Sean Connery als James Bond in „James Bond jagt Dr. No“ (1962) Foto: imago/MGM/Prod.DB

Sean Connery hat die Figur des Geheimagenten James Bond geprägt und dazu beigetragen, dass die Filmreihe zum Kinomythos wurde. Nun ist er im Alter von 90 Jahren gestorben.

London - Männer wären gern wie er, Frauen gern mit ihm zusammen: Einen Mann mit Charakter und Stil hat Sean Connery aus dem Geheimagenten James Bond gemacht, eine Projektionsfläche für Sehnsüchte und Träume. Connerys Bond glaubt man, dass selbst Franzosen Savoir-vivre von ihm lernen können, wenn er an der Côte d’Azur im Smoking dem silbernen Aston Martin entsteigt und jeden Wein beim ersten Schluck identifiziert.

Der Romanautor Ian Fleming, der Bond 1953 in die Welt gesetzt hatte, hielt den schottischen Schauspieler für ungeeignet, einen Mann von Welt zu spielen – weil Connery proletarischer Herkunft war. Der Sohn eines Fernfahrers und einer Putzfrau belehrte ihn eines Besseren, die Bond-Produzenten hatte den richtigen Riecher, als sie Flemings Einwände beiseiteschoben. Einer von ihnen, Harry Saltzmann, erzählte später: „Wir beobachteten ihn vom Fenster aus, als er über die Straße ging, und wir alle sagten: Das ist er!“ Connery hatte seinen wiegenden, maskulinen Gang von einem Bewegungslehrer gelernt.

1930 in einem Armenviertel von Edinburgh geboren, war es kein leichter Weg in ein besseres Leben. Connery hatte bei der Royal Navy gedient, als Druckergehilfe und Sargpolierer gearbeitet, als Modell für Kunststudenten und Bademoden. 1953 belegte er dann bei der Wahl zum Mr. Uni­versum Platz drei – und wurde plötzlich wahrgenommen.

Für viele Fans blieb Connerys Bond der beste

Connerys James Bond war der erste, und für viele Fans blieb er der beste. Er prägte die Rolle, zur Blaupause für eine der erfolgreichsten Kinoreihen aller Zeiten wurde der erste Film „Dr. No“ (1962): Connery stellte sich als „Bond, James Bond“ vor, er saß am Spieltisch, betörte schöne Frauen, bekam Wodka-Martini „geschüttelt, nicht gerührt“, bewegte sich souverän an exotischen Orten (hier: Jamaika) und spielte locker mit Wunderwaffen herum, immer einen lässigen Spruch auf den Lippen.

Am Samstag nun ist Sean Connery in seinem Haus in Nassau auf den Bahamas im Alter von 90 Jahren gestorben – und im Netz überschlugen sich die Beileidsbekundungen. Der aktuelle Bond-Darsteller Daniel Craig sagte, Connery habe den modernen Blockbuster miterfunden: „Man könnte seinen Witz und Charme auf der Leinwand in Megawattstunden messen.“ Arnold Schwarzenegger („Terminator“) bezeichnete Connery als „Legende und einen der größten Schauspieler aller Zeiten“. Der Australier Hugh Jackman („Wolverine“) schrieb auf Twitter: „Ich bin damit aufgewachsen, Sean Connery zu verehren.“ Nicht viele Schauspieler haben so einen illustren Fanclub.

Er reifte früh zum Charakterdarsteller

Das liegt nicht nur an Bond. Bereits in den 60er Jahren reifte Connery zum Charakterdarsteller. In Alfred Hitchcocks Psychothriller „Marnie“ spielte er einen Verleger, der eine Kleptomanin mit Persönlichkeitsstörung zu retten versucht, in Sidney Lumets Antikriegsfilm „Ein Haufen toller Hunde“ (1965) einen degradierten Unteroffizier in einem britischen Militärstraflager während des Zweiten Weltkriegs, in dem Sadismus und Machtmissbrauch herrschen.

In John Hustons Rudyard-Kipling-Verfilmung „Der Mann, der König sein wollte“ (1975) glänzte Connery als ehemaliger britischer Soldat, der mit einem Kameraden (Michael­ Caine) im 19. Jahrhundert von Indien nach Afghanistan zieht, Truppen um sich schart, Bergdorf um Bergdorf erobert und irgendwann zum Opfer seiner eigenen Hybris wird. In „Robin und Marian“ (1976) spielte er einen ausgezehrten Robin Hood, der loyal für den zum Tyrannen mutierten König Richard (Richard Harris) kämpft, statt ins Private abzutauchen mit Marian (Audrey Hepburn).

