Der erste Segnungsgottesdienst in Württemberg, der am Sonntag in der Stuttgarter Leonhardskirche gefeiert wurde, ist ein positives Zeichen an die Gesellschaft, meint Redakteur Martin Haar.
Stuttgart - Geschafft! Die evangelische Kirche ist über den Rubikon getreten. Nach zähem und erbittertem Ringen in der Landessynode ist am Sonntag erstmals ein homosexuelles Paar und dessen Lebenspartnerschaft von einem Pfarrer gesegnet worden. Das bedeutet freilich nicht, dass von nun an Friede und Freude zwischen den Gegner, Befürwortern und den Betroffenen herrscht. Vor allem die Paare mit anderer sexueller Orientierung fühlen sich trotz der Öffnung immer noch ausgegrenzt. Manche von ihnen haben daher der Kirche resigniert den Rücken gekehrt, nicht zuletzt weil die Hürden zu einer „Homo-Ehe“ weiterhin hoch sind.
Sie sehen die Landeskirche daher durch ein finsteres Tal der bewussten Ungleichbehandlung von Gleichem gehen. Man kann es aber auch anders sehen. Nämlich als ersten Schritt aus einer dogmatischen Starre, als Start eines Weges, der Gläubige nicht durch ein Richtig-und Falsch-Raster trennt. Die Geschichte lässt sich nach diesem Sonntag nicht mehr aufhalten. Und dies ist ein gutes Zeichen aus der Kirche an die Gesellschaft. Motto: Kirche ist nicht mehr von gestern, sie stellt sich und passt sich langsam der Lebenswirklichkeit aller Christen an.
martin.haar@stzn.de