Die Kapitänin Carola Rackete auf dem Schiff Sea Watch 3, vor dem Anlegen in Lampedusa. Foto: AP

Wie die Kapitänin Carola Rackete für ihr Schiff Sea Watch 3 das Anlegen in Lampedusa erkämpft hat, sorgt weltweit für Aufsehen – und wird von der Hilfsorganisation Sea Watch 3 in den sozialen Medien professionell begleitet.

Lampedusa - Um aus Seenot gerettete Menschen in Sicherheit zu bringen, legt sie sich mit der italienischen Regierung an - und riskiert eine lange Gefängnisstrafe: Die 31-jährige Kapitänin Carola Rackete aus Kiel hat sich mit dem Rettungsschiff „Sea-Watch 3“ trotz des strikten Verbots aus Rom den Weg in den Hafen von Lampedusa erkämpft - in der Nacht zum Samstag wurde sie deshalb festgenommen.

Lesen Sie hier: Die Kapitänin Carola Rackete im Porträt.

Auf ihrer bislang letzten Mission nahm die „Sea-Watch 3“ am 12. Juni vor der Küste Libyens 53 Flüchtlinge an Bord. 13 von ihnen, darunter Frauen, Kranke und Kinder, durften zwischenzeitlich nach Italien gebracht werden. Mit 40 weiteren Migranten an Bord harrte das Schiff bis zuletzt vor Lampedusa aus - in der Nacht zum Samstag dann verlor Rackete die Geduld.

Nach langem Warten auf eine Lösung, „die sich leider nicht abzeichnet, habe ich mich jetzt entschlossen, selbstständig im Hafen anzulegen“, sagte die 31-Jährige in einem Video der Hilfsorganisation Sea-Watch:

Die Besatzung der „Sea-Watch 3“ arbeitet ehrenamtlich, bis auf Kapitänin Rackete und den ersten Maschinisten, die bezahlt werden. Im Sommer 2016 übernahm Rackete ihre erste Mission für die Hilfsorganisation mit Sitz in Deutschland. Damals ergänzten sich zivile Seenotretter und eine Flottille von europäischen Militärbooten dabei, die Flüchtlinge aus dem Mittelmeer zu bergen. Inzwischen wurde die staatliche Seenotrettung zurückgefahren, geblieben sind private Hilfseinsätze.

Ihre Arbeit verbreitet die Hilfsorganisation Sea Watch professionell in den sozialen Medien, wie zum Beispiel in diesem Video auf Twitter, in dem Carola Rackete auf Äußerungen des italienischen Innenministers Matteo Salvini reagiert:

Salvinis Regierung droht Kapitänen, Eignern und Betreibern von Flüchtlingsschiffen mit bis zu 50.000 Euro Strafe sowie juristischer Verfolgung wegen Beihilfe zur illegalen Einwanderung und mit Beschlagnahme der Schiffe, wenn für die Einfahrt in die italienischen Hoheitsgewässer keine Genehmigung vorliegt. In Rackete sieht er eine „Nervensäge“, die „auf dem Rücken von Einwanderern“ einen politischen Kampf führt.

„Wenn mich jemand anklagt, bin ich bereit ins Gefängnis zu gehen“, sagte Rackete vor ihrer Festnahme trotzig.

Ein weiteres Video von Sea Watch zeigt, wie die geretteten Flüchtlinge in Lampedusa an Land gehen:

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