Stephanie Nusseck ändert nicht nur Brautkleider, die Schneiderin verhilft in ihrem kleinen Atelier in Steinheim Kleider auch zu ihrem zweiten Auftritt. Das Second-Hand-Konzept liegt der 32-Jährigen am Herzen – und es funktioniert.
Wer bereits aus der Brautkleidsuche ein Event machen möchte, mit einer großen Entourage im Schlepptau, der ist bei Stephanie Nusseck falsch. Die 32-Jährige bietet Bräuten in ihrem kleinen Atelier bewusst einen intimen Rahmen. „Das geheime Brautzimmer“, so hat Nusseck ihre Boutique getauft, liegt etwas versteckt im Steinheimer Wohngebiet Horrenwinkel. Gerade mal 40 Quadratmeter ist das Reich groß. In einem Zimmer ändert Nusseck Kleider, im anderen Zimmer können Bräute sich ihren Traum in Weiß aussuchen.
Allerdings nur mit Termin. „Ich kann und möchte hier keine Laufkundschaft bedienen“, erklärt Stephanie Nusseck, die ihre Kundinnen auch immer bittet, nur eine Begleitperson mitzubringen. „Idealerweise jemand, vor dem sich die Braut ohne Scheu auch umzieht und der ihr am Hochzeitstag auch beim Anziehen behilflich ist.“ Die Vorgabe macht Sinn, denn viele Personen würden nicht in das Brautzimmer passen. Meistens sitzt die Mutter oder eine Freundin auf dem kleinen Sofa, ab und an sucht auch der künftige Ehemann die Robe für den großen Tag mit aus. Zumindest bei den Paaren, die das nicht für ein schlechtes Omen halten.
Früher hat sie ein Haar ins Kleid genäht
Apropos Omen und Bräuche. Einem Brauch zufolge nähen unverheiratete Schneiderinnen ein Haar in das Kleid, das sie nähen oder ändern, um selbst keine unverheiratete Mamsell zu bleiben. „Ich habe das bis zu meiner Hochzeit auch gemacht“, verrät Nusseck und lacht. Ihr eigenes Kleid, ein schulterfreier Traum in Spitze, hat die 32-Jährige in einer Glasvitrine ausgestellt. Selbst genäht hat sie es aber nicht. „Das bringt Unglück“, ist sie überzeugt.
150 Kleider in unterschiedlichen Stilen warten im geheimen Brautzimmer auf ihren zweiten Auftritt, denn Nusseck hat sich auf Second-Hand spezialisiert. Die Preise liegen in der Regel zwischen 600 und 1800 Euro. „Man rechnet etwa den halben Preis von einem neuen Kleid“, sagt Nusseck. Wer Kleidergröße 34, 36 oder 38 trägt, hat die größte Chance fündig zu werden. Größeren Größen gibt es hingegen nicht viele. „Da freue ich mich über jedes Kleid, das ich angeboten bekomme.“
80 Prozent der Kleider hat die Steinheimerin in Kommission genommen, den restlichen Bestand kauft sie selbst ein. „Das sind oft Musterkleider aus Brautgeschäften.“ 60 Prozent des erzielten Preises bekommt die Braut. Auf die Idee, auch Kleider zu verkaufen, kam Nusseck durch ihren Beruf. Nach der Realschule machte die 32-Jährige eine Ausbildung zur Maßschneiderin. Ein Beruf, der ausstirbt, sagt sie. Die Gründe sind mehrschichtig. Schon als Gesellin habe sie unter dem aktuellen Mindestlohn gearbeitet. Darüber hinaus würden sich immer weniger Modegeschäfte gelernte Schneiderinnen leisten. „Die Arbeitsplätze sind rar.“
Tipps für die Braut
Neben der Erfahrung in einem Couture Atelier und der Beratung bei der Anprobe ist es Stephanie Nusseck wichtig, der Braut auch Tipps mitzugeben. Zum Beispiel, dass man ein Kleid immer hängend lagert, stets die Aufhänger verwendet und damit vermeidet, dass das Gewicht des Kleides nicht an den meist schmalen Trägern lastet. „Es sollte auch möglichst an einer Tür am Haken hängen und nicht in einem Schrank mit anderen Kleidungsstücken, denn dann wird es zusammengedrückt.“ Und ein Notfallset mit Fleckentuch, Fusselbürste und Nähset gibt’s oben drauf. Zum Beispiel falls jemand aus Versehen auf die Schleppe der Braut tritt.