Britischer Humor

Zu Connerys Stärken gehörte sein Sinn für Ironie – und Selbstironie. Im inoffiziellen Bond-Film „Sag niemals nie“ (1983) gab er nicht mehr den unbezwingbaren Helden und Herzensbrecher, sondern einen alternden Kerl mit Bauchansatz, mangelnder Kondition und echten Gefühlen. Jean-Jacques Annauds Inszenierung von Umberto Ecos Roman „Der Name der Rose“ (1986) lebt von Connery als britischem Franziskanermönch William von Baskerville, der oft das Gegenteil von dem sagt, was er zu meinen scheint, und dabei schmunzelt – was seinen Zeitgenossen Rätsel aufgibt, weil britischer Humor im 14. Jahrhundert auf dem europäischen Festland noch nicht sehr verbreitet ist.

Connerys väterliche Ausstrahlung kam hier zum Tragen, die er als weiser Mentor in dem Fantasy-Film „Highlander“ (1986) ausspielte, neben Harrison Ford als schelmischer Erzeuger des Protagonisten in Steven Spielbergs „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (1989) und als Richard Löwenherz in Kevin Reynolds’ „Robin Hood“ (1991). Als Mitglied einer Polizei-Spezialeinheit in Brian De Palmas „Die ­Unbestechlichen“ (1987) stach Connery heraus, neben Robert De Niro (als Al Capone) und Kevin Costner (als Leiter der Spezialeinheit). Dafür bekam er seinen einzigen ­Oscar.

Die Rolle des Zauberers Gandalf verschmäht

Die Rolle des Zauberers Gandalf in der „Herr der Ringe“-Trilogie lehnte er ab, nicht nur, weil ihn ein 18-monatiger Dreh in Neuseeland schreckte: „Ich ­hatte Tolkien nie gelesen und habe das Drehbuch nicht verstanden. Bobbits? ­Hobbits?“

Ritterschlag im Schottenrock

Zeit seines Lebens war Sean Connery Schotte mit Leib und Seele. „Scotland Forever“ war auf seinen Arm ­tätowiert. Die Eröffnung des ersten schottischen Parlaments nach fast 300 Jahren am 1. Juli 1999 bezeichnete er als „wichtiger als den Gewinn eines Oscars“. Als Queen Elizabeth II. ihn im Juli 2000 in Edinburgh zum Ritter schlug, erschien Connery im ­Schottenrock.

Im selben Jahr wurde er vom „People Magazine“ zum erotischsten Mann des 20. Jahrhunderts gewählt. Bei der Berlinale 2000, wo er in Gus van Sants Film „Finding Forrester“ als Mentor eines afroamerikanischen Jungen auftrat, antwortete er auf die Frage, ­welchen Ratschlag er dem Rest der Männer geben könne: „Ich fürchte, den muss ich mit ins Grab nehmen.“ Daran hat er sich wohl gehalten.

Sean Connery und James Bond

James Bond
Sean Connery drehte zunächst fünf Bond-Filme, „Dr. No“ (1962), „Liebesgrüße aus Moskau“ (1963), „Goldfinger“ (1964), „Feuerball“ (1966) und „Man lebt nur zweimal“ (1967) – dann stieg er aus. Als sein Nachfolger George Lazenby mit „Im Geheimdienst ihrer Majestät“ (1969) beim Publikum scheiterte, ließ sich Connery überreden, für „Diamantenfieber“ (1971) noch einmal zurückzukehren. 1983 spielte er dann ein letztes Mal James Bond in „Sag niemals nie“. Der Film gilt nicht als offizieller Bond-Film, weil nicht die Produzenten der Reihe um Albert R. Broccoli die Rechte am Stoff hatten, sondern Warner Bros. – deshalb durften weder das Bond-Logo noch die Titelmusik verwendet werden.

Metoo
Die Debatte hat ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, dass der frühe Bond ein übergriffiger Macho war: In „Goldfinger“ (1965) macht er sich gewaltsam über eine Frau her, in „Feuerball“ (1965) zwingt er einer einen Kuss auf, in „Diamantenfieber“ (1971) würgt er eine mit dem Bikinioberteil, das er ihr heruntergerissen hat. Connery selbst hat das nicht geschadet: Er hat nie mit Affären Schlagzeilen gemacht und war von 1975 bis zu seinem Tod mit der französischen Kunstmalerin Micheline Roquebrune ­verheiratet.

Auszeichnungen
Für seine Bond-Filme bekam Connery keine Preise. Dafür brachte ihm die Rolle als Polizist in dem Krimi „The Untouchables“ (1987) einen Oscar und einen Golden Globe ein.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: