Bei Tag ist der Neckardamm eine schöne Radstrecke – doch was passiert nachts? Foto: Annina Baur

Ist es die Wut auf Radfahrer? Ein gedankenloser Dummejungenstreich? Unbekannte Täter haben in Bad Cannstatt ein Seil über einen Radweg gespannt – und ein Radler übersieht die Falle.

Stuttgart - Der Radfahrer hat keine Chance. Das Seil, das quer über den Neckardammweg gespannt wurde, ist an der schlecht beleuchteten Stelle kaum zu sehen – und der 47-Jährige fährt voll dagegen. Der Mann hat Glück, dass er Aufprall und Sturz offenbar unverletzt übersteht. Doch jetzt ermittelt die Kriminalpolizei wegen gefährlicher Körperverletzung. Es ist nicht der erste Anschlag – doch erstmals haben die Ermittler sozusagen eine Tatwaffe in Händen.

Der Vorfall spielte sich am Donnerstag gegen 21.30 Uhr auf dem Neckardamm in Bad Cannstatt auf Höhe der Daimler-Teststrecke ab. Der Rad- und Fußweg ist eine viel genutzte Strecke für Radler und Fußgänger, besonders zur Volksfestzeit. Der Betroffene war auf dem Weg nach Hause Richtung Obertürkheim, als es passierte. Zwischen zwei Bäumen war ein Seil gespannt, und es warf den Radler auf Brusthöhe vom Sattel.

Warum meldet sich der Downhill-Zeuge nicht?

Kein Einzelfall: Vor knapp zwei Wochen, am 21. September, war ein 16-Jähriger auf der Downhillstrecke zwischen Degerloch und Heslach zu Fall gekommen, weil auf Brusthöhe ein Drahtseil gespannt war. Und Mitte September 2016 traf es einen 26-Jährigen im Kräherwald, der durch einen Stolperdraht schwere Kopfverletzungen erlitt.

Beide Fälle sind ungeklärt geblieben. Es konnten nicht einmal die Seile sichergestellt werden. Das Drahtseil an der Downhillstrecke war von einem unbekannten Radler mitgenommen worden. „Dieser Zeuge hat sich bis heute nicht gemeldet“, sagt Polizeisprecherin Ilona Bonn. Hat er wirklich nichts von den Ermittlungen mitbekommen?

Wer hat auf dem Neckardamm Verdächtiges beobachtet?

Im jüngsten Fall hat die Polizei mehr Glück gehabt. Obwohl der 47-jährige Radfahrer sich nicht so verhielt, wie sich Kriminaltechniker das wünschen würden: „Der Betroffene hat das Seil entfernt und es dort liegen lassen“, sagt Polizeisprecherin Bonn. Anschließend sei er nach Hause gefahren und habe von dort aus die Polizei verständigt. Da war es schon 22 Uhr. Glücklicherweise lag das Beweisstück aber noch dort, als eine Polizeistreife danach suchte. „Die Stelle befindet sich auf dem Weg etwa in der Mitte zwischen der Gaisburger Brücke und der B-14-Rampe“, sagt die Polizeisprecherin.

Bisher ist nichts ausgeschlossen: Ein Fahrradhasser, der es den vermeintlichen Rüpeln auf zwei Rädern zeigen will? Oder ein Dummejungenstreich wie 2017 in Böblingen, wo zwei Zwölfjährige Schnüre über die Straße spannten? Oder hat es mit dem Neckardamm selbst zu tun, wo Unbekannte im Januar 2019 in Esslingen Nägel ausstreuten? Die Stuttgarter Kripo bittet um Hinweise über Telefon 07 11 / 89 90 - 57 78.

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