Der Bär wacht am Rohrer See. Auf die Wasserqualität hat er jedoch keinen Einfluss. Foto: Jacqueline Fritsch

Im Januar verendeten zahlreiche Fische im See in Stuttgart-Rohr. Die Stadt entfernt derzeit die Kadaver. Ob sie die Situation verbessern kann, ist noch unklar.

Rohr - Für die Menschen in Rohr ist es kein schöner Anblick gewesen. Vor etwa sechs Wochen waren im Rohrer See zahlreiche Fische verendet. Ein aufmerksamer Bürger informierte an einem Sonntag den Tiernotdienst der Stadt Stuttgart. Die Mitarbeiter fuhren vor Ort und schlugen ein Loch in die damals zugefrorene Wasseroberfläche. So wollten sie Abhilfe leisten, falls mangelnder Sauerstoff zum Tod der Fische geführt haben sollte. Mehr war damals wegen der anhaltenden Frostperiode noch nicht möglich. Die Stadt kündigte an, dass die Fische entfernt werden, sobald der See aufgetaut ist.

Inzwischen haben die Mitarbeiter des Tiefbauamts mit Hilfe eines Anglervereins etliche Kadaver aus dem Gewässer geholt. „Es waren etwa 30 Fische beziehungsweise 30 Kilogramm Fisch“, sagt Alexander Gass, der beim Tiefbauamt für die Brunnen und Gewässer zuständig ist. Er vermutet, dass noch einmal dieselbe Menge an totem Fisch in dem See herumtreibt. Diese solle in den nächsten Tagen noch entfernt werden. „Alle Tiere werden wir aber nicht erwischen“, sagt Gass. Es sei sehr wahrscheinlich, dass auch danach immer mal wieder ein toter Fisch an die Wasseroberfläche treibe. Das sei dann aber kein erneutes Fischsterben.

Der See ist zu voll

Warum die Tiere im Januar verendeten, weiß die Stadt nicht. Zwar untersuchten Veterinärmediziner einige Kadaver, sie fanden aber wohl nichts. Jedenfalls bekam die Stadt keine Rückmeldung. „Wir können nichts Genaues zur Todesursache sagen“, so Gass. Denkbar sei, dass die Tiere in ihrer empfindlichen Winterstarre von Silvesterböllern aufgeschreckt worden seien und das zum Tod geführt habe. Eine andere mögliche Ursache für das Fischsterben könne der Sauerstoffmangel in dem See sein. Darum habe der Tiernotdienst bei seinem Einsatz im Januar präventiv ein Loch in die Eisoberfläche geschlagen.

Für die Stadt ist der Fall noch nicht abgeschlossen. „Wir müssen weitere Fische entnehmen“, sagt Gass. Der See sei einfach zu voll. Alles Weitere ergebe der Bericht, welchen die Stadt bei einem Limnologen in Auftrag gegeben habe. Limnologie ist die Wissenschaft von den Binnengewässern als Ökosystem. Noch liegt der Bericht aber nicht vor. „Wir haben aber nur begrenzte Möglichkeiten“, fügt Gass hinzu. Denkbar wäre es, ein sogenanntes Fällmittel einzubringen. Das sind in der Regel Salze, mit denen unerwünschte Soffe wie Phosphat gebunden werden können. Auch eine Entschlammung sei möglich. Wenn ein See ausgebaggert wird, wird dabei auch immer der Nährstoffgehalt verringert und die Wasserqualität so verbessert. Zudem ist der See nach der Entschlammung tiefer, und in der tieferen und damit kälteren Wasserschicht kann sich mehr Sauerstoff lösen. Beide Maßnahmen seien aber teuer.

See mit schwierigen Rahmenbedingungen

„Vielleicht kann man aber auch einfach nichts weiter machen“, sagt Gass. Die Rahmenbedingungen des Rohrer Sees seien schwierig. Das Gewässer sei künstlich angelegt und nicht besonders tief. Die Quelle, die den See speist, versiegt oft, sagt der Mann vom Tiefbauamt.

Das hat auch ein Leser unserer Zeitung beobachtet. Der Brunnen laufe seit sieben Monaten nicht mehr, sagt er. Das sei früher nie vorgekommen, nicht einmal im Rekordsommer 2003. Das Problem sei, dass immer mehr Flächen versiegelt worden seien und das Wasser so nicht mehr in das Grundwasser fließen könne, vermutet der Leser. So sinke der Grundwasserspiegel, der Brunnen versiege und für den See gebe es dann keine Frischwasserzufuhr mehr.

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