Mathias Ricling als Donald Trump. Foto: SWR

Kann die USA noch Vorbild sein? Die US-Wahl, meint Mathias Richling, ist ein Lehrstück für Deutschland auf dem Weg zur Bundestagswahl. Sechs Tage lang tritt der Kabarettist nun im Renitenztheater auf. Ein Gespräch mit ihm über Trump, die Suche nach einem Bundespräsidenten und seine kleine Putzfrauenlüge. Die Schwaben, sagt er, geben Kretschmann für Berlin nicht her.

Stuttgart - Die Trump-Perücke für 20,99 Euro ist im Bestseller-Ranking von Amazon weit nach oben geschnellt. Wird der blonde Schopf des neuen US-Präsidenten zum deutschen Faschingshit? Oder haben ihn Schausteller für ihre Geisterbahn geordert?

Mathias Richling hat die Trump-Perücke in seiner TV-Show schon getragen, als keiner in Deutschland einen Cent auf den Wahlsieg des Vielgescholtenen gab. „Nach dem Krieg haben die Amerikaner den Deutschen vieles beigebracht an Demokratie und an Mitmenschlichkeit“, sagt der Kabarett-Star, „jetzt lehren sie uns, wie man Neid und Missgunst unterbietet.“

Um die Wahl des Richtigen sei es in den USA gar nicht gegangen, findet Richling, Denn der US- Wähler habe nur die Wahl zwischen „nicht richtig und nicht richtig“ gehabt: „Es ist das, was rauskommt, wenn man sich zu viel abguckt von der deutschen Politikführung. Die Wahl offerierte die von Frau Merkel immer wieder propagierte Alternativlosigkeit.“ Dass seit Trump die Welle der Horror-Clowns übers Land schwappt, wundert ihn nicht: „Weil viele so sein wollen wie er.“

Es reicht, ein Stuhl auf die Bühne zu stellen

Von Freitag, 11. November, bis Donnerstag, 17. November, gastiert Stuttgarts bekanntester Kabarettist mit seinem Programm „Richling spielt Richling 2016 - Prognosen auf Rückblicke“ im Renitenztheater quasi zum Anfassen - dort, wo seine Karriere begann (Karten unter 07 11 / 29 70 75). Richling, der meist mit üppigen Kulissen seines Regisseurs Günter Verdin reist, kommt diesmal mit einem einzigen Stuhl aus. Damit will er eine wichtige Feuilleton-These unterstreichen: Es reicht, einen Stuhl auf die Bühne zu stellen, um Kabarett zu machen. Richling und ein Stuhl – spannend wird’s!

Wir reden über den schmutzigsten Wahlkampf aller Zeiten. Woran liegt es, dass bei uns Wahlkämpfe zwar tief sinken, aber niemals so tief wie in den USA? Er lächelt kurz stumm, dann platzt es aus ihm raus: „Warten Sie’s mal ab. Mit Pegida und AfD sind wir nicht nur auf dem besten Weg zu amerikanischen Hassparolen, Vorverurteilungen, Verallgemeinerungen und Ausgrenzungen von Minderheiten, sondern man fragt sich bei den Reden von Trump sogar desöfteren, woher kennt er Frau von Storch? Und was hat er sich abgeguckt bei Frau Petry?“ In Deutschland trumpt es schon lang.

„Wir Schwaben geben Kretschmann nicht her“

Nach der Präsidentenwahl in den USA ist vor der Bundespräsidentenwahl bei uns. „Wir Schwaben geben Winfried Kretschmann nicht her“, macht sein Fan klar. Da es schwierig sei, jemanden zu finden, der die Würde des Präsidialamtes mitbringt, sollte es einer sein, der überzeugend ist, wenn er als Präsident besetzt wird, meint Richling: „Also ein exzellenter Schauspieler, der die Rolle Bundespräsident souverän ausfüllt. Und der eine gewisse distanzierte Unglaubwürdigkeit mitbringt, wie man sie im politischen Geschäft erwartet. Fritz Wepper zum Beispiel oder Marie-Luise Marjan. Oder die, die bisher nicht untergekommen sind im Dschungelcamp. Die Reden werden dem Bundespräsidenten eh geschrieben. Denn in der ganzen Debatte sehen wir ja: Die CDU will den SPD-Steinmeier nicht hergeben.“

Zuletzt gastierte der Stuttgarter wochenlang bei den Wühlmäusen in Berlin. Was hat er als Schwabe in der Hauptstadt am meisten vermisst? Außer die Stuttgarter Nachrichten, antwortet er, nicht viel: „ 30 Prozent der Berliner sind schwäbischer Herkunft. Woher kam sonst die Beschwerde von Wolfgang Thierse, er möchte beim Bäcker Schrippen kaufen, keine ,Weckle’. Gegen diese Inländer-Ausgrenzung hätten wir uns Schwaben viel stärker zur Wehr setzen sollen. Die Frage ist also eher, was habe ich in Berlin an Berlinern vermisst?“

Die Putzfrau muss für eine Pointe herhalten

Beleidigt bin ich, sage ich ihm, seit der Lektüre der „Berliner Morgenpost“. Mir gestattet er nie, in Zeitungsinterviews private Fragen zu stellen. Den Kollegen der „Morgenpost“ aber hat Richling freiwillig verraten, dass er bei sich daheim eine Putzfrau beschäftigt. Die würde erst aufräumen. dann putzen. Wer sonst noch für ihn arbeitet, hake ich nach. Der Gärtner? Der Ghostwriter? Der Altenpfleger?

Nein, nein, erwidert der Kabarettist, er habe gar keine Putzfrau. „Aber für die Pointe musste ich mir eine einfallen lassen. Das ist immer noch besser, als hätte ich sie für eine gute Pointe verkauft.“ Die Frage nach dem Ghostwriter wiederum fasst er als Beleidigung auf: „Sie wissen genau, dass ich jedes Komma selbst schreibe. Und da Sie noch nicht bei persönlich mir eingezogen sind, benötige ich keinen Altenpfleger.“

„Der Kampfgeist hat einen Namen: Gerhard Woyda“

Zurück zu den Wurzeln. In den 1980ern war das Renitenztheater sein zweites Zuhause. Was sich seitdem verändert hat? „ Bei mir nichts – ich finde, die anderen sind älter geworden.“ Der Kampfgeist im Theater sei ungebrochen, lobt Richling. Dieser Kampfgeist habe einen Namen: Gerhard Woyda.

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