Seit 45 Jahren leitet Georg ter Voert den Musikverein Markgröningen. Über den legendären Dirigenten Sergiu Celibidache ist der Stadtmusikdirektor einst in die Region Stuttgart gekommen.
„Lern erst mal was Anständiges“, habe ihm sein Vater gesagt, erinnert sich der Vollblutmusiker Georg ter Voert lächelnd. Georg ter Voert senior war zwar passionierter Amateurmusiker, seine Frau Solistin an der Dortmunder Oper. Dennoch durfte der Sohn erst nach Abschluss seiner Drogistenlehre mit seiner Musikerausbildung als Fagottist voll durchstarten. Dann aber ging es Schlag auf Schlag: Studium an der renommierten Folkwang-Hochschule in Essen, Bundeswehrzeit beim Heeresmusikkorps in Münster, dort auch erste Anstellung als Fagottist an der Oper.
Mit „Celi“ gut zurecht gekommen
Wie kommt jemand aus einer alt eingesessenen nordrhein-westfälischen Familie nach Stuttgart? „Ich hatte erfahren, dass bei Sergiu Celibidache am Radio-Sinfonieorchester Stuttgart eine Fagottistenstelle frei war“, erzählt ter Voert. Daraufhin habe er sich beworben und sei sofort im Stuttgarter Orchester angestellt worden. Das RSO, wie es Musikliebhaber nennen, ist das Aushängeschild der Klassiksparte im SWR und kann sich seine Orchestermitglieder unter den Besten ihres Instrumentalfachs aussuchen. Der aus Rumänien gebürtige, von den Musikern für sein Können hoch verehrte, für seine gnadenlose Kritik aber auch sehr gefürchtete Celibidache leitete Mitte der 1970er Jahre das Stuttgarter Orchester. Georg ter Voert kam von Anfang an gut mit „Celi“ zurecht und blieb dem Radio-Sinfonieorchester bis zu seinem Ruhestand treu.
Seine Frau Brigitte wagte mit den Kindern zeitgleich mit dem Beginn der Arbeitstätigkeit ihres Mannes den Neuanfang im Süden. Die Wohnung in Stuttgart genügte später ihren Bedürfnissen nicht mehr. „Ich hatte inzwischen an der Stuttgarter Musikhochschule neben der Orchestertätigkeit ein Kapellmeister-Studium begonnen“, berichtet der Stadtmusikdirektor. „Ich habe mich 1979 unter meinen Studienkollegen umgehört, ob jemand einen Musikverein weiß, der einen Dirigenten sucht.“
Wichtiges Suchkriterium war noch, ob der fragliche Musikverein bei der Haussuche für die junge Familie ter Voert behilflich sein konnte. Ein Kommilitone wusste, dass man beim Musikverein Stadtkapelle Markgröningen einen Dirigenten suchte. Verein und Georg ter Voert fanden sofort Gefallen aneinander, im Verein wusste jemand von einem in Frage kommenden Haus. „Es hat meiner anspruchsvollen Frau sofort gefallen“, sagt ter Voert lachend. Nun ist die Familie seit 45 Jahren in der Schäferlaufstadt heimisch. Von den mittlerweile sieben Enkelkindern besucht Sophie, die Älteste, das Helene-Lange-Musikgymnasium am Ort. „Sie spielt Violine und Klavier, nicht Fagott“, berichtet ihr Opa. Die Jüngeren stehen schon in den Startlöchern, einer möchte unbedingt Fagott lernen „aber der spielt erst mal Klavier, fürs Fagott ist er noch zu klein.“
Die Arbeit in einem Profi-Orchester mit internationalen Konzerttourneen, langwierigen Aufnahmeterminen und abendlichen Sinfoniekonzerten – wie passt das mit der Tätigkeit in einem schwäbischen Musikverein zusammen? „Der Verein war immer äußerst kooperativ“, lobt der Dirigent. Er habe sich stets auf seine Vizedirigenten und Dirigentinnen verlassen können, trotz mancher kniffliger Terminkoordination: „Die Arbeit hier und meine Familie haben mich immer wieder auf den Boden zurückgeholt.“
Das Lieblingsstück ist der „Markgröninger Marsch“
Andererseits hat der Verein vom hohen musikalischen Niveau seines Dirigenten profitiert. „Ich habe die guten Musiker im Verein halten können“, erzählt ter Voert. Es sind drei Orchester mit insgesamt 120 Instrumentalisten: Blasorchester, Spielmannszug und Fanfarenzug. Es sei ihm immer wichtig gewesen, die drei Sparten zusammenzuführen, sagt der Musikdirektor. „Mir ist außerdem wichtig, dass nicht nur Märsche gespielt werden, sondern auch Klassik.“ Das Lieblingsstück seiner Instrumentalisten ist dennoch ein Marsch. Allerdings ein ganz besonderer, den Georg ter Voert hat den „Markgröninger Marsch“ eigens für seine Orchester komponiert. „Das ist unsere Hymne“, sagt er stolz.
Die bislang weiteste Konzertreise verdanken die Markgröninger den internationalen Verbindungen ihres Dirigenten: „Auf einer Konzertreise des RSO nach Japan hat mich unser japanischer Posaunist seinem Bekannten vorgestellt, der dort ein Blasorchester in einer Großstadt leitet.“ Er habe sich auf Anhieb mit dem Kollegen verstanden, und der Musikverein machte sich auf die weite Reise. Die japanischen Musikerinnen und Musiker kamen zum Gegenbesuch.
Am Wochenende gastieren Orchester aus Belgien und Österreich auf dem 56. Internationalen Musikfest in Markgröningen, bei dem auch Stadtmusikdirektor Georg ter Voert für sein 45-jähriges Engagement geehrt wird. Weitere Infos unter https://www.musikverein-markgroeningen.de/