Beim Bauernmarkt in Weil der Stadt gibt’s Geerntetes, aber auch Weiterverarbeitetes aus vielen Bereichen. Foto: Simon Granville

Hamburger vom heimischen Angus-Rind, Erkältungstrank aus Honig, Apfelessig und Ingwer: In der Kepler-Stadt zeigen Landwirte aus der Umgebung nicht nur, was sie auf der Pfanne haben.

Der Weil der Städter Bauernmarkt zeigt in seinem 19. Jahr eine große Vielfalt an frischen Produkten und Spezialitäten, die die Region zu bieten hat. Und damit wird auf dem Markt nicht gegeizt: Da gibt es riesige Fleischkäs-Scheiben aus eigener Produktion, frisch geerntete Kartoffeln und Gemüse und Obst der Saison so weit das Auge reicht. Dazu gehören auch Kürbisse, die am Stand von Haug‘s Hof aus Schafhausen gleich als Suppe angeboten werden.

 

Die Hauptattraktion aber sind Hamburger frisch vom Grill. Sieben Minuten brauchen die eingefrorenen Patties aus heimischem Angus-Rind und Schwarzbunten, die Grillmeister Gerhard auf den Rost legt. Jeder kann zuschauen, wie die Patties langsam eine goldbraune Kruste bekommen. Und weil immer gleich 15 Stück auf den Grill kommen, muss niemand zu lange auf die Leckerei warten. Als Beilage nehmen viele Besucher die frittierten Kartoffellocken mit Dip, ebenfalls einer der Renner zum Mittagsgeschäft.

Sehr beliebt: Secco aus Schafhausen

Dazu passt ein frisch gezapftes Bier vom Weil der Städter Hechtbräu, natürlich mit Hopfen aus Weil der Stadt gebraut. Sehr beliebt als Getränk an diesem Bauernmarkt sind die Seccos am Stand vom Obsthof Nuber aus Schafhausen. Sie gibt es mit, mit wenig oder ganz ohne Alkohol in vielen Varianten, zum Beispiel Bohnapfel oder Sauerkirsche, Johannisbeer oder angesichts der recht kühlen Temperaturen um die 12 Grad an diesem Tag als Apfel-Quitten-Glühwein.

Ganz neu im Sortiment hat Manfred Nuber einen Quitten-Balsamico, der ohne Verdickungsmittel produziert wird. Immerhin 20 Quittenbäume warten bei ihm darauf, bearbeitet zu werden. Nuber, als Fachberater am Landratsamt zuständig für die Obstberatung im Kreis Böblingen, zieht ein positives Résumé für das Wachstum von Äpfeln, Birnen, Quitten und Zwetschgen in diesem Jahr.

Lecker: Gerauchte Würste aus regionaler Herstellung Foto: Simon Granville

In den letzten Jahren hatten die Obstbauern mit Trockenheit zu kämpfen, in diesem Jahr hat es viel geregnet, „die Natur atmet auf“, so Nuber. „Es gibt deutlich größere Früchte. Und dass es in den letzten vierzehn Tagen noch sonnig war, ist sehr gut für das Aroma, das ist eine ideale Kombination“. Auch die aktuell kalten Nächte sind durchaus von Vorteil für Äpfel. „Die rote Farbe des Apfels ist eigentlich sein Frostschutz“, erklärt Nuber. „Je größer der Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperaturen, desto besser für die Farbgebung.“

Keine guten Nachrichten von den Kartoffeln

Für die Kartoffeln sieht es dagegen dieses Jahr nicht ganz so gut aus. Felix Weitmann, Landwirt von der Büchelberg-Ranch in Münklingen, berichtet, dass viele Pflanzen durch Hagel zerstört wurden. Die Kartoffeln, die er an seinem Stand anbietet, hat er am letzten Sonntag frisch geerntet, zum Teil mit dem Rückepferd. Aber auch moderne Maschinen sind auf seinem Hof im Einsatz. Mit rund 80 Schafen pflegt er außerdem die Landschaft, sie dürfen alte Weinberge abgrasen. „Mir ist es wichtig, traditionelle Werte mit moderner Landwirtschaft zu verbinden“, sagt der junge Landwirt.

Gerauchte Würste und Saiten vom Schaf und vom Strohschwein sind seine Spezialität. „Unsere Schweine wachsen unter natürlichen und artgerechten Bedingungen auf, um beste Qualität zu gewährleisten“, garantiert Weitmann. Und für den heimischen Garten hat er Schafwollpellets zu verkaufen, die zum Düngen von Gemüsepflanzen, Zierpflanzen und Ziergehölzen geeignet sind. Ein weiteres Standbein seines Hofes ist nachhaltig produziertes Brennholz aus heimischen Wäldern, ideal für den anstehenden Winter, ofenfertig, frisch oder vorgetrocknet, je nach Wunsch.

Getränke, die die Gesundheit stärken sollen

Auf Qualität achtet auch Ralph-Uwe Sperrhake bei seinen Produkten aus Münklinger Bienenhonig. Freiwillig lässt er jährlich seinen Honig von der Landesanstalt für Bienenkunde an der Uni Hohenheim auf Pestizid-Rückstände prüfen, mit sehr gutem Ergebnis. Aufgrund der Kälte im Frühjahr gab es bei seinen Bienenvölkern keinen Blütenhonig, denn Bienen können erst ab einer Temperatur von mindestens 12 Grad ausfliegen. Was sie gesammelt haben, haben sie für den eigenen Bienenstock benötigt. Aber vom Waldhonig konnte Ralph Sperrhake eine gute Ernte erzielen. „Er ist ganz frisch, vor zwei Wochen war der Honig noch in der Wabe“, erzählt er.

Ist das nicht süß? Foto: Simon Granville

Sehr beliebt, weil er gerade ein Comeback erlebt, ist Sauerhonig, also Honig mit Apfelessig und Kräutern oder anderen Zusätzen, auch als Oxymel-Produkte bezeichnet. Das sind Getränke, die auf natürliche Weise die Gesundheit stärken sollen. Honig mit Essig und Knoblauch kann antibiotisch wirken, Honig mit Essig und Safran ist ein Gute-Laune-Helfer, wie Safran auch in der chinesischen Medizin als Seelenwärmer angesehen wird. Gegen Erkältungen hilft ein Trank aus Honig, Apfelessig und Ingwer.