Foto: Rainer Kellmayer

Der Ostfilderner Künstler Sebastian Manz lässt sich in keine Schablone pressen. Das Bestreben, aus musikalischen Konventionen auszubrechen, prägt sein künstlerisches Schaffen.

Ostfildern - Sebastian Manz lässt sich in keine Schablone pressen. Die größte Leidenschaft des im Ostfilderner Stadtteil Ruit lebenden, vielseitig interessierten Künstlers ist die Musik, seine Liebe zur Klarinette. Doch er ist auch ein begeisterter Hobbykoch, ein fanatischer Film-Freak, und Manz‘ sportliche Aktivitäten Joggen, Schwimmen und Radfahren machen den Kopf frei für eine musische Kreativität, die seine ständige Suche nach Neuem beflügelt. Vielleicht ist – neben dem herausragenden musikalischen Talent – gerade diese Neugier und das Bestreben, aus Konventionen auszubrechen, der Schlüssel zum Erfolg des international bekannten Musikers.

 

„Soeben habe ich erfahren, dass meine CD-Einspielung ‚A Bernstein Story‘ mit einem Opus Klassik ausgezeichnet wurde“, erzählt er stolz. Dies ist bereits die vierte Prämierung mit dem renommierten Musikpreis, den er diesmal – mit seinem Klavierpartner Sebastian Studnitzky – in der Kategorie Klassik ohne Grenzen erhielt. Das Album ist ein Paradebeispiel für die unkonventionelle Art, in der Manz an Interpretationen herangeht. Es genügt ihm nicht, den Notentext von Leonard Bernsteins Klarinettensonate perfekt wiederzugeben. Bewusst überschreitet er stilistische Grenzen, nimmt das Material des Werks auseinander, um es neu zu ordnen, fügt über Loop-Sequenzen aufgebaute, jazzig angehauchte Improvisationen ein und bedient sich der Elektronik.

Im Jazzpianisten Studnitzky hat er einen adäquaten Partner. Beide ergänzen sich ideal, schaffen ein herrliches Kaleidoskop: instrumentaltechnisch perfekt, groovend, in einem farbigen Klangkosmos bunt schillernd und im Crossover der Stile faszinierend. Und natürlich bewegen sich auch die weiteren Einspielungen der CD von Igor Strawinsky, Steve Reich und Leonard Bernstein auf höchstem Niveau - inspiriert, differenziert, und geprägt von der puren Lust am Klang.

Die Musik wurde Manz einst in die Wiege gelegt. Der Enkel des berühmten russischen Geigers Boris Goldstein wuchs in Hannover in einem musikalischen Elternhaus auf – die Eltern sind bekannte Pianisten, und auch seine beiden Geschwister haben die professionelle Musikerlaufbahn eingeschlagen. Schon früh kam Manz mit der Musik in Kontakt, sang im Knabenchor Hannover und beschäftigte sich bereits mit sechs Jahren mit dem Klavierspiel. Als er ein Jahr später seine Liebe zur Klarinette entdeckte, war klar: Das ist mein Instrument. „Ich gewann zahlreiche Preise bei Jugendwettbewerben, die meine Karriere vorbestimmten.“ Mit 17 Jahren nahm ihn die international bekannte Klarinettistin Sabine Meyer in ihre Klasse an der Lübecker Musikhochschule auf. Dort erhielt er nicht nur die entscheidende künstlerische Prägung, sondern bildete sich auch in Musikpädagogik fort. Den Durchbruch brachte für den damals 22-Jährigen der Gewinn des bis dahin seit 40 Jahren nicht mehr vergebenen ersten Preises im Fach Klarinette beim ARD-Wettbewerb in München, dem größten Wettbewerb für klassische Musik weltweit.

„2008 war für mich sehr turbulent“, schaut Manz auf das ereignisreiche Jahr zurück. Vor dem Münchner Erfolg hatte er schon den Deutschen Musikwettbewerb gewonnen und war in die „Bundesauswahl Konzerte junger Künstler“ des Deutschen Musikrates aufgenommen worden. Konzerte häuften sich, und auch die internationale Szene war auf ihn aufmerksam geworden. Neben der solistischen Karriere spielte Manz im Orchester. Von seiner Stelle als stellvertretender Soloklarinettist am Theater Lübeck wechselte er 2010 als Solist zum damaligen Radiosinfonieorchester Stuttgart, dem heutigen SWR-Symphonieorchester.

Parallel zum Orchesterdienst führten Manz zahlreiche Tourneen auf die Bühnen der Welt: Er hat in ganz Europa, Südamerika, Australien und in Japan konzertiert. Besonders liebt er die USA, wo er kürzlich von der Chamber Musik Society des New Yorker Lincoln Centers mit dem „Emerging Artist Award 2020“ ausgezeichnet wurde.

Auch mit seiner sympathischen Ausstrahlung und offenen Art zieht Manz die Menschen in Bann. Er verfügt über ein enormes Wissen und ist eloquent: Die Sätze sprudeln nur so aus ihm heraus. Man merkt, dass er sich intensiv mit Sprache beschäftigt hat. Seine Konzerte moderiert Manz fundiert: So vermittelt er musikalische Inhalte und Hintergrundwissen charmant, mit der ihm eigenen lockeren Note.

Da Manz neben Orchesterverpflichtungen und internationaler Konzerttätigkeit auch komponiert, arrangiert sowie Filme, Videoclips und Trailer produziert, fragt man sich, wie er dieses Pensum schafft. Den Ruhepol findet er im neuen Haus in Ruit – mit seiner ebenfalls Klarinette spielenden Frau Yvonne und der erst drei Wochen alten Tochter Nicole: „Ich bin ein rundum zufriedener Mensch.“

Die mit dem Opus Klassik prämierte CD „A Bernstein Story“ von Sebastian Manz und Norbert Studnitzky ist erschienen bei Berlin Classics Music. Das Album ist im Fachhandel erhältlich für 18,99 Euro.