Die Paradedisziplin von Fabrice Wendel ist Schmetterling, doch in den USA gibt es bereits einen Spezialisten auf dieser Strecke, deshalb sattelt er auf Freistil um. Foto: Andreas Gorr

Der Höfinger Fabrice Wendel verwirklicht an der Delta State University in Cleveland seinen Traum, bringt seinen Leistungssport und das Studium ideal unter einen Hut. Der 20-Jährige bleibt insgesamt mindestens vier Jahre in den USA.

Leonberg - Im August des vergangenen Jahres ist Fabrice Wendel ausgezogen, um in den USA seiner großen Leidenschaft nachzugehen. Der Höfinger hat mit einem Sportstipendium an der Delta State University in Cleveland, im Bundesstaat Mississippi, angeheuert und wird dort insgesamt vier Jahre für das College-Team schwimmen. „Ich wollte nach dem Abitur und nach meinem freiwilligen sozialen Jahr etwas ganz Neues machen, und in Amerika habe ich die besten Perspektiven, meinen Sport und mein Studium miteinander zu verbinden“, sagt der 20-Jährige, der insgeheim davon träumt, bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro zu starten. „Das muss man allerdings realistisch sehen, im letzten Jahr habe ich mich zwar schon verbessern können, doch bis zur Weltspitze fehlt noch ein ganzes Stück“, sagt Wendel.

Die deutschen Meisterschaften Anfang Mai in Berlin hat er in diesem Jahr verpasst, weil er noch die letzten Prüfungen absolvieren musste. Bei den süddeutschen Titelkämpfen in Wetzlar wurde er sowohl über 50 als auch über 100 Meter Freistil Zweiter. „Allerdings hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht die ideale Vorbereitung, denn normalerweise geht man vor einem Wettkampf mit dem Trainingsumfang runter“, sagt Wendel. Seinen Hauptwettbewerb hatte er bereits im April dieses Jahres beim nationalen Vergleich der Collegeteams. „Da lief es allerdings nicht so gut“, gibt der Modellathlet zu. Die Frage, wo er sich derzeit leistungsmäßig unter den deutschen Schwimmern einordnen würde, kann Wendel kaum beantworten. „In Amerika schwimmen wir unsere Zeiten auf einer 25 Yard Bahn, das sind knapp 23 Meter. Die Zeiten sind mit denen auf einer 25-Meter-Bahn daher schwer vergleichbar“, erklärt der Höfinger.

Erst kommt die Mannschaft, dann der einzelne

Vom Training an der Delta State University ist Fabrice Wendel begeistert. „Es wird sehr viel Disziplin gefordert, aber dafür bekommt man auch große Unterstützung.“ In den USA zähle an erster Stelle das Team. So musste Wendel auch seine Spezialdisziplin Schmetterling in Kraul umstellen. „In unserer Mannschaft gibt es bereits einen Schmetterling-Spezialisten, der alles gewinnt, also bin ich jetzt für Freistil zuständig.“

Wendels Tag ist gut verplant. Zwanzig vor fünf klingelt morgens bereits der Wecker. Die erste Trainingseinheit beginnt um 5 Uhr. Eine Stunde im Kraftraum, eine Stunde im Wasser. „Das ist jedes Mal eine Qual, aber man gewöhnt sich daran“, sagt Fabrice Wendel und lacht. Nach dem Frühstück geht’s in die Vorlesungen. Wendel hat sich für die Studienrichtung internationales Business entschieden. Im ersten Jahr leistete er seine Grundkurse ab. Die Spezialisierung folgt in den kommenden Semestern. „Obwohl ich in der Schule ganz gut in Englisch war, musste ich mich anfangs an die Sprache, vor allen Dingen an den Dialekt gewöhnen, das hat sich in der Zwischenzeit aber eingependelt.“

Mehr Zeit für die Trainingseinheiten

Nach der Uni geht’s noch einmal ins Becken. Sechs Kilometer sind hier das übliche Maß. „Das tolle ist, dass alles auf dem Campus liegt, wir gehen über die Straße und sind am Pool, eine Straße weiter ist die Kantine, damit entfallen zeitaufwendige Fahrtstrecken, wie ich sie teilweise hier in Deutschland hatte“. Die nächst größere Stadt ist Memphis, die ist in knapp zwei Autostunden zu erreichen.

Das Schwimmen gelernt hat Fabrice Wendel bei den Wasserfreunden Leonberg. Später wechselte er zum VfL Sindelfingen, folgte dann seinem Trainer nach Weil der Stadt. Zuletzt trainierte er fast ausschließlich in Stuttgart in der Auswahl des Schwimmverbandes Württemberg. In der Zwischenzeit startet er für den SV Waiblingen. Vor drei Jahren ist er mit diesem Team in die Zweite Bundesliga aufgestiegen. Die beste Platzierung war Rang sechs bei den Deutschen Meisterschaften mit der 4 x 50 Meter Freistil-Staffel.

Ferienjob in der Heimat als Bademeister

Derzeit hat Fabrice Wendel seine dreimonatigen Semesterferien und ist auf Heimatbesuch. Währenddessen jobbt er im Höfinger Bädle als Bademeister. Oder er trainiert. „Das ist aber nicht so spannend, alleine meine Bahnen zu ziehen, aber ich versuche, mich so gut wie möglich fit zu halten“, sagt Wendel.

Eine willkommene Abwechslung waren jetzt die württembergischen Meisterschaften in Schwäbisch Gmünd. Den Titel holte er über 100 Meter Schmetterling in 57,55 Sekunden. Drittschnellster war er über 100 Meter Freistil (53,34), 50 Meter Freistil (24,59) und mit der 4 x 100 Meter Freistil-Staffel. „Jetzt wird es aber langsam wieder Zeit, zurückzufliegen, damit ich wieder ordentlich mit meinen Mannschaftskollegen trainieren kann“, sagt Fabrice Wendel und springt ins Wasser, um seine 5000 Meter im Leobad abzuspulen.

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