Das Brexit-Referendum vom 23. Juni 2016 treibt auch die Briten in Baden-Württemberg um Foto: dpa

Das Brexit-Referendum vom 23. Juni 2016 treibt auch die Briten in Baden-Württemberg um. Städte verzeichnen seit dem Brexit steigende Einbürgerungszahlen: Briten wollen wegen des Brexit Deutsche werden. In Stuttgart ist der Trend allerdings gegenläufig.

Stuttgart - Die Folgen des geplanten Brexit sind auch in Baden-Württemberg sichtbar: Mehr Briten als in den Vorjahren haben einen Antrag auf Einbürgerung gestellt. Besonders Heidelberg ist beliebt. 44 Briten wurden dort 2016 eingebürgert - im Vorjahr hatte es überhaupt keine Anträge gegeben. Aber auch in Ulm sowie in der Bodenseeregion sind Briten offenbar gern zu Hause.

In Heidelberg war nach Angaben der Stadt die Nachfrage vor allem nach dem Referendum am 23. Juni 2016 gestiegen. Schätzungen zufolge hatten sich rund 150 britische Staatsbürger telefonisch nach den Modalitäten für eine Einbürgerung erkundigt. „Begründet wurden die Anträge oft mit Ängsten nach dem Brexit“, sagte die stellvertretende Leiterin des Bürgeramtes, Carola de Wit. Sie erklärt sich die steigende Zahl damit, dass Heidelberg als Universitätsstadt viele internationale Institute habe.

Auf die Internationalität ihrer Stadt sind auch die Ulmer stolz. Die Universität, die Kliniken und weltweit tätige Unternehmen ziehen ausländische Fachkräfte an. Dass der Brexit eine Rolle spielt, legt die Statistik nahe, wenngleich man bei den Bürgerdiensten nicht nach politischen Motiven fragt: 2014 und 2015 wurde in Ulm jeweils ein Brite eingebürgert, 2016 waren es hingegen elf.

Viele Briten zieht es an den Bodensee

Auch an den Bodensee zieht es Briten: Während es in den vergangenen Jahren kaum Anträge britischer Staatsangehöriger gegeben habe, sei die Zahl 2016 stark gestiegen, sagte ein Sprecher des Landratsamtes Bodenseekreis in Friedrichshafen. Zehn Briten seien im vergangenen Jahr eingebürgert worden, bei weiteren zwölf laufe das Verfahren noch. Die Antragssteller seien überwiegend ältere Menschen, die schon länger am Bodensee lebten, sagte der Sprecher. Im Gespräch hätten viele von ihnen angegeben, dass sie Nachteile fürchteten oder Angst hätten ausgewiesen zu werden, wenn sie keine EU-Bürger mehr sind.

Ähnlich sieht es im Kreis Konstanz aus: Die Zahl der Anträge von Briten stieg nach Angaben eines Sprechers im Jahr 2016 auf 24. 13 von ihnen seien bereits eingebürgert worden. Die Motivation der Menschen sei der Brexit gewesen: „Sie hatten Angst, den EU-Status zu verlieren und in Deutschland schlechter gestellt zu werden.“

Im Landkreis Ravensburg wurden neun Briten eingebürgert, bei acht Antragstellern läuft das Verfahren noch. Die Zahl der britischen Antragsteller habe sich deutlich erhöht, sagte eine Sprecherin. Seit 2013 habe es jeweils keinen oder maximal einen Antrag pro Jahr gegeben. Ebenfalls verzeichnet Karlsruhe einen leichten Anstieg der Einbürgerungsanträge.

Anders dagegen in Stuttgart: Die Anzahl der Anfragen sei zurückgegangen, teilte eine Sprecherin mit. Seit dem Brexit wurden in der baden-württembergischen Landeshauptstadt insgesamt 200 Anfragen verzeichnet. Jeder vierte Antrag mündete dann in einen Einbürgerungsantrag. Auch in Mannheim spürt man nichts vom Brexit. Einem Behördensprecher zufolge gab es 2016 keinen massiven Zuzug: Im vergangenen Jahr erhielten demnach 18 Briten einen deutschen Pass.

Laut Statistischem Landesamt leben nach dem Ausländerzentralregister rund 11 600 Briten in Baden-Württemberg. Im Jahr 2015 hatte es laut dem Statistikamt landesweit insgesamt 68 Einbürgerungen gegeben.

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