Bald rücken die Bauarbeiter wieder an: Die Baustelle Seepark in Stuttgart-Möhringen Foto: PPfotodesign/Leif Piechowski

An Häusslers Seepark in Möhringen wird bald weitergebaut: Das Areal hat neue Besitzer.

Stuttgart - Rund ein Jahr lang ging auf der größten Wohnungsbaustelle in Stuttgart nichts. Nach der Insolvenz mehrerer Projektgesellschaften der in Schieflage geratenen Häussler-Gruppe wurden die Arbeiten am Möhringer Seepark eingestellt. Doch bald wird weitergebaut: Das Areal am Probstsee hat jetzt neue Besitzer.

Am Donnerstag sind die Unterschriften unter einen Vertrag gesetzt worden, auf den viele Beteiligte lange gewartet haben. Investor Rudi Häussler darf hoffen, dass das Wohnprojekt nicht als ewige Ruine in die Geschichte eingehen wird, Insolvenzverwalter Michael Pluta kann einen Erfolg vermelden, und die beteiligten Handwerker könnten doch noch Geld sehen. Und auf dem Wohnungsmarkt dürften in den nächsten Jahren mehrere Hundert neue Wohnungen zur Verfügung stehen.

Gekauft haben zwei Wohnbauunternehmen aus der Region. Die GWG Gesellschaft für Wohnungs- und Gewerbebau Baden-Württemberg AG hat den Zuschlag gemeinsam mit der Bietigheimer Wohnbau GmbH bekommen. Über den Kaufpreis ist Stillschweigen vereinbart worden. Er dürfte aber ein Stück über den zuletzt gehandelten 20 Millionen Euro liegen. Der Sprecher des Insolvenzverwalters sagt dazu lediglich: "Wir denken, wir konnten einen fairen Preis erzielen."

Zuletzt hatte es bundesweit mehrere Interessenten für den Seepark gegeben. Weil der erste Bauabschnitt noch nicht abgeschlossen ist, galt die Preisfindung als kompliziert. Der Verkauf lief deshalb über das Münchner Unternehmen BGA Invest. Das stellte die kompletten Unterlagen sowie Bestandsaufnahme und Wertermittlung in einem geschlossenen Bieterverfahren rund 2000 möglichen Investoren zur Verfügung. Durch dieses Vorgehen gilt der jetzt erzielte Preis als objektiver Marktwert.

Handwerker können mit Geld rechnen

"Es war die richtige Entscheidung, dass wir den Verkaufsprozess so strukturiert haben. So können wir eine optimale Lösung für alle Beteiligten erzielen", sagt Insolvenzverwalter Michael Pluta. Man hätte auch sofort verkaufen können, sei so jetzt aber besser gefahren.

Gemeint sind damit auch die zahlreichen Handwerksbetriebe, die seit Monaten auf ihr Geld warten und zuletzt schon fast die Hoffnung aufgegeben hatten. Doch nun ist Geld da. "Wir haben jetzt Masse", sagt Plutas Sprecher. Der Verkauf sei noch ganz frisch, deswegen könne man noch nicht sagen, wer wie viel bekommt. "Die Gläubiger werden nach einem bestimmten Schlüssel bedient", sagt der Sprecher. Genaueres stehe in den nächsten Wochen fest. Doch er bekräftigt: "Die Betriebe können damit rechnen, Geld zu bekommen."

Und neue Arbeit. Die GWG-Gruppe und die Bietigheimer Wohnbau waren am Freitag zwar nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen, doch es gilt als sicher, dass die Bauarbeiten schnellstmöglich wiederaufgenommen werden sollen. "Die neuen Eigentümer erwerben die gesamten Projektierungs- und Baurechte mit und wollen die Anlage so schnell wie möglich fertigstellen", teilt die BGA Invest mit. Das bedeutet, dass auch der nahende Winter den Rohbauten nicht mehr entscheidend zusetzen könnte. Zuletzt war befürchtet worden, dass der Wert des Seeparks nach einem weiteren Winter gegen null sinken könnte.

Derzeit ist die Rohbauphase für lediglich 180 Wohnungen abgeschlossen. Insgesamt sollen im Seepark an der Vaihinger Straße 467 Wohnungen in 24 Gebäuden mit je vier bis sieben Vollgeschossen entstehen. Zum Projekt gehören außerdem 515 Tiefgaragenstellplätze und eine Kindertagesstätte. Die soll als Ersatz für die Kita in der Vaihinger Straße 79 dienen und ist längst genehmigt. Die Stadt hat vor kurzem zugesagt, sich mit einer Million Euro daran zu beteiligen.

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