Schwerer Gang: Ein Spezialeinsatzkommando musste am Sonntagabend einen Mann vom Dach eines Hauses holen. Foto: SDMG

Nach dem spektakulären Polizeieinsatz am Wochenende sitzt ein 39-Jähriger in Untersuchunghaft. Er hatte seine Ex-Freundin mit einem Messer attackiert und gedroht, sich von einem Hochhaus zu stürzen.

Ludwigsburg - Der 39-Jährige, der am Wochenende im Ludwigsburger Stadtteil Eglosheim versucht hat, zunächst seine Mitbewohnerin zu töten und schließlich damit drohte, sich selbst das Leben zu nehmen, kommt in Untersuchungshaft. Das teilten die Staatsanwaltschaft Stuttgart und das Ludwigsburger Polizeipräsidium am Montag mit. Die Kriminalpolizei ermittelt wegen eines versuchten Tötungsdeliktes gegen den Mann.

Am Tag nach dem Großeinsatz, der den Stadtteil und die Einsatzkräfte am Samstag und Sonntag rund 20 Stunden lang in Atem gehalten hatte, versuchen die Ermittler, die Hintergründe der Tat aufzuklären. Offenbar lebten der 39-Jährige und das drei Jahre jüngere Opfer nicht nur gemeinsam in der Wohnung, sondern waren in der Vergangenheit auch liiert. Im wieder ging die Beziehung allerdings in die Brüche, immer wieder kam es auch zu Streitereien. Auch die Polizei musste öfter zu der Adresse im Wohngebiet Straßenäcker ausrücken. Vorbestraft sei der Mann jedoch nicht, erklärt der Sprecher des Ludwigsburger Polizeipräsidiums, Peter Widenhorn.

Täter und Opfer waren in der Vergangenheit ein Paar

Begonnen hatte der Einsatz am Samstag gegen 21.30 Uhr. Nachbarn alarmierten die Polizei, nachdem sie aus der Wohnung einen lautstarken Streit wahrgenommen hatten. Während der Auseinandersetzung flüchtete die Frau ins Treppenhaus, wo der 39-Jährige sie einholte, zu Boden riss und würgte. Der Mutter des Opfers und einigen Nachbarn gelang es zunächst, den Mann wegzuziehen. Als wenig später die Polizei eintraf, nahm der Mann seine Ex-Freundin als Geisel und verbarrikadierte sich in einer Wohnung. Dort griff er sie mit einem Messer an und verletzte sie schwer, aber nicht lebensbedrohlich an der Hand. Die Frau befindet sich derzeit im Krankenhaus.

Noch am Samstagabend brachen mehrere Beamte schließlich die Wohnungstür auf und befreiten die Frau, woraufhin der 39-Jährige die Polizisten mit dem Messer attackierte und einen Beamten leicht verletzte. Über den Balkon flüchtete der Mann auf das Dach des sechsstöckigen Hauses und drohte damit, sich in die Tiefe zu stürzen. Mehr als 20 Stunden verhandelten Spezialisten der Polizei und Notfallseelsorger mit dem Mann, bis er am Sonntag gegen 17.20 Uhr von einem Spezialeinsatzkommando überwältigt werden konnte.

Vor allem die Sichtverhältnisse auf dem Dach machten den Einsatz für die Beamten offenbar kompliziert und damit langwierig. So konnte sich laut Polizei niemand dem Mann nähern, ohne Gefahr zu laufen, dass jener in den Tod springen könnte. Da die Dachfläche außerdem sehr groß sei, hätte die Feuerwehr kein Sprungtuch bereithalten können, um einen möglichen Absturz aufzufangen. „Wir haben nicht immer gesehen, wo sich der Mann befindet“, erklärt Peter Widenhorn.

Das SEK konnte den Mann schließlich überrumpeln

Kurzzeitig sei daher auch über den Einsatz von Betäubungsmitteln, wie zum Beispiel einem sogenannten elektrischen Taser, nachgedacht worden. Letztlich habe man es aber geschafft, während der Gespräche so nahe an den Mann heranzurücken, dass er schließlich ohne Waffeneinsatz überrumpelt werden konnte.

Da der Mann unbewaffnet auf dem Dach hockte, habe keine Gefahr für die Nachbarn bestanden, sagt Widenhorn. Man habe daher entschieden, die Wohnblocks in dem Gebiet nicht zu evakuieren. Die Öffentlichkeit habe man erst nach Ende des Einsatzes informiert, um nicht noch mehr Schaulustige an den Tatort zu locken.

Info: Menschen in tödlicher Höhe

Von ganz oben:
Immer wieder setzen sich Menschen – ob gewollt oder ungewollt – der Gefahr aus, abzustürzen. Nicht immer enden solche Vorfälle glimpflich.

Über den Balkon: Tödlich endet für einen mutmaßlichen Betrüger der Zugriff eines Spezialeinsatzkommandos (SEK) am 6. September 2016 in Stuttgart-Möhringen. Der Mann soll nach intensiven Ermittlungen in einem Hotel am SI-Centrum dingfest gemacht werden. Als die Beamten im siebten Stock in das Apartment eindringen, flüchtet der 30-Jährigen über den Balkon und springt in den Tod. Ob aus Panik oder mit Suizidabsicht ließ sich bisher nicht klären.

Im Gestänge:
Auch am Stuttgarter Planetarium muss das SEK eingreifen, als am 26. November 2013 ein junger Mann auf das Dach des Gebäudes steigt. Der psychisch kranke 19-Jährige verweilt mehrere Stunden zeitweise mit entblößtem Oberkörper in 18 Metern Höhe im Gestänge des Dachtragwerks des Planetariums, ehe die Polizei zugreift und ihn unverletzt rettet.

Von der Brücke: So unglaublich wie tragisch endet das Leben eines 31-Jährigen am 25. September 2006 auf der Aichtalbrücke der B 27 im Kreis Esslingen. Der Mann hält nach einer Panne auf dem Viadukt an, wechselt einen Vorderreifen und will, wie die Polizei vermutet, noch kurz austreten. Offenbar nicht wissend dass er sich auf einer Brücke befindet, steigt er über das Geländer und stürzt mehr als 50 Meter in die Tiefe. Einen Suizid schließt die Polizei aus, da der Mann eine Warnweste getragen und sich festzuhalten versucht hat – zumindest dem Haut- und Schuhabrieb an der Außenseite der Brücke nach zu schließen. mid

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