Scientology will den Standort Stuttgart weiter ausbauen. Unter anderem sei das größte Scientology-Zentrum Deutschlands in der Schwabenmetropole geplant. Foto: dpa

Stuttgart ist der Schwerpunkt von Scientology im Südwesten. Hier rührt die umstrittene Organisation verstärkt die Werbetrommel. Zugleich ist eine neue Repräsentanz geplant, die zum größten Scientology-Zentrum Deutschlands ausgebaut werden soll.

Stuttgart - Die umstrittene Scientology-Organisation wird nach Beobachtungen des Verfassungsschutzes rund um Stuttgart immer umtriebiger. Sie habe seit 2013 vor allem im Zentrum der Landeshauptstadt ihre Straßenwerbung intensiviert, sagte ein Sprecher des Landesamts. „Die Werbeaktivitäten sind auch derzeit weiter auf hohen Niveau.“ Ferner gebe es im Raum Kirchheim/Teck (Kreis Esslingen) einen leichten Anstieg der Aktivitäten.

Zudem will Scientology in Stuttgart nach Erkenntnissen der Verfassungsschützer am Rande der Innenstadt eine neue Repräsentanz eröffnen. Sie solle zum größten Scientology-Zentrum Deutschlands ausgebaut werden. Dabei gehe es aber nicht um Verwaltungsaufgaben, sondern es solle die größte Einrichtung entstehen, die sich in erster Linie um Kursangebote, Spendensammlung und Mitgliedergewinnung kümmere. „Bis vor kurzem stand das Gebäude zwar leer, doch sind seit Oktober 2014 offenkundig Sanierungsarbeiten im Gange.“

Scientology bezeichnet sich selbst als Kirche. Kritiker bezweifeln den Religionscharakter jedoch und weisen auf das Gewinnstreben der Organisation hin. Die Scientology Gemeinde Baden-Württemberg war zunächst nicht zu einer Stellungnahme erreichbar.

Neben Straßenwerbung geht die Organisation seit Jahren auch gezielt im Internet vor, um neue Anhänger zu gewinnen. Dies sei zum zentralen Werbemedium geworden. „Kinder und Jugendliche sind erkennbar eine Zielgruppe für Scientology. Mit einer Fülle multimedialer Angebote - etwa durch „Jugend für Menschenrechte“ - will sie Jugendliche direkt am Rechner erreichen“, sagte der Sprecher.

Wegen anhaltend kritischer Berichterstattung verschleiere die Gruppe ihre Ziele und trete auch verdeckt mit Hilfsorganisationen auf. So baue sie die Fassade einer harmlosen Gruppe auf und schickt Unterorganisationen mit wohlklingenden Namen wie eben „Jugend für Menschenrechte“ oder getarnt als Anti-Drogen-Kampagne („Sag Nein zu Drogen - Sag Ja zum Leben“) vor.

Der Südwesten ist einer der Schwerpunkte von Scientology

Scientology versuchte den Angaben nach in der Vergangenheit auch gezielt, staatliche Einrichtungen anzusprechen. Verschiedene Behörden hätten Werbeschreiben erhalten, teils von Unterorganisationen wie der „Foundation for a Drug-Free World“, durch die sich die Organisation mit angeblicher Drogenprävention in Szene setzen wollte. Der Sprecher des Landesamts für Verfassungsschutz erklärte weiter: „Der nächste Schritt ist vorgebliche Lebenshilfe. So will Scientology den Menschen den Einstieg schmackhaft machen.“ Das Ziel sei stets, neue Mitglieder zu werben. „Sie sollen durch Schulungen Schritt für Schritt ideologisch vereinnahmt und finanziell ausgebeutet werden.“

Der Südwesten ist infolge der starken Wirtschaftskraft einer der Schwerpunkte von Scientology. Die Zahl der Mitglieder sei mit rund 900 und 3500 in Deutschland stabil bis leicht rückläufig, sagte der Sprecher. Im Raum Stuttgart sei die umstrittene Organisation immer noch in der Lage, große Summen aus ihrer Anhängerschaft einzusammeln. „Es soll sich um Einnahmen in einer Größenordnung von etwa einer Million Euro pro Jahr handeln.“

Der innenpolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Uli Sckerl, meinte am Dienstag, die Scientology-Organisation wolle vermehrt den Anschein einer „moderner Erlöserkirche“ erwecken. Die Investitionen in Stuttgart passten zur Gesamtstrategie, und die laute: auf Kultur und Politik Einfluss nehmen. Deshalb suche sie insbesondere in den großen Städten Europas Präsenz. „Es ist notwendig, die Öffentlichkeit vermehrt aufzuklären und die Organisation weiter zu beobachten.“

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