Allein in den vergangenen 20 Jahren haben im Kreis Ludwigsburg vier Bäder dauerhaft geschlossen. In derselben Zeit wurde nur ein neues gebaut. Foto: picture alliance/dpa

Seit Jahren warnt die DLRG vor einem schleichenden Bäder-Sterben. Sanierungsstaus und hohe Betriebskosten machen den Kommunen zu schaffen – und gefährden das Kulturgut Schwimmbad. 

Mit 34 Schwimmbädern bietet der Landkreis Ludwigsburg aktuell noch einen bunten Mix aus Frei- und Hallenbädern, Lehrschwimmbecken und Erlebnisbädern. Gleichzeitig machen oft in die Jahre gekommene Gebäude, veraltete Technik und immer weiter steigende Betriebskosten den klammen Kommunen zu schaffen. Wie ist es um die Ludwigsburger Bäderlandschaft bestellt?

 

„Aktuell funktioniert es für uns“, sagt Björn Schäfer, Pressesprecher der DLRG im Kreis Ludwigsburg, auf Anfrage unserer Zeitung. Jede Ortsgruppe habe ausreichend Schwimmflächen, um ihrer Aufgabe, Menschen das Schwimmen beizubringen, nachzukommen. „Die Entwicklung bereitet uns allerdings Sorgen.“ Deutschlandweit warnt die DLRG seit Jahren vor den Folgen des schleichenden Bäder-Sterbens in Kombination mit fehlendem Fachpersonal. Der Kreis Ludwigsburg mache da keine Ausnahme.

Mehr Bäder geschlossen als neue gebaut

Allein in den vergangenen 20 Jahren wurden vier Schwimmbäder, öffentlich oder zu Lehrzwecken, geschlossen: in Asperg, Ludwigsburg, Schwieberdingen und Marbach. In derselben Zeit ist nur ein neues gebaut worden, das Campusbad in Ludwigsburg. Marbach hat zwar ebenfalls vor, das alte Bad zu ersetzen, über das Wann ist aber noch nichts bekannt. Bleibt ein Verlust von mindestens zwei Schwimmbädern. Und dass es dauerhaft bei der relativ guten Abdeckung bleibt, kann Björn Schäfer sich aktuell schwer vorstellen.

„Es gibt mehrere Beispiele, in denen der Betrieb durch kleinere Sanierungen notdürftig am Laufen gehalten wird.“ Notwendige Kernsanierungen blieben aber aus Geldmangel oft aus, sodass man stets kurz- oder sogar längerfristige Schließungen befürchten müsse.

„In Bietigheim ist zum Beispiel vor einiger Zeit ein Teil der Decke heruntergekommen, da war das Bad erst mal für mehrere Wochen zu. Da müsste eigentlich richtig was gemacht werden, aber die Stadt ist am Limit.“ Im Lehrschwimmbad im Stadtteil Bissingen ist die Situation bekanntermaßen ähnlich schwierig. „Einige Standorte stehen auf Messers Schneide.“

Tatsächlich hadern mehrere Kommunen mit dem hohen Abmangel und dem Blick in die Zukunft, zum Beispiel Besigheim mit seinem kostenintensiven Mineralfreibad oder Ludwigsburg, das als Kommune drei Lehrschwimmbäder betreibt, die mittelfristig alle generalsaniert werden müssen. Auch im Asperger Freibad „müsste die veraltete Technik sowie Sanitärräume saniert werden“, sagt Stadtkämmerer Pascal Hirsch. „Jedoch ist dies aufgrund der hohen Kosten nicht möglich.“

Weit prekärer ist die Situation in Markgröningen und Vaihingen an der Enz. „Unsere Badewassertechnik stammt noch aus dem Baujahr“, erklärt Markgröningens Bürgermeister Jens Hübner. Eine vorübergehende oder sogar dauerhafte Schließung aus technischen Gründen schwebt daher stets wie ein Damoklesschwert über dem Lehrschwimmbad.

Das Hallenbad von Vaihingen ist „nicht mehr sanierungsfähig und kann aus heutiger Sicht bestenfalls noch wenige Jahre genutzt werden“, heißt es von Astrid Kniep, Sprecherin der Stadtverwaltung. Immerhin: „Der Gemeinderat hat die Stadtverwaltung beauftragt, eine Bedarfsermittlung für einen Hallenbadneubau zu erstellen.“

Gleichzeitig gibt es zahlreiche positive Beispiele, Bäder, bei denen Technik und Bausubstanz auf weitgehend aktuellem Stand sind oder die gerade oder in naher Zukunft aufwendig hergerichtet werden. Im kleinen Affalterbach zum Beispiel läuft gerade die Grundsanierung des örtlichen Lehrschwimmbads für 1,4 Millionen Euro.

Sachsenheims Hallenbad wurde nach dem Brand der Vorgängereinrichtung erst im Jahr 2000 wiedereröffnet, das Freibad soll demnächst saniert werden. Und in Korntal-Münchingen wurde 2024 „zur Sicherung der Betriebsstabilität ein Masterplan mit einem kurz-, mittel- und langfristigen Konzept beschlossen“, so Stadtsprecherin Angela Hammer. „Es wurden neun Millionen Euro eingeplant.“

Mehr als bloße Schwimmstätten

Aus Sicht der DLRG wichtige Signale, die es noch an viel mehr Stellen bräuchte, findet Björn Schäfer. Denn ohne Bäder kein Schwimmunterricht, so viel ist klar. Doch es geht um mehr, sagt der DLRG-Sprecher. „Schwimmen ist seit jeher eine wichtige und beliebte Freizeitbeschäftigung für Jung und Alt. Und in Deutschland, wo wir kein Meer und nur wenige Badeseen haben, bleiben dafür nur Schwimmbäder.“

Speziell Freibäder sind aus seiner Sicht viel mehr als bloße Schwimmstätten, sie seien „Kulturgut und zentraler Treffpunkt“, vor allem für Jugendliche. „Wir können uns nicht auf der einen Seite beschweren, dass die jungen Leute nur noch am Handy sitzen, und ihnen auf der anderen sämtliche Alternativen wegnehmen.“ Leider stünden Schwimmbäder selten an oberster Stelle, sobald es finanziell eng wird, weil sie einen extremen Kostenfaktor darstellen. „Aber sein wir mal ehrlich: Welches Kulturgut ist schon gewinnbringend?“