Sean Connery: Viele seiner Filmfiguren sind Dickköpfe, die sich nichts von anderen sagen lassen. Foto: dpa

Keiner sagt den magischen Satz gewinnender als Sean Connery: „Mein Name ist Bond, James Bond.“ Siebenmal spielte der schottische Gentleman, der am 25. August 85 wird, den Draufgänger und Herzensbrecher – und er verkörperte ihn so überzeugend, dass der Geheimagent 007 zum Kinomythos wurde.

Stuttgart - Filme wie „James Bond jagt Dr. No“ (1962), „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963) und „Goldfinger“ (1965) waren mehr als nur Action-Unterhaltung, denn Connerys Bond hat Charakter und Stil; ihn umgibt eine Aura der Unbeugsamkeit, und er pflegt eine ironische Distanz zum eigenen Tun. Viele von Connerys Filmfiguren sind so veranlagt, und viele von ihnen sind Dickköpfe, die sich nicht von anderen sagen lassen, was und wie sie es zu tun haben.

Als Mitglied einer Polizei-Spezialeinheit in Brian De Palmas „Die Unbestechlichen“ (1987) war Connerys Präsenz stark genug, neben den Kontrahenten Robert De Niro (als Al Capone) und Kevin Costner (als Leiter der Spezialeinheit) hervorzustechen. Als Belohnung bekam Connery einen Oscar und einen Golden Globe.

Connery glänzte in "Der Name der Rose"

Jean-Jacques Annauds Inszenierung des Romans „Der Name der Rose“ (1986) ertrug nicht zuletzt erhebliche Kürzungen und Zuspitzungen, weil Connery sich die Gestalt des Franziskanermönchs William von Baskerville, wie Umberto Eco ihn erdacht hatte, perfekt aneignete. Der einzige Brite in Ecos Ensemble gibt seinen Zeitgenossen manches Rätsel auf.

Der österreichische Novize ­Adson etwa fragt sich, wieso sein Meister oft das Gegenteil von dem sagt, was er zu meinen scheint, und dann schmunzelt – weil er Ironie nicht versteht. Connery setzte sie perfekt in Szene, mit wissendem Grinsen und leicht hochgezogenen Augenbrauen sieht er aus wie die Verkörperung des viel gepriesenen britischen Humors.

Regisseur Sidney Lumet, der den Schauspieler für Filme wie „Ein Haufen toller Hunde“ (1965) und „Familiensache“ (1989) engagierte, erkannte das als einer der Ersten: „Die Leute haben einfach nicht kapiert, dass die Bond-Rolle eine vollendete komödiantische Schauspielleistung war.“ Wie zur Bestätigung spielte Connery den Agenten in „Sag niemals nie“ (1982) erneut, aber nicht mehr als unbezwingbaren Helden und Herzensbrecher, sondern als alternden Kerl mit Bauchansatz, mangelnder Kondition und echten Gefühlen.

Die Rolle Gandalf in "Herr der Ringe" abgelehnt

Auch in Steven Spielbergs „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (1989), eine Selbstpersiflage auf die Abenteuerreihe, stellte er seinen Sinn für Ironie unter Beweis. Und er wandelte sich zunehmend zum Charakterdarsteller. In Gus Van Sants „Finding Forrester“ (2000) spielte Connery mit Bravour einen kauzigen Schriftsteller, der einem schwarzen Jungen Nachhilfe beim Schreiben gibt.

Die Rolle des Zauberers Gandalf in der „Herr der Ringe“-Trilogie lehnte er ab – nicht nur, weil ihm ein 18-monatiger Dreh in Neuseeland zu lang erschien: „Ich hatte Tolkien nie gelesen und habe das Drehbuch nicht verstanden. Bobbits? Hobbits?“

Spielberg bezeichnet Connery als einen der sieben „echten Stars“ der Filmgeschichte. Ein weiter Weg für einen Jungen aus einem Armenviertel von Edinburgh, der drei Jahre bei der Royal Navy diente, sich als Druckergehilfe und Sargpolierer durchschlug, für Kunststudenten Modell stand und Bademoden vorführte, ehe er bei der Wahl zum Mr. Universum 1953 Platz drei ­belegte.

1962 wurde Connery dann als James Bond besetzt. „Wir beobachteten ihn vom Fenster aus, als er über die Straße ging, und wir alle sagten: Das ist er!“, erinnerte sich Produzent Harry Saltzmann später an den Tag, als er Connery die Rolle gab. Doch der wiegende, maskuline Gang war dem Schotten nicht in die Wiege gelegt: Er hatte ihn bei einem ­Bewegungslehrer antrainiert.

Erotischster Mann des 20. Jahrhunderts

Im Jahr 2000 wurde Sean Connery vom „People Magazine“ zum erotischsten Mann des 20. Jahrhunderts gewählt. Doch das männliche Sexsymbol der 1960er Jahre ist seit 1975 mit einer französischen Malerin verheiratet und hat nie mit einer Affäre Schlagzeilen gemacht. Umso mehr davon hat ihm seine unbeugsame patriotische Haltung eingebracht: „Scotland Forever“ ist auf Connerys Arm ­tätowiert, seit Jahren kämpft er für die schottische Unabhängigkeit.

Die Eröffnung des ersten schottischen Parlaments seit fast 300 Jahren am 1. Juli 1999 bezeichnete er als „wichtiger als den Gewinn eines Oscars“. Der Queen missfiel dies lange, und erst im Juli 2000 konnte sich Elizabeth II. dazu durchringen, Connery in seiner Heimatstadt Edinburgh zum Ritter zu schlagen. Der ­Geehrte blieb konsequent: Er erschien im Schottenrock.

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