Scorpions im Kino Rocken, immer nur rocken

Von Michael Setzer 

Gute Laune bis zum Schluss: Die Scorpions um die Gründungsmitglieder Rudolf Schenker (2. v. li.) und Klaus Meine (Mitte) Foto: Marc Theis
Gute Laune bis zum Schluss: Die Scorpions um die Gründungsmitglieder Rudolf Schenker (2. v. li.) und Klaus Meine (Mitte) Foto: Marc Theis

Die größte deutsche Rockband im Kino: Der Dokumentarfilm „Scorpions – Forever and A Day“ ist in Stuttgart im Kino Metropol zu sehen.

Stuttgart - Wären die Scorpions Fußballtrainer, müsste Franz Beckenbauer noch immer ­jeden Samstag in kurzen Hosen auf den Platz laufen. Als der „Kaiser Franz“ 1965 erstmals für die deutsche Fußballnationalmannschaft auflief, gründete ­Gitarrist Rudolf Schenker ­gerade in Hannover die Scorpions. Das war vor 50 Jahren. Doch in der Welt der Scorpions wird immer gut bleiben, was einmal gut war, und Erfolg noch immer die beste Erklärung – egal wofür. „Forever and A Day“ ist ein eindrucksvolles Filmdokument darüber und auch die Blaupause einer mäßig informativen Musiker-Doku, die wie ein zu lang geratener Werbeclip wirkt. Nicht Katja von Garnier („Bandits“) scheint hier Regie geführt zu haben, sondern die Band selbst.

Lobhudelei, Rekorde, auch das Eigenlob – das alles haben sich die Scorpions ohne Frage verdient. 50 Jahre Bandgeschichte sind wirklich ein Grund zu feiern. Doch nur in kurzen Momenten thematisiert diese Dokumentation auch Ereignisse, die nicht hinlänglich bekannt sind, oder gar weniger erfreuliche Abschnitte ihrer Karriere. Dabei sind es gerade diese Widrigkeiten, aus denen wirkliche Ikonen hervorwuchsen. Die Scorpions reduzieren das auf Klaus Meines Stimmprobleme zu Beginn der 1980er.

Natürlich reden sie auch kurz über den Karriereknick Mitte der 1990er. Aber selbst da sind die Schuldigen schnell ausgemacht: „Grunge“ und das Business. Und nicht etwa, dass viele junge Rockfans den Quatsch damals nicht mehr haben wollten: also Sex/Auto-Metaphern oder Lieder, in denen es primär um das „Rocken“ geht.

Kaum prägende Ex-Mitglieder und Skandale

Auch stilprägende Mitglieder wie Uli Jon Roth kommen in „Forever and A Day“ fast überhaupt nicht vor, obwohl gerade die Ära mit dem Ausnahmegitarristen immer wieder bemüht wird, um auf die künstlerische Klasse der Band zu verweisen. Ebenso wenig wird die durchaus streitbare Kunst behandelt, mit der die Scorpions einige ihrer Plattencover bebilderten wie etwa bei „Lovedrive“ oder „Virgin Killer“: Zwischen plumpem Sexismus, Kinderpornografie und Freiheit der Kunst gäbe es da einiges zu diskutieren.

Auch der langjährige Bassist und einstige Kassenwart Francis Buchholz und die nicht gerade freundschaftliche Trennung wegen „Steuerangelegenheiten“ – es wird nicht darüber geredet. Denn Deutschland hasst Steuerhinterzieher. Aber alle lieben Gewinner.

„Forever and A Day“ zeigt, wie bequem es sich die Scorpions in ihrer Welt eingerichtet haben. Für sie scheint alles wie früher – außer, dass es mittlerweile auch You Tube gibt. Da gilt es noch als echter Ritterschlag, „MTV Unplugged“ aufnehmen zu dürfen. Das alles wäre nicht schlimm und sogar ein knuffiger Bonus des Alters – würden die Scorps nicht so tun, als würden ihre Fans auch in diesem Zimmer aus Pokalen, Auszeichnungen und Urkunden leben.

In ihrer Welt wird alles durch Erfolg erklärt, auf der gleichen Grundlage, mit der die „Bild“-Zeitung annimmt, die meistgeklickten Artikel seien auch die gehaltvollsten. Doch vielleicht machte gerade das die Scorpions zu einer der ersten Popgruppen unter den Rockbands – und zur größten deutschen Rockband.

„Scorpions – Forever and A Day“ ist in Stuttgart im Kino Metropol zu sehen.

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