Geht es nach dem Schwimmsportverein, soll das Freibadgelände im Winter künftig so aussehen Foto: Google Earth/Montage: FSSF Architekten

Der Schwimmsportverein Esslingen ist mit dem Vorhaben, sein Freibad auf der Neckarinsel auch in den Wintermonaten nutzbar zu machen, noch lange nicht am Ziel. Das Projekt ist zwar gut durchdacht, doch die Finanzierung hängt zurzeit in der Luft.

Esslingen - Die großen Pläne des Schwimmsportvereins Esslingen (SSVE), dank einer Traglufthalle sein Freibad auf der Esslinger Neckarinsel auch im Winter nutzen zu können, sind ins Stocken geraten. Zwar liegt der Bauantrag bereits bei der Esslinger Stadtverwaltung, doch hängt der Verein laut Carola Orszulik, eine von zwei geschäftsführenden Vorsitzenden und zugleich die Schatzmeisterin, bei der Finanzierung zurzeit in der Luft. Diese sei nur umsetzbar, wenn von den drei Millionen Euro Gesamtkosten für die Traglufthalle samt der Sanierung des Bades 1,4 Millionen Euro über Zuschüsse von Verbänden, der Stadt Esslingen und aus Förderprogrammen fließen.

Das gelte auch für die laufenden Betriebskosten. Doch machten die potenziellen Geldgeber ihr Engagement vom Förderwillen des jeweils anderen abhängig: „Da beißt sich die Katze in den Schwanz“, sagt die Vorsitzende des Vereins, dessen Wasserballer in der Bundesliga spielen und dessen Nachwuchsteams ebenfalls in den höchsten deutschen Ligen vertreten sind.

Ende November werde laut der Esslinger Stadtverwaltung über den Bauantrag befunden, sagt Carola Orszulik, „dann sehen wir klarer“. Und sie warte in Sachen Versteuerung zudem auf eine Entscheidung des Finanzamts, in der Hoffnung, dass die Behörde „der unserer Ansicht nach guten Berechnungsgrundlage unseres Steuerkonzepts folgt“.

Die laufenden Betriebskosten sind ein entscheidender Faktor

Die Kostenschätzung für die temporäre Überdachung des Schwimmbeckens in den Wintermonaten sowie jene für die Sanierung der Sanitäranlagen, eine weitgehende Barrierefreiheit und den Bau eines Blockheizkraftwerks belaufe sich nach wie vor auf rund drei Millionen Euro, von denen der rund 3300 Mitglieder zählende Verein etwa 1,6 Millionen Euro stemmen müsste. Ein entscheidender Kostenfaktor seien jedoch die laufenden Betriebskosten der Traglufthalle, die sich auf mindestens 32 000 Euro beliefen, so Orszulik. Diese Schätzung enthalte freilich einige Unbekannte, denn sie beruhe auf Hochrechnungen und Erfahrungswerten vergleichbarer Einrichtungen – „ein Praxistest ist eben nicht möglich“. Aber sicher sei auf jeden Fall, dass das Projekt nicht umsetzbar sei, „wenn keine regelmäßigen Zuschüsse fließen“. Denn eine Winternutzungsgebühr für die Mitglieder, das Engagement von Sponsoren, die Einmietung anderer Vereine und Schulen werde die laufenden Kosten höchstens zur Hälfte kompensieren können. In einer Umfrage hätten es die Esslinger Schulen sehr begrüßt, könnten sie dank der Halle ihren zu kurz gekommenen Schwimmunterricht ankurbeln. „Wir würden dafür auch das Personal stellen“, stellt Orszulik klar. Aber wie das seitens der Schulen finanziert werden könnte, „steht in den Sternen“.

Die Stadt gibt sich bei dem Thema zugeknöpft

Für diesen Mittwoch sei ein weiteres Gespräch mit Vertretern der Esslinger Stadtverwaltung anberaumt. Zu einem Ergebnis wird es aber noch nicht kommen, denn die Verwaltung gibt sich bei dem Thema eher zugeknöpft. Zwar erachte man das Vorhaben des größten Vereins in der Stadt als „begrüßenswert“, sagt der Sprecher Roland Karpentier. Aber es seien noch viele Punkte zu klären. Und selbst wenn darüber Klarheit bestehe, stelle sich die Frage, „ob die Stadt in ihrer momentanen finanziellen Situation ein solches Projekt fördern kann“, sagt Karpentier. Im November wolle die Esslinger Stadtverwaltung mit dem Thema „informativ in den Gemeinderat gehen“.

Die Mitglieder des SSVE stehen hinter dem Vorhaben. Im Januar hatten sie diesem in einer außerordentlichen Hauptversammlung mehrheitlich zugestimmt – unter der Voraussetzung, dass die in die Planungen mit einkalkulierten Zuschüsse fließen. Der Verein gehe das Projekt keinesfalls hemdsärmelig an, in einem von ihm eingerichteten 18-köpfigen Kompetenzteam haben sich Orszulik zufolge Experten für die Bereiche Bau, Finanzierung und Kommunikation der Planungen angenommen. „Wir wissen, was wir können. Und wir wissen auch, was wir nicht können“, sagt sie an all jene gerichtet, für die nicht vorstellbar sei, dass Ehrenamtliche ein solches Projekt stemmen könnten.

Frühestens im Herbst nächsten Jahres ist Baubeginn

Selbst wenn die Finanzierung in trockenen Tüchern sei, „fangen wir in diesem Jahr noch nicht mit dem Bau an“, sagt die SSVE-Geschäftsführerin. Frühestens im Herbst nächsten Jahres würden dann die Sanierungsarbeiten aufgenommen, so schätzt sie. Und wenn sich alles zum Guten wende, könnten die Wasserballer und Schwimmer im Winter 2021/2022 in einer beheizten Traglufthalle auf der Neckarinsel ihrem Sport nachgehen.

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