Marion und Jürgen Mörk fiebern bei den Wahlen zwar mit, sie müssen sich am Wahltag aber neutral geben. Foto: Simon Granville

Marion und Jürgen Mörk engagieren sich bereits seit 15 Jahren als Wahlhelfer in Wimsheim – ein spannendes und vor allem wichtiges Ehrenamt, wie die beiden finden.

Um genau Viertel vor acht wird jeweils ein Ehepartner in der Hagenschießhalle und einer im evangelischen Gemeindehaus Wimsheim sein. Marion und Jürgen Mörk wissen schon genau, was sie am 9. Juni machen. Um acht Uhr öffnen sie jeweils die Pforten für die dortigen Wahllokale. Die beiden sind als Wahlhelfer tätig. In diesem Jahr sind sie in ihrem jeweiligen Wahllokal in der Funktion als Wahlvorstand in einem vierköpfigen Team verantwortlich für den reibungslosen Ablauf des Wahlgeschehens vor Ort an diesem Super-Wahlsonntag mit Europa-, Kreistags- und Gemeinderatswahlen.

 

Seit 15 Jahren ist das Ehepaar ehrenamtlich bei vielen Wahlen mit dabei. Über eine Verwandte, die Wimsheimer Kindergartenleiterin Esther Selbonne, sind sie dazu gekommen, erzählt Marion Mörk. „Uns hat diese Aufgabe gleich gut gefallen“, so die 56-jährige gebürtige Wimsheimerin, die seit einiger Zeit im Bürgeramt der Gemeinde beschäftigt ist. Jürgen Mörk stammt aus Eltingen und hat bis vor Kurzem in Leonberg gearbeitet, lebt aber schon seit 35 Jahren in Wimsheim. Inzwischen ist der 60-Jährige im „engagierten Ruhestand“: Er arbeitet ehrenamtlich für die Leonberger Tafel.

Auch Zuhause wird diskutiert

Bei Marion und Jürgen Mörk, die von sich sagen, dass sie sich für Politik interessieren und daheim auch viel diskutieren, spürt man die Begeisterung für ihren Einsatz als Wahlhelfer. „Wir können uns dadurch für demokratische und gerechte Wahlen engagieren“, sagt Marion Mörk. Ihr Mann betont das im Grundgesetz verankerte Wahlrecht, das jeder wahrnehmen sollte. „Eine gute Wahlbeteiligung ist ganz wichtig“, sagt er und erzählt, dass er in seinem privaten Umfeld Leute zum Wählen animiert. „Dabei halte ich mich selbst strikt neutral“, fügt er hinzu.

Und darauf müssen die Wahlhelfer auch im Wahllokal achten. Sie kontrollieren, dass in den Wahlkabinen nicht noch Wahlwerbung von einzelnen Gruppierungen ausgelegt wird und auch direkt vor dem Wahllokal darf keine Werbung gemacht oder aufgehängt werden. Im Wahllokal hat der Wahlvorstand das Hausrecht. Während der Wahlvorgang selbst natürlich geheim ist, sind das Wahlgeschehen und später die Auszählung der Stimmzettel öffentlich. „Zuschauer müssen sich aber ruhig und ordentlich verhalten“, erklären die Wahlhelfer.

Was es genau zu beachten gilt, haben alle 26 Wahlhelfer – 16 in den beiden Wahllokalen, die am Wahltag in zwei Schichten vor Ort sind, und zehn für die Briefwahlen – kürzlich an einem Schulungstag erfahren. „Und sie wurden alle zur Verschwiegenheit verpflichtet und dazu, ihre Aufgaben unparteiisch wahrzunehmen“, erklärt Katrin Hölle. Die Hauptamtsleiterin der Gemeinde fungiert als Wahlleiterin, denn der Bürgermeister Mario Weisbrich kandidiert selbst für den Kreistag und kann daher dieses Amt nicht ausüben.

Bis Mitternacht wird ausgezählt

Für das Ehepaar Mörk ist die Tätigkeit im Wahllokal selbst eine Premiere. Bisher haben sie im Briefwahl-Team bei sämtlichen anstehenden Wahlen mitgearbeitet und dabei schon einiges erlebt: Der Wahlschein ist nicht unterschrieben und damit die Stimmabgabe ungültig, statt einer zu vergebenden Stimme wurden drei Kreuzchen gemacht, der Wahlzettel wurde abgeschnitten oder es stehen Beleidigungen darauf und schließlich immer wieder die Frage, ob der Wählerwillen auf dem Stimmzettel eindeutig erkennbar ist. Besonders die Gemeinderatswahl sei wegen des relativ komplizierten Systems etwas Besonderes, sowohl für die Wähler als auch für die Wahlhelfer.

Nach Schließung der Wahllokale um 18 Uhr ist der Tag längst nicht zu Ende. Alle Wahlhelfer kommen ins Rathaus und zählen die Stimmen aus. „Das kann bis Mitternacht dauern und ist dann ein langer Tag für uns“, so Marion Mörk. „Aber wir machen das gern, es ist spannend. Bei manchen Wahlen fiebern wir richtig mit und sind mit Herzblut dabei“, etwa bei der jüngsten Bürgermeisterwahl, als eine aussichtsreiche Kandidatin gegen den Amtsinhaber Weisbrich antrat.

Alle Helfer sind am Wahlsonntag ehrenamtlich tätig, auch die Angestellten der Gemeinde, unter ihnen zahlreiche Beschäftigte der Kindertagesstätte. Sie erhalten dafür bei mehr als sechs Stunden eine Ehrenamtspauschale von 55 Euro. „Und manchmal gehen wir gemeinsam essen oder es gibt noch einen Gutschein“, sagt Katrin Hölle. Aber das Ehepaar Mörk macht klar, dass Geld keine Motivation für dieses Engagement ist, sondern vielmehr der Einsatz für die demokratische Gesellschaft. Insgesamt 2220 Wahlberechtigte ab 16 Jahren leben derzeit in Wimsheim. Sie alle können ihre Stimmen bei der Gemeinderats- und Kreistagswahl sowie der Europawahl am 9. Juni an der Wahlurne oder vorab per Briefwahl abgeben.

Und wenn es nach dem Wunsch von Marion und Jürgen Mörk geht, dann tun sie das auch.