“, sagt er.

Mit dem Crowdfunding-Geld eine App entwickeln

Mit dem beim Crowdfunding gewonnen Geld möchten die Erfinder zunächst eine App entwickeln. „Sie soll den Nutzern erklären, welche Pflanzen sie anbauen können“, sagt Winkler. Den großen Rest der Arbeit sollen dann die Kompostwürmer erledigen. Bereits in der Vergangenheit hat die Gruppe um den Hohenheimer Doktoranden mit autarken Pflanzenanbausystemen auf sich aufmerksam gemacht. Sie gründeten den Verein Grünfisch und stellten unter anderem vor zwei Jahren auf dem Züblin-Parkhaus an der Lazarettstraße eine Aquaponik-Anlage auf.

In einer solchen sind Fische in einem Aquarium für die nährstoffreichen Ausscheidungen verantwortlich, von denen wiederum Pflanzen gedeihen können. Zum ersten Mal habe er eine Aquaponik-Anlage während einer Forschungsreise 2012 in Südafrika gesehen, sagt Winkler. Seitdem sei er fest von dem Prinzip überzeugt. „Es geht darum, mit den vorhandenen Ressourcen Lebensmittel zu produzieren.“ Fische, meint er, seien aber nicht jedermanns Sache. „Deshalb haben wir sie jetzt durch Würmern ersetzt“, sagt er.

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