Das „Morgenthaler“ in Schönaich ist Second-Hand-Laden, Café und Eventlocation in einem – seit Neustem gibt es dort auch Brautmode. Ihr nachhaltiges Geschäftskonzept hat der Inhaberin Yvonne Morgenthaler eine Auszeichnung als Gründerin des Monats beschert.
Offen, geschlossen, offen unter bestimmten Auflagen – in den vergangenen zwei Jahren, seitdem es das „Morgenthaler“ in der Schwabenstraße in Schönaich gibt, wechselten die Öffnungszeiten des Second-Hand-Ladens samt Frühstückscafé pandemiebedingt gefühlt mindestens so oft wie die Schaufensterauslage. Kein leichter Start für eine Gründerin mit einem ganz eigenen Konzept, wie es Yvonne Morgenthaler mit ihrem Schönaicher Geschäft verfolgt. Nun aber, mit dem Beginn des Sommers, weniger Corona-Restriktionen, einer Fahrt aufnehmenden Hochzeitssaison und einer besonderen Auszeichnung, spürt Morgenthaler Aufwind.
„Seit Mai geht es voran. Das liegt neben den wegfallenden Corona-Beschränkungen vor allem an zwei weiteren Aspekten, über die ich glücklich bin“, sagt die Wahl-Böblingerin, die im Juni 2020 das „Morgenthaler“ gegründet hat: „Es haben sich während der Coronazeit viele auf Eis gelegte Hochzeiten angesammelt, die nun im Sommer und Herbst stattfinden und für die angehende Bräute oder ihre Begleiterinnen und Begleiter entsprechende Kleidung benötigen. Da wir jetzt ganz aktuell auch eine Brautmodenabteilung aus hauptsächlich Second-Hand-Ware neu im Angebot haben, macht sich dieser Schwung bemerkbar.“
Schönaicher Unternehmerin wird „Gründerin des Monats“
Der zweite Grund für den Aufwärtstrend ist einem Umstand geschuldet, mit der Morgenthaler, die in Böblingen seit 2011 den O’Donovan’s-Irish-Pub mitführt, nicht gerechnet hatte. „Ich habe vom Wirtschaftsförderer des Landkreises eine E-Mail erhalten, dass ich Gründerin des Monats Mai bin. Da war ich total überrascht“, erinnert sich Yvonne Morgenthaler an den Moment, als die freudige Botschaft sie erreichte. In einem „feierlichen Galavormittag“ bei Häppchen, Sekt und Wasser im eigenen Laden erhielt die Geschäftsfrau den Titel „Start-up des Monats“. Die Urkunde überreichten Wirtschaftsförderer Sascha Meßmer, Gründerlotse Wolfgang Vogt und die Schönaicher Bürgermeisterin Anna Walther.
Der Preis entschädigt vielleicht auch etwas für den arbeitsintensiven Einsatz, den Morgenthaler und ihr Team aus zwei Teilzeit- und acht Aushilfskräften täglich leisten, um dem Anspruch eines nachhaltigen Geschäftskonzepts mit Second-Hand-Mode und Gastrobetrieb gerecht zu werden. „Second-Hand-Ware anzubieten, ist sehr aufwendig. Ich schaue mir alles genau an, prüfe den Zustand, die Qualität. Das kostet viel Zeit. Ich könnte wahrscheinlich fünf Hallen füllen an Kleidung, die mir Privatpersonen vorbeibringen“, erläutert Morgenthaler. Und weil der Zeitaufwand bei bereits getragener Mode hoch ist, traue sich kaum ein Geschäft im Kreis in dieses Segment.
Kein Wettbewerb mit großen Modemarken
Konkurrieren mit großen Modeketten wie H&M, Zara oder KiK könne das „Morgenthaler“ nicht: „Das versuche ich gar nicht. Kinder und Jugendliche kaufen eher neue Ware. Ich beobachte aber vor allem bei Frauen ein verstärktes Bewusstsein, dass viel Kleidung im eigenen Kleiderschrank nicht automatisch viel bringt“, beschreibt die Gründerin ihren Plan. Es sind auch hauptsächlich Frauen, die entweder als Laufkundschaft mal im Laden in der Schwabenstraße vorbeischauen oder gezielt vorbeikommen. An diesem Dienstagmittag ist es ähnlich: Während eine Dame eigens aus Sindelfingen nach Schönaich gefahren ist, um dem Second-Hand-Geschäft einen Besuch abzustatten, schlendert eine andere Frau vergleichsweise ziellos an den Kleiderstangen entlang.
„Wie man bei der Dame feststellen kann, spricht es sich langsam herum, dass es diese Anlaufstelle gibt. Da wir aber aufgrund der Pandemie kaum Werbung und öffentliche Events machen konnten, bleibt das Bekanntwerden eine Herausforderung“, sagt die Ladeninhaberin. Insgesamt aber sieht Morgenthaler im Nachhaltigkeitskonzept Potenzial, ob durch das Essensangebot mit Produkten vor allem aus der Region oder in dem sich entwickelnden Geschäft mit Hochzeitskleidern aus zweiter Hand.
„Ich träume davon, weitere Filialen zu eröffnen oder den Schwerpunkt zum Beispiel weiter auf Brautkleider zu legen“, sagt Morgenthaler. Dazu können auch die demnächst anstehenden Angebote beitragen: Shopping-Abende mit Live-Musik. Mit diesem Rahmenprogramm erhofft sich die Gründerin des Monats weitere Impulse für ihr Geschäftsmodell mit der Nachhaltigkeit.