Wo früher ein Reiheneckhaus stand, ist seit der Explosion im Januar nur noch ein Trümmerhaufen übrig. Das Grundstück ist übersät mit Dämmwolle und Schutt. Foto: Schnebeck

Die Ursache für die Katastrophe, bei der im Januar bei einer Gasexplosion ein Haus zerstört wurde, steht immer noch nicht fest – und die Nachbarn sind verärgert.

Donzdorf - Bis das Leben in der Dr.-Frey-Straße in Donzdorf wieder so aussieht wie vor dem 13. Januar, wird wohl noch einige Zeit verstreichen – zum Ärger mancher Anwohner, die sich wünschen, die Beseitigung der Schäden käme schneller voran. Eine Gasexplosion hatte damals ein Reiheneckhaus in Schutt und Asche gelegt, die Bewohnerin erlitt schwere Verletzungen, viele Nachbarhäuser wurden stark beschädigt. Wie es zu der Explosion kam, ist nach wie vor offen. Die Untersuchung der Sachverständigen laufe noch, teilt die Polizei mit. Wie es der verletzten Frau gehe, wisse man nicht, heißt es weiter. Nachbarn berichten, sie habe das Krankenhaus verlassen und sei bei ihrem Sohn in Bayern untergekommen.

Die Ursache für die Katastrophe steht noch nicht fest

Direkt am Unglücksort türmt sich nach wie vor der Schutt. Im Garten hängen Fetzen gelber Dämmwolle zwischen zersplittertem Holz und Geröll. Die Nachbargrundstücke sehen auf den ersten Blick aufgeräumt aus. Doch auf den zweiten Blick glitzern Glassplitter verräterisch zwischen Grashalmen, hier und da klebt noch etwas Dämmmaterial.

„Die Versicherungen haben sich zwar darum gekümmert, dass Sachverständige kommen und die Schäden an unseren Häusern begutachten“, schimpft Otto Blinkle, dessen Haus mit am stärksten von der Wucht der Detonation getroffen wurde. „Aber wie es in unseren Gärten aussieht oder wie die Gehwege und die Straße aussehen, das hat sie nicht gekümmert.“ Er könne nicht begreifen, dass die Ursache mehr als acht Wochen nach dem Unglück immer noch nicht feststehe und niemand Anstalten mache, die Schuttberge am Unglücksort zu entfernen, kritisiert Blinkle. Gerade jetzt wo es häufig windig sei, fliege „der ganze Mist“ im Ort herum.

Der Kommune sind die Hände gebunden

Die Stadtverwaltung kann den Anwohnern nicht helfen. Die Situation sei zwar auch aus seiner Sicht unbefriedigend, „aber wir können auf den privaten Grundstücken nichts tun. Das müssen die Versicherungen und die Eigentümer klären“, erläutert der Donzdorfer Bürgermeister Martin Stölzle (parteilos). Immerhin habe der Bauhof inzwischen die Gehwege und Straßen von Schutt und Dämmwolle befreit. Wie Blinkle süffisant anmerkt allerdings erst, nachdem er über ein Trümmerstück gestolpert sei und sich am Arm verletzt habe.

Ähnlich wie seine Nachbarn hat Blinkle das Warten irgendwann satt gehabt und seinen Garten vor Kurzem selbst aufgeräumt. Ein Container mit Glassplittern und Kleinteilen sei dabei angefallen sowie ein großer Berg Schutt und Dämmwolle. „Die großen Teile habe ich auf das Nachbargrundstück geworfen, denn theoretisch gehört es ja zu dem zerstörten Haus. Das darf ich gar nicht einfach wegwerfen“, erklärt er. Weil seine Gebäudeversicherung nicht für die Beschädigungen in seinem Garten zuständig ist, möchte er die Kosten für die Aufräumaktion von der Versicherung des Unglückshauses zurückbekommen. Bisher habe sich diese aber taub gestellt.

Ein Nachbarhaus ist unbewohnbar

Die Summe des Schadens an Blinkles Haus hat ein Gutachter auf 300 000 bis 400 000 Euro geschätzt. Zwar waren nach dem Unglück sofort Handwerker da und haben vieles notdürftig repariert, die zerstörte Haustüre etwa und klemmende Fenster. Aber im Sommer muss das Dach komplett saniert werden, denn die Wucht der Detonation hatte es angehoben, die Ziegel liegen nicht mehr richtig in den Latten. „Wir werden wahrscheinlich für einige Wochen ausziehen müssen“, sagt Blinkle. Ähnlich geht es einem Ehepaar aus der Nachbarschaft. Auch dessen Haus sieht auf den ersten Blick unbeschädigt aus – doch auch dort steht eine Dachsanierung an.

An einem weiteren Haus reparieren Dachdecker zurzeit Löcher, die durch umherfliegende Trümmer verursacht wurden. Was aus dem Reihenhaus wird, das an das Eckhaus grenzte, ist noch offen. Im Moment kann es nicht bewohnt werden. „Der arme Besitzer hatte es erst vor Kurzem renoviert“, erzählt Otto Blinkle.

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